Auf die Hoch-Adel. Vermählung Hn. G. F. v. A. u. Jungf. U. M. v. K. 1668. den 12...

By Heinrich Mühlpfort

Es ist ein schöner Ort und noch ein schöner Reich

Das auch die alte Welt mit Tempeln hat geehret

Ja das die Witterung der Zeiten nie versehret

Die Sonne scheinet da in höchster Klarheit gleich;

Des Mondens Wechselung deß Winters Grausamkeiten

Vermögen nimmer mehr diß Lust Haus zu bestreiten.

Der Floren Eh’-Gemahl der West-Wind wohnet da

Der Etesinnen Schaar haucht Biesam-starcke Lüfte

Es steigt kein gifftig Dampf auß tiefer Thäler Grüfte

Die Felder strecken sich den Hügeln nicht zu nah

Der Blumen Zierath prangt in bund-gemahlten Bildern

Und funckelt Sternen gleich auß jeden Lust-Gefildern.

Da ist der Sammel-Platz der Freuden Aufenthalt

Die bleiche Kümmernüß wird ewig hier verwiesen

Hergegen Lust und Schertz als Eigenthum gepriesen

Der Hohen grosse Pracht und mächtige Gewalt

Schreibt nicht Gesetze vor die Freyheit will regieren

Und unter ibrem Stab Spiel Anmuth Liebe führen.

Ob wol kein sterblich Aug’ und ungeübter Mund

Den Königlichen Glantz der Zimmer kan beschreiben;

Ob in der Feder schon die Worte stecken bleiben

So ist doch Zweifels frey daß nie der Erden Rund

Dergleichen je gehabt und hier der Wollust Gräntzen

In welcher wesentlich der Schönheit Strahlen gläntzen.

Das wolgebaute Schloß so gleich den Sternen stieg

Ließ seine Majestät weit in die Ferne schauen

Kein Künstler dürffte was in seltnen Marmel hauen

Des Phrygers kluge Hand behielt allein den Sieg:

Was Jupiter gethan was Semele begehret

Das hat sein Nadel-Stich in Perl und Gold gewehret.

Die Wände waren mit Rubinen außgesetzt

Und Säulen von Smaragd und Fenster von Erystallen

Die liessen doppelt Liecht in jedes Zimmer fallen;

Hier war der Jaspis nicht noch der Achat geschätzt

Indem der Diamant warf unerschöpffte Strahlen

Und auf dem Boden lag die Menge der Opalen.

In diesem Wunder-Haus hielt ihre Hofe-Stadt

Die Mutter aller Lust die Herrscherin der Erden

Der Helden wie sie seyn fuß-fällig müssen werden

Die Hertzen gleich Metall doch überwunden hat.

Jhr schönes Liebes-Volck erschien in güldnen Haaren

Und frey an Sinn und Geist und angenehm an Jahren.

Es hatte ungefehr der Morgenröthe Schein

Den Himmel klar gemacht als von den Schwanen-Küssen

Die Göttin süsser Brunst den zarten Leib gerissen

Der Schnee beschämen kan und trotzt das Helffenbein

Sie rief den Gratien den Schmuck ihr anzulegen

Und ihrer Schönheit-Glantz aufs fleissigste zu pflegen.

Jedwede steht bemüht die rollt der Haare Zier

In krause Locken auf wie wenn im höchsten Scheine

Der Sonne Fackel steht so blitzen auch die Steine

Umb das gekrönte Haupt; die bringet im Safier

Was von Jeßminen rinnt und Pomerantzen schwitzen

Das außgeputzte Haar anmuthig zu bespritzen.

Ein andre streuet drauf den Rosen Puder ein

Weil die den Spiegel hält die Göttigkeit zu zeigen

Vor der sich Ost und West demütig müssen neigen

Doch wie soll ein Crystall der Göttin nöthig seyn?

Jhr himmlisch Angesicht und seine Sternen-Blicke

Schickt in vermehrter Pracht jedweder Ort zurücke.

In dem sie gantz entzückt verwundert ihre Zier

Kömmt der geliebte Sohn hochmühtig angezogen

Gewaffnet wie er pflegt mit Köcher Pfeil und Bogen

Und küst der Mutter Hand; Was spricht sie hastu für;

Wer liegt von deinem Pfeil? Wilstu die Götter zwingen;

Dyctinnen wiederumb auß ihrem Kreisse bringen.

Es lag der kleine Schalck an ihrer Lilgen-Brust

Und rief der Sieg ist mein auf Mutter auf Dione

Dein Kind verdient mit recht die schönste Lorber-Krone

Der Pfeil hat nicht gefehlt und unbegräntzte Lust

Erfüllet mir das Hertz auf schaffe Taub’ und Wagen

Und laß dich den Triumph zu sehen prächtig tragen.

Du kenst Uranien so mag der Nahme seyn

Die Blum aus edlem Stamm der Eltern Trost und Freude

Des Vatern Augen-Lust der Mutter Seelen-Weide

Die zwar der Ahnen Ruhm doch eigner Tugend-Schein

Noch mehr vollkommen macht und die durch ihre Sitten

Der Menschen Gunst erweckt den blassen Neid bestritten.

Nun derer zarter Geist dem Lieben nicht bekant

Der Mutter kein Altar noch Opffer dir geweyhet

Und dem die Wollust nie Lockkörner hat gestreuet

Fühlt itzt durch meinen Trieb in Adern einen Brand

Und hier erweg es recht bin ich nicht blind gewesen

Weil ich zum Bräut’ gam den der würdig ausgelesen.

Der Adel so ihn ziert die Weißheit so ihn krönt

Der ausgeschärffte Witz durch Lesen Dencken Reisen

Den auf dem Pindus noch die Musen alle preisen

Bezeigen daß ihm anch das Glücke hier versöhut

Und günstig wollen seyn: Weil seine gantze Jugend

Ein wahrer Junbegrief der Wissenschafft und Tugend.

Der Lieb-reitz hatte nicht die Worte recht vollbracht

Die Hertzens-Wenderinn sie sattsam angehöret

Als sie des Hauptes Schmuck mit neuen Strahlen mehret

Den Leib in Purpur hüllt den Gürtel fertig macht

Zu gürten umb den Leib der mächtig Wind und Wellen

Samt aller Wetter-Brunst in sanfte Ruh zu stellen.

Drauf hub ein linder West die Göttin in die Höh

Des Himmels Hyacynth ward ob der Ankunfft helle

Die Lufft warf vor den Schnee die Lilgen auf die Stelle

Der Regen kehrte sich in Rosen Nelck’ und Klee

Der gantze Bodem schien von neuem aufzublühen

Und die Ergetzligkeit den Wagen selbst zu ziehen.

Sie rief dem Flügel-Heer und sprach Geliebte geht

Du Hymen solst alsbald die Hochzeit-Flamm entzünden

Du aber Einigkeit die Hertzen so verbinden

Als mit dem Eisen sich vermählet der Magnet

Jhr andern holet Kräntz und Blumen in der Menge;

Verbessert wie ihr könt der Liebenden Gepränge.

Theils stecke Lichter auf theils schütte Balsam aus

Ja was uns Sidon schickt und was der Serer webet

Was Tyrus künstlich färbt und was der Pers erhebet

Das werde hin und her gebreitet durch das Haus

Jhr must ein Braut-Bett’ baun und in die Säulen graben

Den Ruhm so beyderseits verliebten Eltern haben.

Ob zwar der

Gesegnet und nunmehr in andern Freuden sitzet

So lebt der Nachruhm noch wie er der Stadt genützet

Wie seiner Sorgfalt-Treu bey Früh- und Abends-Zeit

Der Bürger Heil gesucht; man sieht von seinen Söhnen

Mit gleicher Folg’ und Lob das werthe Grab bekrönen.

Der den die gantze Stadt aus Pflicht als Vater ehrt

Hat für gemeinen Nutz ingleichen stets gewachet

Den itzt der Himmel selbst mit Freuden-Schein anlachet

Der ohne Thränen nicht der Freunde Glück-Wunsch hört

Hat von dem Vaterland schon längst den Schluß erlanget

Daß er mit Ruhm und Recht in Lorber-Kronen pranget.

So sprach Jdalia und trat mit voller Pracht

In das beglückte Haus die schöne Braut zu grüssen

Und in der Armen Band holdseeligst einzuschliessen.

Was thut Uranie die von der Liebe Macht

Und Stärcke noch nicht weiß? von Zucht und Scham getrieben

Giebt ihre Röth’ an Tag sie kenne nicht das lieben.

Nicht anders mischt sich Blut mit reinem Helffenbein

So färbt die Rose sich bey klaren Sommer-Tagen

So sieht bey früher Zeit der Morgen-Röthe

Die Venus brach heraus es müst ein Felsen seyn

Der dich nicht lieben solt ich muß es frey bekennen

Du köntest Götter selbst nicht nur die Menschen brennen.

Wolan der Seiten-Klang der Gäste freyer Schertz

Und deines Bräutigams höchst-eyfriges Verlangen

Erwarten Tantz und Spiel der Tag ist nun vergangen

Diana weiset schon die blancke Silber-Kertz

Am hohen Himmels-Saal und jede Sterne ruffen

Des Namens Ewigkeit ist aus der Eh’ zu hoffen.

Nim diesen Demant-Krantz zum Zeichen meiner Gunst;

Es müss’ euch Freud und Lust zu Tisch und Bette dienen

Es müsse fort für fort der Baum der Liebe grünen

Und unauslöschlich seyn die Flammen reiner Brunst:

Sie schloß und ließ zugleich das Liebes-Ambra glimmen

Indem der Göttin Wunsch bejahten aller Stimmen.