Auf Hn. Adam Bänckners tod in Brieg. B. N.
Ich schreibe seligster von lieb und treu getrieben
Wo anders thränen-saltz kan schwartze dinte seyn?
Denn diß ist nur allein von allem übrig blieben
Was dir mein hertze kan auf deine leiche streun.
Ach freund! was aber freund? ach kern gerechter seelen!
Wird so die redligkeit auf erden unterdrückt?
Was wunder daß mein trost in deines grabes hölen
So wie der sonnen glantz bey trüber lufft erstickt?
Du bist von jugend auf der ulmen-baum gewesen
An dem mein auge so wie grüne reben hieng
Der spiegel der mich oft von weitem lassen lesen
Wie die verlarvte welt mit flecken schwanger gieng.
Denn dieses ist und bleibt der freunde bestes zeichen
Beysammen voller frucht wie dattel-bäume stehn
Am wesen aber sich den reinen sternen gleichen
Und ohne schminck und fleck stets von einander gehn.
Die meisten haben zwar mit hermelinen fellen
Jhr hertze wie der schnee mit schimmer sich bedeckt;
Wenn aber sonn und zeit sie auf die probe stellen
So sieht man daß auch nur in beyden kälte steckt.
Du hast gleich wie ein blat von pommerantzen-zweigen
Die zung und auch das hertz beysammen stets geführt;
Ich aber offt mehr lust aus deinem treu-bezeigen
Als ein granaten-baum bey myrthen krafft gespührt.
Jedoch was nenn ich mich? Brieg hat dich auch verlohren.
Denn thau und sonne sind vor einen garten nicht
Die besten mandeln nicht vor einen mund gebohren
Und kluge köpffe nur vor alle zugericht.
Drum war dein meistes thun dem lande recht zu dienen
Dem oberherren treu den gleichen hold zu seyn
Und unter schweiß und müh wie arbeits-volle bienen
Die undanck-volle welt mit honig zu erfreun.
Und warlich nicht umsonst. Denn rath und bürger wissen
Was deine redligkeit vor proben abgelegt
Was du vor knoten offt durch deinen witz zerrissen
Und vor bescheidenheit den untern eingeprägt.
An palmen-bäumen ist sonst alles zu gebrauchen;
Dein gantzer lebens-baum war voller nutzbarkeit
Und hat wenn andere wie Sodoms frucht verrauchen
Die meisten äpffel offt beym kummer ausgestreut.
Was preiß ich aber noch die kinder deiner sorgen?
Was rühm ich ärmster hier den irrdischen verstand?
Da sich dein hertze doch wie blumen ieden morgen
Zur sonnen von der welt dem himmel zugewandt.
Denn müh und arbeit gleicht nur einer purpur-schnecken
Die eh das edle zeug der perlen nicht gebiehrt
Biß sie vom morgen-thau kan safft und zucker lecken
Und ihr der himmel selbst die schwache geister rührt.
So geht es auch mit uns. Wir sorgen nur vergebens
Und bringen nichts als schmertz und thränen zu der welt
So lange durch gebet der seegen unsers lebens
Wie muscheln ihre krafft nicht von dem himmel fällt.
Dein hertze seligster ließ alle menschen lernen
Daß GOtt und andacht nur der ehren wachsthum seyn
Drum goß sein gnaden-licht gleich wie die sonne sternen
Auch deiner matten brust stets frische nahrung ein.
Wie aber trifft man doch in reinen paradiesen
So leichtlich eine brutt von falschen schlangen an?
Du hast der erden nichts als redligkeit bewiesen
Dir hat man nichts zuletzt als falschheit angethan.
Verfluchte danckbarkeit! was soll ich weiter schreiben?
Gantz Brieg weiß wie du hier dein leben zugebracht.
Drum gönne weil dein ruhm doch wird auff erden bleiben
Daß dir mein hertze nur noch diese grabschrifft macht:
Zwey freunde ruhen hier der eine in gedancken
Der ander aber schon warhafftig in der that.
Zur lehre sterblichen: daß ihrer liebe schrancken
Auch noch der blasse tod nicht unterbrochen hat.