Auf den von seiner Daphne ge- liebten brunn.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Glückseliges crystall, es ziert dich keine kunst,

Und doch bestrahlet dich die sonne seltner gunst,

Weil Daphne sich in dir den gantzen tag bespiegelt,

Mir aber weg und thor zu ihrer huld verriegelt.

Dein wasser ist so kalt, und hat gleichwol die krafft,

Daß Daphne sich an dir, ich weiß nicht wie, vergafft.

Hingegen steigt mein ach aus flammen-reichen lippen,

Und findet dennoch nichts, als taube marmel-klippen.

Denn Daphne hört mich nicht, mein seuffzen wird verlacht,

Jhr zartes ohre giebt blos auf dein lispeln acht,

Und würd’, ich weiß es schon, dein ihm beliebtes rauschen

Nicht um den lauten-klang des Phöbus selbst vertauschen.

Vor ihren blicken hat mein hertze gute ruh,

Jhr holdes auge sieht nur deinen qvellen zu.

Sie spiegelt sich in dir, sie denckt nicht an narcissen,

Und daß man andre nur, nicht aber sich kan küssen.

Wenn sie die sonne sticht, so läst sie deine flut

Um ihre glieder gehn, auf welchen milch und blut,

So wie in rosen spielt; ich aber muß verschmachten,

Und, leyder! gantz umsonst nach süßer kühlung trachten.

Allzubeglückter brunn! sag’, ob mein’ eifersucht

Nicht billig über dir, als einem feinde, flucht?

Denn wärest du nicht da, wer weiß, ob nicht die bronnen,

So mein gesichte trägt, längst Daphnens gunst gewonnen.

Allein, mein eifer ist ein donner ohne krafft,

Denn wo der himmel mir nicht rath und hülffe schafft,

So wird mein hertze zwar ein brunnen der beschwerden,

Doch nicht ein aufenthalt der schönen Daphnen werden.