Auf die Reise Hn. M. G. F.
So fällt ein himmlisch Feu'r mein Freund auf seine Zunge
Gleich da der lichte Blitz um die Apostel schwebt
Als ein zertheilter Strahl in ihre Seele drunge
Und Krafft von oben ab sie hat auffs neu belebt.
So wil der Tröster Jhn in seinen Weinberg senden
Auff eben diesen Tag da er gesendet ist;
Der Lehrer der gelehrt an jeden Ort und Enden
Den hört man wie er auch durch seine Lippen list.
Ruff in der Cantzeley deß Himmels unterschrieben!
Und Schluß den eintzig nur macht die Dreyfaltigkeit!
Verwaltung die bloß heist der Seelen Wohlfart lieben!
Und Arbeit welche zu deß Lebens Heil bereit!
Verwunderns voller Tag! dreymahl-beglückte Stunden!
Licht daß den Anfang macht zu einem grossen Werck!
Und Außgang den gewiß kein Menschen-Witz erfunden;
Nein der alleine kömt von Zions heilgem Berg.
Ein Mensch ist ohne GOtt mit seinem Dencken nichtig
Und einer Harffen gleich die falsch und ungestimmt:
Die Weißheit dieser Welt als wie ein Schatten flüchtig
Dem Regenbogen gleich der bald sein Ende nimmt.
Hingegen wenn der Geist deß Herren in uns fähret
Und sein lebendig Wort in Hertz und Adern wacht
So wird uns neue Krafft und neue Macht gewehret
Die unsre Blödigkeit hier noch zu Engeln macht.
Wer hätt’ es außgedacht wer hätte diß geschlossen
Daß er
Daß er die Mutter-Brust die er bißher genossen
Und was sonst Breßlau hegt setzt auß der Augen Schein?
Doch GOttes Stimme rufft ihn zu den nahen Polen
Er fol zu Schlitigheim bedienen das Altar
Die Hertzen anzuglühn Feu'r auß dem Himmel holen.
Und treulich Tag und Nacht der Heerde nehmen war.
Wohlan er geh getrost und gürte seine Lenden
Sein Beystand hüllet ihn in Stern und Flammen ein
Und wird dem Hertzen Krafft der Zunge Wortesenden
Daß Frucht und Nutzen folgt im Wandel der Gemein.
Er sey Basilius wenn ihn Gefahr bedreuet
Und ein Ambrosius wenn es zum trösten kömmt
Ein hurtig Cyprian der auch den Tod nicht scheuet
Ein Bernhard dem sein Hertz in Jesus Liebe glimmt.
Er weise seinem Volck das ihm ist untergeben
Und dessen Seelen sind vertrauet seiner Hand
Wie unser Heyland sey Weg Wahrheit und das Leben
Daß der nicht irren kan der dieses hat erkant.
Er sey gletch einem Thau der für der Sonnen-Hitze
Die welcken Kräuter stärckt mit seinem Perlen-Safft.
Er sey gleich einem Schwerdt das mit beflammtem Blitze
Die frechen Sünder hin zu der Bestraffung rafft.
Er lasse seine Stimm als wie Posaunen hören
Und weck’ auß Sicherheit die trägen Hertzen auff.
So halt er fleissig an mit Beten Trösten Lehren
Und fördre was er kan der Andacht ihren Lauf.
Er sey ein solcher Artzt der böse Schäden brennen
Und Unbußfertige mit Essig beitzen muß.
Hingegen wo er auch kan Reu und Leid erkennen
Daß er so Wund und Drüß heilt durch deß Oeles Fluß.
Er theile Manna mit dem Hunger ihrer Seelen
Und tränck’ auß Jsraels Heil-Quellen Leib und Geist.
Er steh als Wächter da vor ihren Hütt’ und Hölen
Den auch die Müdigkeit nicht einmal schlnmmern heist.
Diß hoffen wir von ihm; Erwegen wir die Gaben
Die Kunst und Wissenschafft mit welcher er geziert
Mein Freund so wird er schon ein sattsam Zeugnuß haben
Daß ihn von Jugend auff ein geistlich Trieb gerührt.
Wenn andrer Eitelkeit in Helicon gegangen
Und Blumen die vergehn vom Pindus abgemeit;
Mit Aganippens Quell gestillet ihr Verlangen
Und ähnlich sich gemacht den Weisen dieser Zeit:
So muste Sinai nur sein Parnassus bleiben
Und Zion galt vielmehr als Pindus grüne Höh.
Er forscht’ in GOttes Wort ließ andre Künste treiben
Die wol vergänglicher als noch der Mertzen-Schnee.
Aurora hat ihn offt zu Leiptzig früh erblicket
Wenn sie ihr Angesicht in Rosen eingehüllt
Wie er so eyfrig sich zu seinem Zweck geschicket
Und Fleiß und GOttes-furcht gebraucht zu einem Schild.
Es hat ihn offt der Mond bey Mitternacht erschlichen
Wenn er zu Wittenberg noch bey den Büchern saß
Und von gefastem Schluß und Arbeit nie gewichen
Daß er darüber Speiß und Tranck vielmahl vergaß.
Wir haben auch gemerckt der Sinnen edle Früchte
Wie hurtig er allhier auff Cantzeln sich gezeugt
Und von deß Höchsten Gnad und schrecklichem Gerichte
Deß Volckes Ohr gelehrt und hartes Hertz gebeugt.
Mit was vor freyem Muth und vor Beredsamkeiten
Er eigentlich den Text und Oeutung hat durchsucht
So daß kein Wort umbsonst durfft auß dem Munde gleiten
Und seine Lehren nie verstrichen sonder Frucht.
Ein Baum wächst mit der Zeit und nicht an einem Tage
Streckt sich der Ceder-Baum biß an der Sternen Zelt.
Und daß ich von der Frucht der Aloe nichts sage
Die ihre Seltenheit viel Jahre vorbehält:
So wird ein Priester auch durch lange Zeit geübet
Die Kunst thuts nicht allein wenn die Erfahrung kömmt
Und Trübsal denn dar zu die den Probirstein giebek
So siht man wie so hell sein Licht deß Glaubens glimmt.
Mein werthgeschätzter Freund so tritt er voller Freuden
Den geistlichen Beruff mit Adlers Kräfften an.
Es wird ihn GOttes Geist mit solcher Weißheit kleiden
Daß er sein heilig Ampt getrost verrichten kan.
Indeffen wie ein Kind der Mutter nicht vergisset
Es rufft ihr immer nach und denckt an ihre Gunst;
So glaub er ob ihn gleich jetzt Breßlau schon vermisset
Daß ihre Mutter-Treu und Liebe nicht umbsonst.
So eyfrig kan er nicht bey seinen Polen lehren
Daß nicht ein heiß Gebet vor Breßlau mit ergeht;
Wie freudig werden wir die liebe Bothschafft hören
Daß er im Gottes-Hauß wie eine Lenchte steht.