Auf die Z. und H. Hochzeit den 24. Octobr. 1665.

By Heinrich Mühlpfort

Die Liebe saß erfreut auf ihrem Purpur-Throne

Vor dem Ergetzligkeit an statt der Wache ligt

Auf ihrem schönen Haupt stund eine solche Krone

Die über Diamant und über Perlen sigt

Das Haar lieff umb die Brust mit mehr als goldnen Füssen

So von Jeßminen-Oel und Balsam trächtig war

Man sah der Brüste höh Rubinen Ringe schliessen

Und wie der zarte Schnee so hulde Glut gebahr

Jhr Auge das den Kreiß der grossen Welt durchsiehet

Das Ohr so niemahls Ruh von heissen Seuffzern hat

Der Mund der Urtheil spricht und sich umbs Recht bemühet

Mit kurtzem jedes Glied gieng wie es schien zu rath

Jhr himmlisches Gesicht und das vertieffte

Gab etwas wichtiges und grosses zu verstehn

Die Augen konten nicht die Blicke recht versencken

Und in dem lichten Kreiß so gar behutsam gehn;

Drauff komt ein dichter Sturm wie wenn sich Wetter mischen

Nur daß diß Ungestüm’ ein Blumen-Hagel war

Da auß gemahlter Wolck ein paar der Tauben wischen

So eintzig sind bestimmt der Liebe Lust-Altar

Dolmetscher aller Brunst und Bothen der Gedancken

Zu welchen sich die Schaar der Silber-Schwanen fand

Sie melden ingesambt von nichts als tausend Krancken

Und wo die Liebe säumt’ erstürbe Volck und Land.

Wie? rief sie halb bestürtzt und schlug auf ihre Brüste

Doch daß der sanfte Schlag die Lilgen nicht zerbrach

Welch Sinnen-Fieber macht mir meine Länder wüste?

Belagert bleiches Weh mein lustig Schlaffgemach?

Auf Tauben! mein Befehl der schwebt in eurem Munde

Sagt wer empfindlich sey der soll sich stellen ein

Mit Dräuung wer versäumt die anberaumte Stunde

Der sol hinfort verbannt von meinen Gräntzen seyn.

Ja selbst die Feder starrt bey solches Volckes Menge;

Denn als die Meinung nur die Tauben kund gethan

Eilt beyderley Geschlecht in stürmendem Gedränge

Und jedes wil die Noth zum ersten zeigen an.

Die Schwanen geben drauf sanfftmütig zu verstehen

Der Vorlaß sey bereit den Jungfern zugesagt.

Die Nymfen heißt Begier und schneller Vorwitz gehen

Zu melden diese Qual so sie bißher geplagt:

Die trauret daß ihr Schatz mit Eyd und Schwüren schertze

Und jene daß man sie nur liebe bey der Nacht;

Ein’ andre wie die Treu gar oft vom Buhler stertze

Daß sie ein Kuß und nicht ein Ehschluß froh gemacht;

Die zeigt ihr blaß Gesicht und wie sie sich verwachet;

Die denckt durch Firniß noch zu mahlen Wand und Mund;

Viel schätzen sich vergnügt wenn nur der Liebste lachet

Und bauen uns gemein auf einen faulen Grund.

Es ligt das bleiche Volck der Liebe zu den Füssen

Kocht einer noch das Blut so wil sie einen Mann;

Viel die den Kern verzehrt und leer sich speisen müssen

Die reitzet doch der Leim von eitler Wollust an;

Ja manchen wächst der Muth und zancken mit dem Glücke

Sie schlagen Reichthum für Witz Jugend Schönheit

Der Himmel ist nur taub und eisern das Geschicke

Sie werden nicht gefreyt wie sehr sie sonst bekand.

Dergleichen Klagen mehr erhub der Jungfern Orden

Als eifrig umb Verhör die Frauen hielten an;

Die als sie nach Gebühr sind vorgelassen worden

Btfestigten den Streit deß Rechtes wie man kan:

Die erste wolte bald die Oberherrschafft haben

Der Mann der solle nur ein treuer Frohne seyn

Und eine junge rufft: ach! daß mein Greiß begraben;

Die dritte weh! mein Mann liebt mich nicht nur den Wein;

Die spricht: mein Knoblochs Haupt hat weiter keine Keime

Und die: ein Buch gilt mehr als mein gerader Leib;

Die etwas blöder ist: sagt ich weiß nichts als Träume

Bin Jungfer in dem Werck und vor der

Viel andre klagen mehr und Angst-erfülltes Kümmern

Beschwunge wie mit Nacht der Liebe goldnen Thron;

Sie aber sprach: es muß bey mir heut’ Anmuth schimmern

Und die Behägligkeit verschönern meine Kron:

Es sey auf eurer Brust sind Fehler wo begangen

Man hör ingleichen auch der Männer Nothdurfft an

Zwey Schalen hat das Recht an selben muß es hangen

Ich bin den Parten nicht wie Menschen zugethan.

Die Reden unterbrach die Rey von den Poeten;

Es war ein prächtig Volck mit Lorbern außgeziehrt

Sie stimmten aufden Ruhm der Liebe ihre Flötten

Und stritten wem die Kron und Vorzugs-Recht gebührt

Beklagten sonst ihr Glück und wie der Jungfern Hertzen

So kalt als Zemblisch Eiß mit Stein und Stahl umschränckt

Wie sie Gefangene vertrügen herbe Schmertzen

Wie man vor tausend Verf’ auch einen Kuß nicht schenckt;

Sie hätten nachgedacht die Federn abgebissen:

Die Nägel schier verzehrt den Kopf fast kahl gemacht

Auf daß ein ewig Lied holdselig möchte fliessen

Und rühmen Himmel-hoch des Frauen-Zimmers Pracht;

Die Liebe wolle doch sich ihrer auch erbarmen

Sie würden für den Spruch auf ewig danckbar seyn;

Jhr Wunsch wär auf der Brust der Liebsten zuerwarmen

Ein Kuß wär ihnen mehr als andern Himmel-Wein.

Ein freyes lächeln hat der liebe Mund entschlossen;

Diß was ihr vorgebracht schützt eure Sache nicht

Mein Frauen-Volck und ihr treibt nur verliebte Possen

Faßt euch zu andrer Zeit auf kräftigern Bericht

Jetzt soll der werthe Tag mit zancken nicht verrauchen:

Wen aber seh ich dort in einem Krantze stehn?

Gewiß ihr habt gewollt zum Vorspruch ihn gebrauchen.

Allein er muß nur selbst vor sich zu rathe gehn

Und dencken wie er kan bey Glück und Wollust lachen

Weil ihr noch schmachten müst in Marter-

Mein Urthel das ist kurtz: Ich gebe sie zusammen

Jhr andern führt eur Recht aufs nechste besser auß;

Seht dieser trägt den Preiß und seine süsse Flammen

Führt die Ergetzligkeit in ein gesegnet Haus:

Holt Tauben holt mir her die frischen Myrrthen-Kräntze

Und Hymen zünde nur die Hochzeit-Fackeln an;

Mein allerschönstes Volck hegt itzt die Freuden-Täntze

Und suchet was den Geist durchaus erquicken kan.

Diß war der Liebe Schluß in dem ein zartes Netze

Des Schlaffes linde Hand für ihre Augen webt;

Der Glieder Sternen-Pracht entdeckte Lust und Schätze

Und stund nun alles bloß was sonst der Flor begräbt

Die Tauben schnäbelten und flochten Küß in Küsse

Sie wolten so ein Bild der ersten Ubung seyn

Die Schwanen fachten zu der Braut die neuen Grüsse

Und sungen: geht und schlaft Verliebte liebreich ein.