Auf die Tugend-bedrängnus-Zeit

By Catharina Regina von Greiffenberg

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Schöne Tugend dich umducke ziehe deine Krafft in Kiel:

weil der rauhe Vnglücks wind deine Blüh und Blätter senget.

Besser ists verborgen seyn als vor jederman gedränget.

Hoffnung wird schon widertreiben kommet Tugend-Ehrungs ziel.

Dein Erz-Vrsprung Gottes Weißheit hat dieweil mit dir ihr Spiel:

deinen Krieg und Sieg zusehn dieses Stürmen sie verhänget.

Gleich wie sich das Edle Oel niemal mit dem Wasser mänget:

deine Krafft empor so schwebet welche nie gen boden fiel.

Tugend ist ein Spanisch Rohr bricht nicht wann man sie schon bieget.

Ja der rechte Eysen-Stein der auf alle weiß verkehrt

seines Herzens wunsche-spitz nach des Höchsten Willen füget.

Allen stürmen ist unmüglich das ihr werd diß Ziel verwehrt.

Wann auch Schiff und Vhr zerbrochen sie am Grund im Letten ligt:

wider Meer und Wetter toben sie doch Gott zuzielend siegt.