Auf die Reise Hn. M. G. F.

By Heinrich Mühlpfort

So fällt ein himmlisch Feu'r mein Freund auf seine Zunge

Gleich da der lichte Blitz um die Apostel schwebt

Als ein zertheilter Strahl in ihre Seele drunge

Und Krafft von oben ab sie hat auffs neu belebt.

So wil der Tröster Jhn in seinen Weinberg senden

Auff eben diesen Tag da er gesendet ist;

Der Lehrer der gelehrt an jeden Ort und Enden

Den hört man wie er auch durch seine Lippen list.

Ruff in der Cantzeley deß Himmels unterschrieben!

Und Schluß den eintzig nur macht die Dreyfaltigkeit!

Verwaltung die bloß heist der Seelen Wohlfart lieben!

Und Arbeit welche zu deß Lebens Heil bereit!

Verwunderns voller Tag! dreymahl-beglückte Stunden!

Licht daß den Anfang macht zu einem grossen Werck!

Und Außgang den gewiß kein Menschen-Witz erfunden;

Nein der alleine kömt von Zions heilgem Berg.

Ein Mensch ist ohne GOtt mit seinem Dencken nichtig

Und einer Harffen gleich die falsch und ungestimmt:

Die Weißheit dieser Welt als wie ein Schatten flüchtig

Dem Regenbogen gleich der bald sein Ende nimmt.

Hingegen wenn der Geist deß Herren in uns fähret

Und sein lebendig Wort in Hertz und Adern wacht

So wird uns neue Krafft und neue Macht gewehret

Die unsre Blödigkeit hier noch zu Engeln macht.

Wer hätt’ es außgedacht wer hätte diß geschlossen

Daß er

Daß er die Mutter-Brust die er bißher genossen

Und was sonst Breßlau hegt setzt auß der Augen Schein?

Doch GOttes Stimme rufft ihn zu den nahen Polen

Er fol zu Schlitigheim bedienen das Altar

Die Hertzen anzuglühn Feu'r auß dem Himmel holen.

Und treulich Tag und Nacht der Heerde nehmen war.

Wohlan er geh getrost und gürte seine Lenden

Sein Beystand hüllet ihn in Stern und Flammen ein

Und wird dem Hertzen Krafft der Zunge Wortesenden

Daß Frucht und Nutzen folgt im Wandel der Gemein.

Er sey Basilius wenn ihn Gefahr bedreuet

Und ein Ambrosius wenn es zum trösten kömmt

Ein hurtig Cyprian der auch den Tod nicht scheuet

Ein Bernhard dem sein Hertz in Jesus Liebe glimmt.

Er weise seinem Volck das ihm ist untergeben

Und dessen Seelen sind vertrauet seiner Hand

Wie unser Heyland sey Weg Wahrheit und das Leben

Daß der nicht irren kan der dieses hat erkant.

Er sey gletch einem Thau der für der Sonnen-Hitze

Die welcken Kräuter stärckt mit seinem Perlen-Safft.

Er sey gleich einem Schwerdt das mit beflammtem Blitze

Die frechen Sünder hin zu der Bestraffung rafft.

Er lasse seine Stimm als wie Posaunen hören

Und weck’ auß Sicherheit die trägen Hertzen auff.

So halt er fleissig an mit Beten Trösten Lehren

Und fördre was er kan der Andacht ihren Lauf.

Er sey ein solcher Artzt der böse Schäden brennen

Und Unbußfertige mit Essig beitzen muß.

Hingegen wo er auch kan Reu und Leid erkennen

Daß er so Wund und Drüß heilt durch deß Oeles Fluß.

Er theile Manna mit dem Hunger ihrer Seelen

Und tränck’ auß Jsraels Heil-Quellen Leib und Geist.

Er steh als Wächter da vor ihren Hütt’ und Hölen

Den auch die Müdigkeit nicht einmal schlnmmern heist.

Diß hoffen wir von ihm; Erwegen wir die Gaben

Die Kunst und Wissenschafft mit welcher er geziert

Mein Freund so wird er schon ein sattsam Zeugnuß haben

Daß ihn von Jugend auff ein geistlich Trieb gerührt.

Wenn andrer Eitelkeit in Helicon gegangen

Und Blumen die vergehn vom Pindus abgemeit;

Mit Aganippens Quell gestillet ihr Verlangen

Und ähnlich sich gemacht den Weisen dieser Zeit:

So muste Sinai nur sein Parnassus bleiben

Und Zion galt vielmehr als Pindus grüne Höh.

Er forscht’ in GOttes Wort ließ andre Künste treiben

Die wol vergänglicher als noch der Mertzen-Schnee.

Aurora hat ihn offt zu Leiptzig früh erblicket

Wenn sie ihr Angesicht in Rosen eingehüllt

Wie er so eyfrig sich zu seinem Zweck geschicket

Und Fleiß und GOttes-furcht gebraucht zu einem Schild.

Es hat ihn offt der Mond bey Mitternacht erschlichen

Wenn er zu Wittenberg noch bey den Büchern saß

Und von gefastem Schluß und Arbeit nie gewichen

Daß er darüber Speiß und Tranck vielmahl vergaß.

Wir haben auch gemerckt der Sinnen edle Früchte

Wie hurtig er allhier auff Cantzeln sich gezeugt

Und von deß Höchsten Gnad und schrecklichem Gerichte

Deß Volckes Ohr gelehrt und hartes Hertz gebeugt.

Mit was vor freyem Muth und vor Beredsamkeiten

Er eigentlich den Text und Oeutung hat durchsucht

So daß kein Wort umbsonst durfft auß dem Munde gleiten

Und seine Lehren nie verstrichen sonder Frucht.

Ein Baum wächst mit der Zeit und nicht an einem Tage

Streckt sich der Ceder-Baum biß an der Sternen Zelt.

Und daß ich von der Frucht der Aloe nichts sage

Die ihre Seltenheit viel Jahre vorbehält:

So wird ein Priester auch durch lange Zeit geübet

Die Kunst thuts nicht allein wenn die Erfahrung kömmt

Und Trübsal denn dar zu die den Probirstein giebek

So siht man wie so hell sein Licht deß Glaubens glimmt.

Mein werthgeschätzter Freund so tritt er voller Freuden

Den geistlichen Beruff mit Adlers Kräfften an.

Es wird ihn GOttes Geist mit solcher Weißheit kleiden

Daß er sein heilig Ampt getrost verrichten kan.

Indeffen wie ein Kind der Mutter nicht vergisset

Es rufft ihr immer nach und denckt an ihre Gunst;

So glaub er ob ihn gleich jetzt Breßlau schon vermisset

Daß ihre Mutter-Treu und Liebe nicht umbsonst.

So eyfrig kan er nicht bey seinen Polen lehren

Daß nicht ein heiß Gebet vor Breßlau mit ergeht;

Wie freudig werden wir die liebe Bothschafft hören

Daß er im Gottes-Hauß wie eine Lenchte steht.