Auf Herrn Barthol Schmiedes Christliches absterben

By Johannes Plavius

O göldne leyre süsses spiel

Welchs mir Apollo dieses leben

Zwar zu versüssen hat gegeben.

Dieweil es leider allzuviel

Mit bitterkeiten ohne ziel

Pflegt auf sein letztes ziel zuschreiten.

O göldnes spiel wo deiner säiten

Ergötzlichkeit ein mattes hertz'

Erquicken kan wo todes-schmertz

Vnd dieses lebens bitterkeiten

In deines klanges süssigkeiten

Erreichen jhren zweck vnd ziel

So bist du wol ein süsses spiel.

Ist aber dir dein wiederschall

Vnd fröligkeit nu gantz beraubet

So ist mir ja mit dir erlaubet

Den vnverhoften todes-fall

Mit hohler stimm' vnd schwachem hall'

In tiefem thone zubeklagen

Weil schon die Musen leide tragen

Weil Phoebus seine lorbeer-kron'

Hat abgeleget vnd darvon

Die blätter auf den sarg gestrewet

Dem der jhm ehr' vnd gonst erzeiget.

Wie solt' ich denn nicht trawrig seyn

Vnd mit den Musen stimmen ein?

Der mensch allhier vnd alle seine güte

Ist nur ein gras ein glas ein rauch ein dampff

Ein wasserschaum ein traum ein todes-kampff

Ein wasserfall ein schall vnd rosen-blüthe:

Den vngeacht sein fromm vnd trew gemüthe

Der tod verstöret.

O hertzen-brecher grimmer tod!

Wo du vns menschen alles leben

Daß vns der nimmer stirbt gegeben

Wegnemen köntest vnd darzu

Vns rauben vnser' himmel ruh:

Wo du die frommen jhrer frewden

Die jhnen Christus hat bescheiden

Entsetzen köntest: vnd wo man

Durch dessen kraft der alles kan

Nicht solte wieder auferstehen

Vnd in des herren frewde gehen:

So wärest du in letzter noth

Vns allzuherb' o grimmer tod!

Wo aber dir des lebens tod

Den todes-stachel weggenommen

Wie denn gewiss so wird den frommen

Ihr sterben kein verderben seyn:

Ihr tod ist nur ein todesschein

Vnd mehr ein anfang recht zu leben

Wornach viel frommer hertzen streben

In welcher zahl auch einer war

Dem seinerzeit vnd junge jar

Eh' er derselben recht genossen

In ehr' vnd tugend hingeflossen

Vnd dessen leib zu seiner ruh

(Wie christlich) wir begleiten nu

Hie lerne welt daß alle deine güte

Nur sey ein gras ein glas ein rauch ein dampf

Ein wasserschaum ein traum ein steter kampf

Ein wasserfall ein schall vnd morgenblüthe

Welch' vngeacht dein frech vnd stoltz gemüthe

Dertod verheeret.