Auf Herrn D. George Gottfried Svendendörffers seel. ab- sterben.
Mein beyleid theures haupt ist groß und ungemein.
Die klagen schweben mir nicht nur auf mund und zungen
Es darff das augen-paar nicht nur mein zeuge seyn
Dein jammer ist bey mir viel tieffer eingedrungen.
Denn meine seele selbst hat theil an deinem schmertz
Ich fühle wie das hertz mir ungewöhnlich weinet
Nur darum weil ich seh daß dir dein vater-hertz
Um deines sohnes tod itzt recht zu bluten scheinet.
Nicht frage grosser Mann was dessen ursach sey
Und untersuche nicht den ursprung meiner klagen;
Du weist am besten selbst was deine lehrer treu
Und seltne güte mir vor wucher eingetragen.
Da nun du Ceder-baum nach unsers GOttes schluß
Auf deinen schönsten zweig ein schweres wetter blitzet
Was wunder ist es denn daß der erschrecken muß
Der so geruhiglich in deinem schatten sitzet?
Ich stimme ja mit recht in deine seuffzer ein
Ich ruffe billich aus: Du hast zu viel verlohren.
Diß war der sohn durch den du woltest glücklich seyn
Jtzt scheint es daß er dir zum unglück sey gebohren.
Gewiß wer iemahls nur hat deinen sohn gekennt
Wem sein gelehrtes pfund nicht unbewust gewesen
Der hat auch darumb dich bißher beglückt genennt
Weil du gewohnt von ihm nur freuden-frucht zu lesen.
Die gaben der natur der sitten artigkeit
Die seltne wissenschafft die wohl vollbrachte reisen
Der fleiß den mund und hand der jugend hat geweyht
Und hundert sachen mehr sind nicht genug zu preisen.
Daher war er bereits mit würden angethan
Der hoffnung grüner berg war fast nunmehr erstiegen;
Er setzte schon den fuß auff seinen gipffel an;
Und muß doch leider ietzt gestürtzt im grunde liegen.
Er fällt da ihn das glück am meisten soll erhöhn
Er sincket da er soll des vaters stütze werden;
Und nun die rosen itzt in vollem purpur stehn
Begräbt sein purpur sich in kühlen schooß der erden.
Hier wünscht’ ich mir nicht mehr als daß gleich wie du mich
Bey meiner tauffe halffst befreyn von sünden-ketten
Ich itzt hingegen auch hochtheurer gönner dich
Aus dieser creutzes-fluth durch trösten könte retten;
Allein diß thue GOtt. Ich will dir nur anitzt
Nebst jener seligkeit diß zu bedencken geben
Daß wie dein stamm sich einst auff dich allein gestützt
So könn er wieder auch durch einen sich erheben.