Auf die sich mit blumen nährende Florette. Aus dem Pays. Sonnet.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Florette! dein geschmack ist ziemlich ungemein:

Du wilst, man solle dir sonst nichts als blumen geben,

Man sieht die lilien offt an den perlen kleben,

Wo deine zähne nicht noch mehr als perlen seyn.

Der rosen-lichte mund nimmt lauter rosen ein:

Der schönsten nelcke tod ist deiner zunge leben:

Die veilge kan sich kaum aus ihrer wurtzel heben,

So legt dein hunger ihr schon einen leichen-stein.

Allein bedenckst du auch, was dir der winter dräuet,

Der aller gärten pracht in seinem grimm zerstreuet,

Biß auf den blumen-schmuck, den deine schönheit weist?

Florett’! entwehne dich dergleichen lecker-bissen;

Sonst wirst du, wenn die zeit dir diese kost entreist,

Aus harter hungers-noth dich selbst verzehren müssen.