Auf die vermählung des durchl. Hessen- Casselischen erb-printzen, mit der Chur- ...
Berlin warff unlängst von der Spree
Die augen über thal und hügel,
Und sahe, gleichsam als im spiegel,
Sein glück und andrer städte weh.
O! rief es, du verachter sand!
Wirst mir ja wohl zu lauter eronen:
Denn wo ist heute doch ein land,
Da mehr erfreute seelen wohnen?
Wenn mancher, den beym überfluß
Gewinst und mord-begierde plaget,
An seiner bürger knochen naget,
Und jeder für ihn sorgen muß;
So sorgt mein kluger held für mich,
Auch mitten unter sturm und kriegen:
Alsdenn gedenckt er erst an sich,
Und an sein eigenes vergnügen.
Pariß und Londen ist sehr groß;
Allein es hat die weiten schrancken
Mehr der natur als kunst zu dancken:
Ich war hingegen öd und blos;
Ich hatte kaum ein rechtes dach,
Und konte von natur nichts hoffen;
Doch hab ich alles tausendfach,
In zweyen fürsten angetroffen.
Der eine baute hauß auf hauß:
Der andre will sie gülden schaffen;
Er führt es aber nicht mit waffen,
Und durch bekannte mittel aus.
Es ist was altes, daß ein staat
Durch raub und wucher zugenommen:
Mein reichthum muß, auf Friedrichs rath,
Durch wohlthun an verjagten kommen.
Ach! daß doch helden menschen seyn,
Und solche fürsten sterben sollen!
Viel sind zwar, die es auch seyn wollen;
Sie sind es aber sich allein.
Sie siegen; doch ein jeder streich
Kost auch zugleich zwey unterthanen:
Mein Churfürst mehret land und reich,
Und brauchet nichts als friedens-fahnen.
Das blut, so dich, Tiber! ergetzt
Bey tödung deiner nächsten freunde,
Schont dieser auch an seinem feinde,
So bald sich die gefahr gesetzt.
Sein dräuen ist zwar eitel that,
Und wenn er schlägt, so will er siegen;
Doch wenn er überwunden hat,
So läst er vater-blicke fliegen.
Erlöstes Bonn und Kayserswerth!
Jhr könnt am besten hievon zeugen.
Eur gut und alles war sein eigen:
Die wälle lagen umgekehrt;
Warff aber gleich sein zorn mit euch
Viel tausend stoltze Frantzen nieder;
So schenckte dennoch sein vergleich
Weit mehrern noch das leben wieder.
Drum sieht man auch um meinen held
Nichts, als vergnügung, heil und segen.
Sein schwerd hilfft grosse kriege legen:
Sein hof erschallt durch alle welt;
Theils weil er kluge diener macht,
Die alles, wie sie sollen, führen;
Theils, weil ihn, nebst Charlottens pracht,
Auch zwey der grösten kinder zieren.
Ach aber! wie geschiehet mir?
Wo denck ich hin? Was will ich nennen?
Der himmel will die letzten trennen:
Louise ist am längsten hier.
Sie scheidet, und (o hartes wort!)
Sie scheidet, auf ihr meistes leben,
Und nimmt in einem tage fort,
Was hundert jahr kaum wieder geben.
Zwar sie trifft ein gewünschtes loß;
Sie kehrt in Hessens stamm zurücke,
Und macht mit sich und ihrem glücke
Auch zweyer völcker hoffnung groß.
Sie wird durch ein gemahl erfreut,
Der mehr verdienst als jahre zehlet,
Und dem nichts zur vollkommenheit,
Als eine solche fürstin, fehlet.
Doch dieses, was ihr ruh gebiehrt,
Heißt mich zum theil in unruh stehen.
Ich seh’, und kan doch auch nicht sehen,
Wieviel mein hof dabey verliehrt.
Es ist auf einmal tag und nacht:
Man singt und jauchtzt, man seufftzt und zaget:
Kein hauß ist, das nicht heute lacht;
Allein auch keines, das nicht klaget.
Du selbst, mein theurer Friderich!
Gehst gleichsam bey der lust im leide:
Louisens bindniß macht dir freude;
Jhr abzug aber jammert dich.
Du zeigst in beyden muth und hertz;
Dort aber frey, und hier gezwungen:
Was ist denn wunder, daß der schmertz
Mir auch die thränen abgedrungen?
So weit vertieffte sich Berlin:
Gleich aber ward des himmels bogen
Mit licht und klarheit überzogen:
Die wolcken fiengen an zu fliehn:
Und endlich ließ, ich weiß nicht, wie?
Sich in der Spree beschilfften röhren,
Zu tilgung aller angst und müh,
Gantz deutlich diese stimme hören:
Halt ein, Berlin! du klagst zu sehr.
Dein hof hat in Charlottens gaben
Mehr, als viel königreiche haben.
Bleibt diese hier, was wilst du mehr?
Der himmel hat gantz recht gethan.
Gieb Cassel, was es dir geliehen.
Stund dir von ihm die mutter an:
So laß auch nun die tochter ziehen.
O! sprach die frohe stadt hierauf:
Wer will den schluß des Höchsten trennen?
Zeuch hin, du tugend-stern der Brennen!
Und geh nunmehr in Hessen auf!
Du nimmst des vaters hertz mit dir:
Ach! schaffe, daß sein wunsch gedeye,
Und bring bald einen held herfür,
Der Teutschland, ihn, und dich erfreue!