Auf die Z. und H. Hochzeit den 24. Octobr. 1665.
Die Liebe saß erfreut auf ihrem Purpur-Throne
Vor dem Ergetzligkeit an statt der Wache ligt
Auf ihrem schönen Haupt stund eine solche Krone
Die über Diamant und über Perlen sigt
Das Haar lieff umb die Brust mit mehr als goldnen Füssen
So von Jeßminen-Oel und Balsam trächtig war
Man sah der Brüste höh Rubinen Ringe schliessen
Und wie der zarte Schnee so hulde Glut gebahr
Jhr Auge das den Kreiß der grossen Welt durchsiehet
Das Ohr so niemahls Ruh von heissen Seuffzern hat
Der Mund der Urtheil spricht und sich umbs Recht bemühet
Mit kurtzem jedes Glied gieng wie es schien zu rath
Jhr himmlisches Gesicht und das vertieffte
Gab etwas wichtiges und grosses zu verstehn
Die Augen konten nicht die Blicke recht versencken
Und in dem lichten Kreiß so gar behutsam gehn;
Drauff komt ein dichter Sturm wie wenn sich Wetter mischen
Nur daß diß Ungestüm’ ein Blumen-Hagel war
Da auß gemahlter Wolck ein paar der Tauben wischen
So eintzig sind bestimmt der Liebe Lust-Altar
Dolmetscher aller Brunst und Bothen der Gedancken
Zu welchen sich die Schaar der Silber-Schwanen fand
Sie melden ingesambt von nichts als tausend Krancken
Und wo die Liebe säumt’ erstürbe Volck und Land.
Wie? rief sie halb bestürtzt und schlug auf ihre Brüste
Doch daß der sanfte Schlag die Lilgen nicht zerbrach
Welch Sinnen-Fieber macht mir meine Länder wüste?
Belagert bleiches Weh mein lustig Schlaffgemach?
Auf Tauben! mein Befehl der schwebt in eurem Munde
Sagt wer empfindlich sey der soll sich stellen ein
Mit Dräuung wer versäumt die anberaumte Stunde
Der sol hinfort verbannt von meinen Gräntzen seyn.
Ja selbst die Feder starrt bey solches Volckes Menge;
Denn als die Meinung nur die Tauben kund gethan
Eilt beyderley Geschlecht in stürmendem Gedränge
Und jedes wil die Noth zum ersten zeigen an.
Die Schwanen geben drauf sanfftmütig zu verstehen
Der Vorlaß sey bereit den Jungfern zugesagt.
Die Nymfen heißt Begier und schneller Vorwitz gehen
Zu melden diese Qual so sie bißher geplagt:
Die trauret daß ihr Schatz mit Eyd und Schwüren schertze
Und jene daß man sie nur liebe bey der Nacht;
Ein’ andre wie die Treu gar oft vom Buhler stertze
Daß sie ein Kuß und nicht ein Ehschluß froh gemacht;
Die zeigt ihr blaß Gesicht und wie sie sich verwachet;
Die denckt durch Firniß noch zu mahlen Wand und Mund;
Viel schätzen sich vergnügt wenn nur der Liebste lachet
Und bauen uns gemein auf einen faulen Grund.
Es ligt das bleiche Volck der Liebe zu den Füssen
Kocht einer noch das Blut so wil sie einen Mann;
Viel die den Kern verzehrt und leer sich speisen müssen
Die reitzet doch der Leim von eitler Wollust an;
Ja manchen wächst der Muth und zancken mit dem Glücke
Sie schlagen Reichthum für Witz Jugend Schönheit
Der Himmel ist nur taub und eisern das Geschicke
Sie werden nicht gefreyt wie sehr sie sonst bekand.
Dergleichen Klagen mehr erhub der Jungfern Orden
Als eifrig umb Verhör die Frauen hielten an;
Die als sie nach Gebühr sind vorgelassen worden
Btfestigten den Streit deß Rechtes wie man kan:
Die erste wolte bald die Oberherrschafft haben
Der Mann der solle nur ein treuer Frohne seyn
Und eine junge rufft: ach! daß mein Greiß begraben;
Die dritte weh! mein Mann liebt mich nicht nur den Wein;
Die spricht: mein Knoblochs Haupt hat weiter keine Keime
Und die: ein Buch gilt mehr als mein gerader Leib;
Die etwas blöder ist: sagt ich weiß nichts als Träume
Bin Jungfer in dem Werck und vor der
Viel andre klagen mehr und Angst-erfülltes Kümmern
Beschwunge wie mit Nacht der Liebe goldnen Thron;
Sie aber sprach: es muß bey mir heut’ Anmuth schimmern
Und die Behägligkeit verschönern meine Kron:
Es sey auf eurer Brust sind Fehler wo begangen
Man hör ingleichen auch der Männer Nothdurfft an
Zwey Schalen hat das Recht an selben muß es hangen
Ich bin den Parten nicht wie Menschen zugethan.
Die Reden unterbrach die Rey von den Poeten;
Es war ein prächtig Volck mit Lorbern außgeziehrt
Sie stimmten aufden Ruhm der Liebe ihre Flötten
Und stritten wem die Kron und Vorzugs-Recht gebührt
Beklagten sonst ihr Glück und wie der Jungfern Hertzen
So kalt als Zemblisch Eiß mit Stein und Stahl umschränckt
Wie sie Gefangene vertrügen herbe Schmertzen
Wie man vor tausend Verf’ auch einen Kuß nicht schenckt;
Sie hätten nachgedacht die Federn abgebissen:
Die Nägel schier verzehrt den Kopf fast kahl gemacht
Auf daß ein ewig Lied holdselig möchte fliessen
Und rühmen Himmel-hoch des Frauen-Zimmers Pracht;
Die Liebe wolle doch sich ihrer auch erbarmen
Sie würden für den Spruch auf ewig danckbar seyn;
Jhr Wunsch wär auf der Brust der Liebsten zuerwarmen
Ein Kuß wär ihnen mehr als andern Himmel-Wein.
Ein freyes lächeln hat der liebe Mund entschlossen;
Diß was ihr vorgebracht schützt eure Sache nicht
Mein Frauen-Volck und ihr treibt nur verliebte Possen
Faßt euch zu andrer Zeit auf kräftigern Bericht
Jetzt soll der werthe Tag mit zancken nicht verrauchen:
Wen aber seh ich dort in einem Krantze stehn?
Gewiß ihr habt gewollt zum Vorspruch ihn gebrauchen.
Allein er muß nur selbst vor sich zu rathe gehn
Und dencken wie er kan bey Glück und Wollust lachen
Weil ihr noch schmachten müst in Marter-
Mein Urthel das ist kurtz: Ich gebe sie zusammen
Jhr andern führt eur Recht aufs nechste besser auß;
Seht dieser trägt den Preiß und seine süsse Flammen
Führt die Ergetzligkeit in ein gesegnet Haus:
Holt Tauben holt mir her die frischen Myrrthen-Kräntze
Und Hymen zünde nur die Hochzeit-Fackeln an;
Mein allerschönstes Volck hegt itzt die Freuden-Täntze
Und suchet was den Geist durchaus erquicken kan.
Diß war der Liebe Schluß in dem ein zartes Netze
Des Schlaffes linde Hand für ihre Augen webt;
Der Glieder Sternen-Pracht entdeckte Lust und Schätze
Und stund nun alles bloß was sonst der Flor begräbt
Die Tauben schnäbelten und flochten Küß in Küsse
Sie wolten so ein Bild der ersten Ubung seyn
Die Schwanen fachten zu der Braut die neuen Grüsse
Und sungen: geht und schlaft Verliebte liebreich ein.