Auf einen unglückseeligen und plötzlichen Todes-Fall eines StudiosiFußnoten
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
Das dieser Erden Kreiß ein Unbestand der Freuden
Ein Sammel-Platz der Qvaal ein Hauß der Eitelkeit
Ein Garten schnöder Pracht und kurtzer Sinnen-Weiden
Wo Blumen unsrer Lust ein schneller Raub der Zeit
Läßt jene Wunder Macht den Menschen offt erschallen;
Doch muß am schmertzlichsten itzt dieser Donner knallen.
Das Unglück laurt auf uns indem wir kaum gebohren.
Der Kindheit schont es nicht wächst mit den Jahren groß
Sein Pfeil hat diesen bald bald jenen sich erkohren.
Jemehr man lebt jemehr bricht aller Unfall loß.
Denn kömmt zuletzt der Todt läßt seine Ströhme fliessen
Das Ubel dieser Welt durch unsern Sarg zu schliessen.
Wohl diesem welcher sich weiß klüglich abzusterben
Sein Grab im Lentzen baut statt aller Jugend Lust
An die Verwesung denckt des Leibes sein Verderben
Und faßt zur Seelen Heil Gott stündlich in die Brust.
Kommt denn ein Unglücks-Fall so mag die Schale brechen
Wenn in der Muschel nur die Perle frey zu sprechen.
Die Jugend unsrer Lust die Anmuth schöner Glieder
Der hohen Eltern Trost der treuen Freunde Hertz
Sinckt jämmerlich durch dich von – – nieder.
Da du erkalten must blüht deiner Jahre Märtz.
Trost Anmuth Hertz und Lust hat nun der Todt getroffen
Und legt damit ins Grab was noch von dir zu hoffen.
Wie viel Geschicklichkeit dir die Natur gegeben
Wie Redligkeit und Treu in deiner Brust gebrandt
Wie weit dein Witz und Geist sich durch ein länger Leben
Gewiß hervor gethan weiß der so dich gekandt.
Doch nun erblassest du: zu tieff sind diese Wunden
Und werden gantz durch nichts als Gottesfurcht verbunden.
Hochwohlgebohrnes Hauß das grauen Adel zieret
Das sein Verdienst erhebt das reife Klugheit preißt
Im Wappen Ehr und Ruhm im Hertzen Tugend führet
Das sich bey jeden Fall mit wahrer Großmuth speißt
Diß Creutz wird dein Gemüth so zu dem Himmel schicken
Daß wir den Helden-Muth des Christenthums erblicken.
Mehr Worte wollen uns die Thränen nicht erlauben
Es schließt ein wehrter Freund zwar plötzlich seinen Lauff
Doch sagt der Christen Lehr: ein Augenblick im Glauben
Den Gott in uns erweckt macht auch den Himmel auf.
Hochwohlgebohrnes Hauß je herber dero Schmertzen
Je mächtiger sey Gott in dero Himmels Hertzen.