Auf die Hoch-Adel. Vermählung Hn. G. F. v. A. u. Jungf. U. M. v. K. 1668. den 12...
Es ist ein schöner Ort und noch ein schöner Reich
Das auch die alte Welt mit Tempeln hat geehret
Ja das die Witterung der Zeiten nie versehret
Die Sonne scheinet da in höchster Klarheit gleich;
Des Mondens Wechselung deß Winters Grausamkeiten
Vermögen nimmer mehr diß Lust Haus zu bestreiten.
Der Floren Eh’-Gemahl der West-Wind wohnet da
Der Etesinnen Schaar haucht Biesam-starcke Lüfte
Es steigt kein gifftig Dampf auß tiefer Thäler Grüfte
Die Felder strecken sich den Hügeln nicht zu nah
Der Blumen Zierath prangt in bund-gemahlten Bildern
Und funckelt Sternen gleich auß jeden Lust-Gefildern.
Da ist der Sammel-Platz der Freuden Aufenthalt
Die bleiche Kümmernüß wird ewig hier verwiesen
Hergegen Lust und Schertz als Eigenthum gepriesen
Der Hohen grosse Pracht und mächtige Gewalt
Schreibt nicht Gesetze vor die Freyheit will regieren
Und unter ibrem Stab Spiel Anmuth Liebe führen.
Ob wol kein sterblich Aug’ und ungeübter Mund
Den Königlichen Glantz der Zimmer kan beschreiben;
Ob in der Feder schon die Worte stecken bleiben
So ist doch Zweifels frey daß nie der Erden Rund
Dergleichen je gehabt und hier der Wollust Gräntzen
In welcher wesentlich der Schönheit Strahlen gläntzen.
Das wolgebaute Schloß so gleich den Sternen stieg
Ließ seine Majestät weit in die Ferne schauen
Kein Künstler dürffte was in seltnen Marmel hauen
Des Phrygers kluge Hand behielt allein den Sieg:
Was Jupiter gethan was Semele begehret
Das hat sein Nadel-Stich in Perl und Gold gewehret.
Die Wände waren mit Rubinen außgesetzt
Und Säulen von Smaragd und Fenster von Erystallen
Die liessen doppelt Liecht in jedes Zimmer fallen;
Hier war der Jaspis nicht noch der Achat geschätzt
Indem der Diamant warf unerschöpffte Strahlen
Und auf dem Boden lag die Menge der Opalen.
In diesem Wunder-Haus hielt ihre Hofe-Stadt
Die Mutter aller Lust die Herrscherin der Erden
Der Helden wie sie seyn fuß-fällig müssen werden
Die Hertzen gleich Metall doch überwunden hat.
Jhr schönes Liebes-Volck erschien in güldnen Haaren
Und frey an Sinn und Geist und angenehm an Jahren.
Es hatte ungefehr der Morgenröthe Schein
Den Himmel klar gemacht als von den Schwanen-Küssen
Die Göttin süsser Brunst den zarten Leib gerissen
Der Schnee beschämen kan und trotzt das Helffenbein
Sie rief den Gratien den Schmuck ihr anzulegen
Und ihrer Schönheit-Glantz aufs fleissigste zu pflegen.
Jedwede steht bemüht die rollt der Haare Zier
In krause Locken auf wie wenn im höchsten Scheine
Der Sonne Fackel steht so blitzen auch die Steine
Umb das gekrönte Haupt; die bringet im Safier
Was von Jeßminen rinnt und Pomerantzen schwitzen
Das außgeputzte Haar anmuthig zu bespritzen.
Ein andre streuet drauf den Rosen Puder ein
Weil die den Spiegel hält die Göttigkeit zu zeigen
Vor der sich Ost und West demütig müssen neigen
Doch wie soll ein Crystall der Göttin nöthig seyn?
Jhr himmlisch Angesicht und seine Sternen-Blicke
Schickt in vermehrter Pracht jedweder Ort zurücke.
In dem sie gantz entzückt verwundert ihre Zier
Kömmt der geliebte Sohn hochmühtig angezogen
Gewaffnet wie er pflegt mit Köcher Pfeil und Bogen
Und küst der Mutter Hand; Was spricht sie hastu für;
Wer liegt von deinem Pfeil? Wilstu die Götter zwingen;
Dyctinnen wiederumb auß ihrem Kreisse bringen.
Es lag der kleine Schalck an ihrer Lilgen-Brust
Und rief der Sieg ist mein auf Mutter auf Dione
Dein Kind verdient mit recht die schönste Lorber-Krone
Der Pfeil hat nicht gefehlt und unbegräntzte Lust
Erfüllet mir das Hertz auf schaffe Taub’ und Wagen
Und laß dich den Triumph zu sehen prächtig tragen.
Du kenst Uranien so mag der Nahme seyn
Die Blum aus edlem Stamm der Eltern Trost und Freude
Des Vatern Augen-Lust der Mutter Seelen-Weide
Die zwar der Ahnen Ruhm doch eigner Tugend-Schein
Noch mehr vollkommen macht und die durch ihre Sitten
Der Menschen Gunst erweckt den blassen Neid bestritten.
Nun derer zarter Geist dem Lieben nicht bekant
Der Mutter kein Altar noch Opffer dir geweyhet
Und dem die Wollust nie Lockkörner hat gestreuet
Fühlt itzt durch meinen Trieb in Adern einen Brand
Und hier erweg es recht bin ich nicht blind gewesen
Weil ich zum Bräut’ gam den der würdig ausgelesen.
Der Adel so ihn ziert die Weißheit so ihn krönt
Der ausgeschärffte Witz durch Lesen Dencken Reisen
Den auf dem Pindus noch die Musen alle preisen
Bezeigen daß ihm anch das Glücke hier versöhut
Und günstig wollen seyn: Weil seine gantze Jugend
Ein wahrer Junbegrief der Wissenschafft und Tugend.
Der Lieb-reitz hatte nicht die Worte recht vollbracht
Die Hertzens-Wenderinn sie sattsam angehöret
Als sie des Hauptes Schmuck mit neuen Strahlen mehret
Den Leib in Purpur hüllt den Gürtel fertig macht
Zu gürten umb den Leib der mächtig Wind und Wellen
Samt aller Wetter-Brunst in sanfte Ruh zu stellen.
Drauf hub ein linder West die Göttin in die Höh
Des Himmels Hyacynth ward ob der Ankunfft helle
Die Lufft warf vor den Schnee die Lilgen auf die Stelle
Der Regen kehrte sich in Rosen Nelck’ und Klee
Der gantze Bodem schien von neuem aufzublühen
Und die Ergetzligkeit den Wagen selbst zu ziehen.
Sie rief dem Flügel-Heer und sprach Geliebte geht
Du Hymen solst alsbald die Hochzeit-Flamm entzünden
Du aber Einigkeit die Hertzen so verbinden
Als mit dem Eisen sich vermählet der Magnet
Jhr andern holet Kräntz und Blumen in der Menge;
Verbessert wie ihr könt der Liebenden Gepränge.
Theils stecke Lichter auf theils schütte Balsam aus
Ja was uns Sidon schickt und was der Serer webet
Was Tyrus künstlich färbt und was der Pers erhebet
Das werde hin und her gebreitet durch das Haus
Jhr must ein Braut-Bett’ baun und in die Säulen graben
Den Ruhm so beyderseits verliebten Eltern haben.
Ob zwar der
Gesegnet und nunmehr in andern Freuden sitzet
So lebt der Nachruhm noch wie er der Stadt genützet
Wie seiner Sorgfalt-Treu bey Früh- und Abends-Zeit
Der Bürger Heil gesucht; man sieht von seinen Söhnen
Mit gleicher Folg’ und Lob das werthe Grab bekrönen.
Der den die gantze Stadt aus Pflicht als Vater ehrt
Hat für gemeinen Nutz ingleichen stets gewachet
Den itzt der Himmel selbst mit Freuden-Schein anlachet
Der ohne Thränen nicht der Freunde Glück-Wunsch hört
Hat von dem Vaterland schon längst den Schluß erlanget
Daß er mit Ruhm und Recht in Lorber-Kronen pranget.
So sprach Jdalia und trat mit voller Pracht
In das beglückte Haus die schöne Braut zu grüssen
Und in der Armen Band holdseeligst einzuschliessen.
Was thut Uranie die von der Liebe Macht
Und Stärcke noch nicht weiß? von Zucht und Scham getrieben
Giebt ihre Röth’ an Tag sie kenne nicht das lieben.
Nicht anders mischt sich Blut mit reinem Helffenbein
So färbt die Rose sich bey klaren Sommer-Tagen
So sieht bey früher Zeit der Morgen-Röthe
Die Venus brach heraus es müst ein Felsen seyn
Der dich nicht lieben solt ich muß es frey bekennen
Du köntest Götter selbst nicht nur die Menschen brennen.
Wolan der Seiten-Klang der Gäste freyer Schertz
Und deines Bräutigams höchst-eyfriges Verlangen
Erwarten Tantz und Spiel der Tag ist nun vergangen
Diana weiset schon die blancke Silber-Kertz
Am hohen Himmels-Saal und jede Sterne ruffen
Des Namens Ewigkeit ist aus der Eh’ zu hoffen.
Nim diesen Demant-Krantz zum Zeichen meiner Gunst;
Es müss’ euch Freud und Lust zu Tisch und Bette dienen
Es müsse fort für fort der Baum der Liebe grünen
Und unauslöschlich seyn die Flammen reiner Brunst:
Sie schloß und ließ zugleich das Liebes-Ambra glimmen
Indem der Göttin Wunsch bejahten aller Stimmen.