Auf die hochzeit Hn. Friedrich Perlitzes mit Jungfer Anna Dorothea Sommers. C. S...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Jtzt da die schwalben gleich beginnen abzuziehen

Und dieser lande sich verliehren allgemach

So sucht herr Perlitz auch dem winter zu entfliehen

Und zeucht mit dieser schaar dem warmen sommer nach.

Mich dünckt ich werde nicht was ungereimtes setzen

Wenn meine feder ihn den schwalben ähnlich macht.

Die frechen adler sind den räubern gleich zu schätzen

Und tauben machet fast die einfalt gar veracht.

Bey schwalben aber ist mit unschuld witz verbunden

Wie uns ihr klüglich thun und frommer wandel zeigt:

Und beydes hat bey ihm herr bräutigam gefunden

Wer sein gemüth erforscht und ihm nicht abgeneigt.

Die schwalben sind mit schwartz bekleidet auf dem rücken;

Und diese farbe schlägt auch seinem stande bey:

Wie jener reine brust beschneete liljen schmücken;

So ist sein hertz geziert mit ungefärbter treu.

Wo Gottes-häuser sind da nisten an den wänden

Nicht ungern wie man sieht sich diese vögel ein:

So hat ihn GOttes schluß in tempel wollen senden

Und seine wohnstatt wird nah an der kirchen seyn.

Ists also wie gar viel von den gelehrten schreiben

Daß sich die schwalbe nur allein im fluge nehrt;

So kan auch diesesfals das gleichniß füglich bleiben

Dieweil ihm GOtt sein theil bey steter müh beschert.

Die schwalbe bringet uns die freuden-post getragen

Wenn der begrünte lentz nunmehro vor der thür:

Und Evangelium heist gute botschafft sagen

Das trägt er öffentlich dem volcke GOttes für.

Die schwalben-nester sind mit federn auffgebettet

Vielleicht ist eben so sein lager zugericht.

Wie jene von gewalt der aberglaub errettet:

So weiß er daß sein amt ihm sicherheit verspricht.

Und also kan er sich den schwalben zugesellen

Weil gleich und gleiche doch sich wohl zusammen schickt;

Er darff nur den compas nach seiner liebsten stellen

So hat sein zug alsbald ins sommer-land gerückt

Er wird in ihrem schoß den schönsten sommer finden

Als die ohn ursach nicht sich von dem sommer nennt.

Sie wird durch freundlich thun ihm hertz und geist entzünden

Mit feuer das zwar wärmt und dennoch nicht verbrennt.

Er wird ohn unterlaß gut wetter bey ihr haben

Zwey sonnen scheinen ihn aus ihren augen an.

Die pflantze seiner lust wird thau vor regen laben

Der von den lippen fällt und lebend machen kan.

Sie wird ihn nicht allein mit süsser blüth erfreuen

Er wird zu seiner zeit auch reiffe früchte schau’n

Er wird mit tausend lust die garben hören schreyen

Und eine scheune denn ins wochen-bette bau’n.

Der himmel wolle glück zu diesem zuge geben

Den mit den schwalben er nach seinem sommer thut

Er lasse sein genist in lauter perlen schweben

Beschirmet vor gewalt gesichert vor der glut.

Und wie man insgemein das sprichwort angenommen

Daß eine schwalbe nicht den bunten frühling macht:

So soll er nicht zu uns den sommer wieder kommen

Er habe denn mit sich ein schwälbchen noch gebracht.