Auf die Abwesenheit der Liebsten.

By Heinrich Mühlpfort

Ich kan nicht deine Augen küssen

Und dir ist jetzt mein Mund versagt.

Ach Schatz daß wir so lieben müssen

Hab ich dem Himmel offt geklagt.

Umbsonst er zeigt nur Donnerblicke

Und stößt den heissen Wunsch zurücke.

Ich will dich zwar im Hertzen tragen

So lange mich die Erde trägt.

Mein Geist soll deine Seele fragen

Ob sie noch gleichen Zunder hägt.

Du lebst und schwebst mir in Gedancken

Doch nicht in eines Landes Schrancken.

Gefangne hoffen frey zu werden

Ich hoffe dich nicht mehr zu sehn.

Der Wind kan jetzt in frembder Erden

Mir deine Seuffzer nicht zuwehn;

Und dennoch baut der Liebe Stärcke

Jm Hertzen grosse Wunderwercke.

Wenn mich der Schlaf nur eingewieget;

(wo auch die Liebe schlaffen läst.)

Hat sich ein Both im Traum verfüget

Der spricht die

Sie liebt und schickt dir dieses Schreiben

Und will auf ewig deine bleiben.

Bald seh ich sie vorm Spiegel stehen

Wie sie das Haar zu Felde schlägt;

Bald mit beliebten Tritten gehen;

Bald wie sie sich zu Bette legt

Und meine treue Lieder singet

Biß sie der müde Schlaf bezwinget.

Ach denck ich solt ich bey dir ligen

Sollt ich den süß-bethauten Mund

Mit einem solchen Kuß vergnügen

Der nur den Treu-verliebten kund

So würd ich mich vergöttert nennen

Und keine Sterblichkeit mehr kennen.

Ich wiederhole jene Zeiten

Da ich umb deinen Halß geschränckt

Und mehr als tausend Lieblichkeiten

Mich mit dem Nectar-Safft getränckt

Der Lipp’und Brüste holde Gaben

Vermögen noch mein Hertz’ zu laben.

So offt der West den Flor erhebet

Der deine Lilgen Brüste deckt

So dencke daß mein Geist da schwebet

Daß mein Hertz unter deinem steckt.

Wie dieser zarte Schneevoll Flammen

Wie Gluth und Blut sich fügt zusammen.

Kommt wo ein Jungfern-Bild gegangen

Das Wunder-holde Schönheit ziert.

Erkenn ich daß der Liebsten Wangen

Allein der Lorbeer-Krantz gebührt.

Mein Spiegel-Glaß sind schöne Frauen

Worinn ich

Ich schmecke noch die Zucker Küsse

Die mir dein Mund hat eingeflöst.

Ich fühle noch die linden Bisse;

Wenn Seel und Seel sich hat getröst.

Ich greiffe noch die weichen Hände

Und bin empfindlich biß ans Ende.

Ja

Die Faulnüß und der Schimmel frist

Wenn auff dem kalten Grabe-Steine

Ein Wandrer meinen Hintritt liest

So wird man

Und dein Gedächtnüß heilig ehren.

Ich küß jetzt zwar nicht Aug und Wangen

Ich schlaffe nicht auf deiner Brust.

Doch du bist einzig mein Verlangen

Und höchsterwünschte Seelen-Lust.

Noch Zeit noch Ort bricht meine Liebe

Die ich an

Nimm dieses Lied zum klaren Zeichen

Das gantz von Liebes-Flammen brennt.

Das nich von deiner Hold kan weichen

Obschon der Tod die Geister trennt;

So wird doch in Elyser Wiesen

Die