Auf einen unglückseeligen und plötzlichen Todes-Fall eines StudiosiFußnoten

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Das dieser Erden Kreiß ein Unbestand der Freuden

Ein Sammel-Platz der Qvaal ein Hauß der Eitelkeit

Ein Garten schnöder Pracht und kurtzer Sinnen-Weiden

Wo Blumen unsrer Lust ein schneller Raub der Zeit

Läßt jene Wunder Macht den Menschen offt erschallen;

Doch muß am schmertzlichsten itzt dieser Donner knallen.

Das Unglück laurt auf uns indem wir kaum gebohren.

Der Kindheit schont es nicht wächst mit den Jahren groß

Sein Pfeil hat diesen bald bald jenen sich erkohren.

Jemehr man lebt jemehr bricht aller Unfall loß.

Denn kömmt zuletzt der Todt läßt seine Ströhme fliessen

Das Ubel dieser Welt durch unsern Sarg zu schliessen.

Wohl diesem welcher sich weiß klüglich abzusterben

Sein Grab im Lentzen baut statt aller Jugend Lust

An die Verwesung denckt des Leibes sein Verderben

Und faßt zur Seelen Heil Gott stündlich in die Brust.

Kommt denn ein Unglücks-Fall so mag die Schale brechen

Wenn in der Muschel nur die Perle frey zu sprechen.

Die Jugend unsrer Lust die Anmuth schöner Glieder

Der hohen Eltern Trost der treuen Freunde Hertz

Sinckt jämmerlich durch dich von – – nieder.

Da du erkalten must blüht deiner Jahre Märtz.

Trost Anmuth Hertz und Lust hat nun der Todt getroffen

Und legt damit ins Grab was noch von dir zu hoffen.

Wie viel Geschicklichkeit dir die Natur gegeben

Wie Redligkeit und Treu in deiner Brust gebrandt

Wie weit dein Witz und Geist sich durch ein länger Leben

Gewiß hervor gethan weiß der so dich gekandt.

Doch nun erblassest du: zu tieff sind diese Wunden

Und werden gantz durch nichts als Gottesfurcht verbunden.

Hochwohlgebohrnes Hauß das grauen Adel zieret

Das sein Verdienst erhebt das reife Klugheit preißt

Im Wappen Ehr und Ruhm im Hertzen Tugend führet

Das sich bey jeden Fall mit wahrer Großmuth speißt

Diß Creutz wird dein Gemüth so zu dem Himmel schicken

Daß wir den Helden-Muth des Christenthums erblicken.

Mehr Worte wollen uns die Thränen nicht erlauben

Es schließt ein wehrter Freund zwar plötzlich seinen Lauff

Doch sagt der Christen Lehr: ein Augenblick im Glauben

Den Gott in uns erweckt macht auch den Himmel auf.

Hochwohlgebohrnes Hauß je herber dero Schmertzen

Je mächtiger sey Gott in dero Himmels Hertzen.