Auf Hn. Adam Bänckners tod in Brieg. B. N.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Ich schreibe seligster von lieb und treu getrieben

Wo anders thränen-saltz kan schwartze dinte seyn?

Denn diß ist nur allein von allem übrig blieben

Was dir mein hertze kan auf deine leiche streun.

Ach freund! was aber freund? ach kern gerechter seelen!

Wird so die redligkeit auf erden unterdrückt?

Was wunder daß mein trost in deines grabes hölen

So wie der sonnen glantz bey trüber lufft erstickt?

Du bist von jugend auf der ulmen-baum gewesen

An dem mein auge so wie grüne reben hieng

Der spiegel der mich oft von weitem lassen lesen

Wie die verlarvte welt mit flecken schwanger gieng.

Denn dieses ist und bleibt der freunde bestes zeichen

Beysammen voller frucht wie dattel-bäume stehn

Am wesen aber sich den reinen sternen gleichen

Und ohne schminck und fleck stets von einander gehn.

Die meisten haben zwar mit hermelinen fellen

Jhr hertze wie der schnee mit schimmer sich bedeckt;

Wenn aber sonn und zeit sie auf die probe stellen

So sieht man daß auch nur in beyden kälte steckt.

Du hast gleich wie ein blat von pommerantzen-zweigen

Die zung und auch das hertz beysammen stets geführt;

Ich aber offt mehr lust aus deinem treu-bezeigen

Als ein granaten-baum bey myrthen krafft gespührt.

Jedoch was nenn ich mich? Brieg hat dich auch verlohren.

Denn thau und sonne sind vor einen garten nicht

Die besten mandeln nicht vor einen mund gebohren

Und kluge köpffe nur vor alle zugericht.

Drum war dein meistes thun dem lande recht zu dienen

Dem oberherren treu den gleichen hold zu seyn

Und unter schweiß und müh wie arbeits-volle bienen

Die undanck-volle welt mit honig zu erfreun.

Und warlich nicht umsonst. Denn rath und bürger wissen

Was deine redligkeit vor proben abgelegt

Was du vor knoten offt durch deinen witz zerrissen

Und vor bescheidenheit den untern eingeprägt.

An palmen-bäumen ist sonst alles zu gebrauchen;

Dein gantzer lebens-baum war voller nutzbarkeit

Und hat wenn andere wie Sodoms frucht verrauchen

Die meisten äpffel offt beym kummer ausgestreut.

Was preiß ich aber noch die kinder deiner sorgen?

Was rühm ich ärmster hier den irrdischen verstand?

Da sich dein hertze doch wie blumen ieden morgen

Zur sonnen von der welt dem himmel zugewandt.

Denn müh und arbeit gleicht nur einer purpur-schnecken

Die eh das edle zeug der perlen nicht gebiehrt

Biß sie vom morgen-thau kan safft und zucker lecken

Und ihr der himmel selbst die schwache geister rührt.

So geht es auch mit uns. Wir sorgen nur vergebens

Und bringen nichts als schmertz und thränen zu der welt

So lange durch gebet der seegen unsers lebens

Wie muscheln ihre krafft nicht von dem himmel fällt.

Dein hertze seligster ließ alle menschen lernen

Daß GOtt und andacht nur der ehren wachsthum seyn

Drum goß sein gnaden-licht gleich wie die sonne sternen

Auch deiner matten brust stets frische nahrung ein.

Wie aber trifft man doch in reinen paradiesen

So leichtlich eine brutt von falschen schlangen an?

Du hast der erden nichts als redligkeit bewiesen

Dir hat man nichts zuletzt als falschheit angethan.

Verfluchte danckbarkeit! was soll ich weiter schreiben?

Gantz Brieg weiß wie du hier dein leben zugebracht.

Drum gönne weil dein ruhm doch wird auff erden bleiben

Daß dir mein hertze nur noch diese grabschrifft macht:

Zwey freunde ruhen hier der eine in gedancken

Der ander aber schon warhafftig in der that.

Zur lehre sterblichen: daß ihrer liebe schrancken

Auch noch der blasse tod nicht unterbrochen hat.