Auf die Heydnischen Philosophos
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
So streng und tugendhafft die alten Weisen schrieben
So heuchelten sie doch und recht erhitzt zu lieben
War unter andern auch ihr bester Zeit Vertreib.
Euclides kleidete sich selber als ein Weib
Statt von dem Socrates die Mäßigkeit zu hören
Ließ er sich in Athen die Fleisches Ubung lehren.
Der weise Socrates war scharff genug zu nennen
Man sah ihn auf der Brust Aspasiens doch brennen.
Pythagor wandert auch ob seine Träume groß
Mit seiner Seelen offt in der Theano Schooß.
Und Solon kan mit Lust so wohl auf schöne Frauen
Als wie des Landes Heil auf die Gesetze bauen.
Diogenes mag wohl der Lais Bildniß tragen
Der erst von seinem Faß will alle Weiber schlagen.
Und Plato, welcher sich zum Halb-Gott hat gemacht
Hat die Gemeinschafft gar der Weiber aus gedacht.
Kurtz: welche Weißheit auch sie in den Schulen lehren
Die Schule der Natur kan Weise leicht bethören.
So war die Lehre scharff das Leben frey zu heissen.
Nur zwang sie ein Gesetz von aussen schön zu gleissen.
Ein Sinnen-reicher Spruch ein stoisches Gesicht
Bezauberte das Wolck und half zur Tugend nicht.
Von den Affecten frey ein Sieger seyn von Lüsten
Weiß kein Philosophus, es wissens nur die Christen.