Auf des woledlen vnd vesten herrn Jacob Schachmanns auf Brunaw vnd Bolschaw erbg...

By Johannes Plavius

Wie ein schiff auf meeres wogen

Wenn die wind' auß norden wehn

Wenn die wellen höher gehn

Als zuvor die segel flogen

Wenn das wasser schäumt und braust

Wenn der mastbawm knackt und saust

Wenn man glas vnd ruder misset

Wenn man den compas vergisset

Wenn der schiffer beten heisst

Wenn man betend zeter-schreyet

Wenn das schiff mit sincken dräwet

Wenn die fluth den mast befleust:

Also ist dies schwache leben

Da sich mancher allzuvest

In der schwacheit auf verlässt.

Eh man oft mit blindem glücke

Auf eim brete daumen dicke

Den gewünschten orth erreicht.

Die im wilden meere schweben

Trawen durch die wilde fluth

Forch zu bringen gut vnd bluth

All' jhr förchten all jhr bangen

Vnd verlangen ist vergangen

Wenn der port die segel streicht.

O wol dem welcher auch auf diesem sünden-meere

Die klippen böser lust verhütet vnd nicht achtt

Schlägt allen sturm in wind vnd dürstet nach der ehre

Die dem dort wiederfährt der hie den port betracht

Den vielgesuchten port den ort der sicherheit.

Er schläfet oder wacht

Wallt doch sein hertz' vnd lacht

Achtt weder ort noch zeit

Da er noch innen ist

Dieweil er gantz vergisst

Sein nicht-lang-wierig leid

Welchs jhm der port benimmt der ort der seeligkeit.

Wie nun einem dan verlanget

Nach der winde sturm vnd wehn

Wieder drucken land zu sehn

Vor nichts grawet vor nichts banget

Andre mögen schlafen gehn

Ihn gelüstet zu zusehn.

Wie der wind die segel treibet

Wo des schiffes spure bleibet

Andre dencken nach der ruh

Was sie wol im sturm vergessen

Ihm schmeckt weder tranck noch essen

Er wil nach dem lande zu:

So war dieser edlen seelen

Fleisches lust nur seelen last

Seelen lust war jhre mast

Eh sie aus der finstern höhlen

Ihres leibes durch den tod

Wurd' entzücket aller noth.

Alle leibes-last ist nichtig

Alle leibes-lust ist flüchtig

Sprach herr Schachmann diese zeit

Die ich hab' allhie zu kämpffen

Soll mir meine lust nicht dämpffen

Zu der süssen ewigkeit.

Nu was er hat begehrt das hat jhm Gott bescheret

Sein leiden ist dahin sein wvnsch ist nu gestillt

Gott hat jhn seiner bitt' vnd noch viel mehr gewähret:

Sein förchten ist nu trost sein hoffen ist erfüllt:

Sein tod ist nu sein schlaff sein sterben sein gewinn:

Vnd weil er hat gewust

Die sterbe-konst vnd-lust

Als ist er ohne tod

Gedrungen durch die noth

In fried' vnd frewden hin

Wo nichts als leben ist nun vnd von anbeginn.