Auf die Wunder-Ubung / an dem Taub-Stumm-und Blinden

By Catharina Regina von Greiffenberg

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Was ists Wunder daß der Stumm' alsobald zu reden pfleget:

weil des Wortes Lebens-Quelle Christi Mund ihm einen Safft

durch bespürzen mitgetheilet welcher löst der Zungen hafft

und den Finger der die Welt selbst erschuff' auf ihn geleget?

solt des Herren Donner-Wort das die Felsen selber reget

nicht auch in des Tauben Ohren haben gleiche Wunder-Krafft?

der die erste Haupt-Bewegung in den Himmels-Kreißen schafft

macht auch leichtlich daß der Blind seiner Augen Glanz beweget.

Seine Werk' auch also löblich wie sie seyn will er doch nicht

daß man sie durch Lobes-Schall mache durch die Welt erklingen.

Je mehr man die Flamme birget je viel heller sie ausbricht;

ziehet man den Bogen stark nur die Pfeile weiter springen;

so das Lob durchdringt die Wolken deiner Demut sagt mit Pracht:

Du den alle Welt soll ehren hast es alles wol gemacht!