Auf eine andere Manier

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Was war was ist und was noch werden kan

Bedenckt und sieht ein Weiser an.

Komt ihr seeligen Gedancken

Stellt mir meine Jugend für.

Aber ach wie grauet mir!

Geist und Seele wollen wancken

Und die Kleinmuth herrscht allhier.

Dennoch kommet ihr Gedancken

Stellt mir meine Jugend für.

Was war ich vor? soll ich zurücke sehn

So seh ich eine Menge stehn

Die mich unendlich muß erschrecken.

Sinds Feinde? Nein

Sie wollen meine Kinder seyn

Ach Kinder so die Sünden hecken.

Nehm ich den Spiegel vor von der vergangnen Zeit

Mein Gott ach welche Häßlichkeit!

Was hab ich nicht vor Flecken im Gewissen!

Wie ist mein Kleid der Unschuld doch zerrissen!

Wie unrein ist mein Angesicht!

Wusch ich mich denn vor diesem niemahls nicht?

Wo ist das Bild das Gott nach sich geschaffen?

Ach alles sieht erbärmlich aus!

Wie ist so voller Staub und Koth

Denn deiner Seelen Hauß?

Der Herr darinnen hat bißhero stets geschlaffen.

Wie bist du denn so voller Angst und Noth?

Was hast du Armer doch gethan?

Was mich betrüglich hat ergetzet

Anitzt in Jammer setzet

Vielleicht auch ewig kräncken kan.

Was aber thust du nun?

Ich scheue mich die Augen aufzuthun.

Wenn meine Augen auf mich sehn

So müssen Thränen drinnen stehn.

Denn meine Schönheit ist verlohren

Und mein Gewissen muß den Mohren

Vollkommen gleich am Brande gehn.

Wenn meine Augen auf mich sehn

So müssen Thränen drinnen stehn.

Was ist die gegenwärtge Zeit?

Ein Raub der Uppigkeit.

Mein Leben ist verkehrt

Und mein Verstand bethört.

Mein edles Leben will sich enden

Ich reiße mir die Adern selber auf

Und kan des Blutes Lauf

Zu meinem Tode sehn

Doch endlich will mir das Gesicht vergehn.

Ich muß das Haupt nach jener Seiten wenden

Wo man die künffte Zeit erblickt

Was war was ist

Daß ist ein Stein der mein Gewissen drückt.

Doch was noch werden kan

Diß schau ich voller Glauben an.

Aus einem Kinde dieser Erden

Kan ich ja wohl ein Kind des Lichtes werden.

Klugheit machet wieder schön

Wenn wir noch so heßlich sehn.

Alle Thorheit muß ersterben

Und das Auge dahin gehn

Wo wir nicht zu dem Verderben

Ewig angeschrieben stehn.

Zwey Schlangen sind die uns verletzen

Und auch ins Heil versetzen

Der die der Fluch de Höchsten trifft

Nimt man den Gifft.

Der andern borgt man Klugheit ab

Und legt sein Sünden Kleid von sich und in das Grab.

Nun so verfluch ich diese Wege

Die Laster-Bahn die vor mein Fuß berührt.

Und seelig preis' ich diese Stege

Wohin mich jetzt die Klugheit führt.

Was war was ist und was noch werden kan

Diß schaue Seele weißlich an

Das erste mit bereuen

Das letzte mit erfreuen.

Damit dein Hertz nicht vor entsetzen bricht

Wenn alles diß geschicht

Was einst mit dir und dieser Erden

Nach Gottes Schluß wird werden.

Bedencke Seele was du thust

Verlasse nicht der Weißheit Bahn.

Laß mir den Trost im Sterben werden

Vor Gott im Himmel und auf Erden

War alles gut und wohl gethan.