Auf die über-Natürliche Meer-Wandelung des Herrn
By Catharina Regina von Greiffenberg
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
Was ists daß ohne Müh der HERR im Meer so gehet?
weicht dann das nasse Glas die schnelle Welle nicht?
Nein! sie ist Demant-hart zu tragen den verpflicht
der samt der Erd sie trägt so lang die Welt bestehet.
Wie daß kein Wirbelwind herwehend' ihn ümdrehet!
Er macht den Wind geschwind verschwinden wann Er spricht;
ein Wort; ihm alsobald sein rasends blasen bricht.
Ist doch sein Mund der Grund draus erstlich Er gewehet!
welch' eine Tieffe seht jetzt auff der Tieffe schwebt!
die unerschaffliche auff dieser die erschaffen
die zuverschlingen auch die erste schon anhebt:
weil ihre Macht sie macht vor ihrer gänzlich schlaffen.
Es ist das ganze Meer ein Tröpflein seiner Witz:
wie leicht vertrocknet es der Gottheit heller Blitz.