Auf Herrn D. George Gottfried Svendendörffers seel. ab- sterben.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Mein beyleid theures haupt ist groß und ungemein.

Die klagen schweben mir nicht nur auf mund und zungen

Es darff das augen-paar nicht nur mein zeuge seyn

Dein jammer ist bey mir viel tieffer eingedrungen.

Denn meine seele selbst hat theil an deinem schmertz

Ich fühle wie das hertz mir ungewöhnlich weinet

Nur darum weil ich seh daß dir dein vater-hertz

Um deines sohnes tod itzt recht zu bluten scheinet.

Nicht frage grosser Mann was dessen ursach sey

Und untersuche nicht den ursprung meiner klagen;

Du weist am besten selbst was deine lehrer treu

Und seltne güte mir vor wucher eingetragen.

Da nun du Ceder-baum nach unsers GOttes schluß

Auf deinen schönsten zweig ein schweres wetter blitzet

Was wunder ist es denn daß der erschrecken muß

Der so geruhiglich in deinem schatten sitzet?

Ich stimme ja mit recht in deine seuffzer ein

Ich ruffe billich aus: Du hast zu viel verlohren.

Diß war der sohn durch den du woltest glücklich seyn

Jtzt scheint es daß er dir zum unglück sey gebohren.

Gewiß wer iemahls nur hat deinen sohn gekennt

Wem sein gelehrtes pfund nicht unbewust gewesen

Der hat auch darumb dich bißher beglückt genennt

Weil du gewohnt von ihm nur freuden-frucht zu lesen.

Die gaben der natur der sitten artigkeit

Die seltne wissenschafft die wohl vollbrachte reisen

Der fleiß den mund und hand der jugend hat geweyht

Und hundert sachen mehr sind nicht genug zu preisen.

Daher war er bereits mit würden angethan

Der hoffnung grüner berg war fast nunmehr erstiegen;

Er setzte schon den fuß auff seinen gipffel an;

Und muß doch leider ietzt gestürtzt im grunde liegen.

Er fällt da ihn das glück am meisten soll erhöhn

Er sincket da er soll des vaters stütze werden;

Und nun die rosen itzt in vollem purpur stehn

Begräbt sein purpur sich in kühlen schooß der erden.

Hier wünscht’ ich mir nicht mehr als daß gleich wie du mich

Bey meiner tauffe halffst befreyn von sünden-ketten

Ich itzt hingegen auch hochtheurer gönner dich

Aus dieser creutzes-fluth durch trösten könte retten;

Allein diß thue GOtt. Ich will dir nur anitzt

Nebst jener seligkeit diß zu bedencken geben

Daß wie dein stamm sich einst auff dich allein gestützt

So könn er wieder auch durch einen sich erheben.