Auf Hn. B. G. u. J. R. R. Hochzeit den 7. May. 1675.
Aurora wieß numehr ihr Rosen-reiches Haar
Und nahm den Purpur-Rock den frühen Tag zu kleiden
Der rund-gefallne Thau span wie von zarter Seiden
Den Wiesen ein Gewand das voller Perlen war
Und die erwachte Sonn fing an mit güldnen Strahlen
Der Erden grüne Brust anmutig zu bemahlen.
Es schallte Wald und Thal von einer Sängerey
Die künstlich angestimmt die bunten Forst-Gebrüder.
Es ließ die Nachtigal auch ihre
Auff tausend Arten gehn die Echo saß dabey
Zwar lebloß doch beredt und gab noch zu verstehen
Wie ihr Narcissus stoltz zu Hertzen müsse gehen.
Als nach vollbrachter Ruh die Mutter süsser Pein
Erhub den Lilgen-Leib von weichen Schwanen-Küssen
Erfreut und auch betrübt weil Mavors ihr entrissen:
Was sprach sie wolt ich nicht entsetzt des Himmels seyn
Als meines Krieges Gotts Umbarmung ietzt entbehren?
Sol meine Schönheit sich in Einsamkeit verzehren?
Wie Mutter so bestürtzt? erschien ihr kleiner Sohn
Ich bringe nichts als Lust in meiner Schoß getragen.
Mein Mund weis sonst von nichts als Liebligkeit zu sagen.
Bewacht nicht Schertz und Spiel mehr deiner Hoheit Thron?
Wo sind die Gratien? die färbichten Napæen
Die feuchten Najaden die hurtigen Oreen?
Weil ietzt die Erde wird des Himmels liebe Braut
Und die verjüngte Welt scheint als wie neu gebohren
Der Faunen Auffenthalt der Wald kriegt Aug’ und Ohren
Sein zierlich Garten-Werck Priapus wieder baut
Der Bäume Schnee-Geruch die Lüffte balsamiret
Und iede Blume sich mit neuen Farben zieret.
So ist der Flora Wunsch in ihrem Königreich
Das Sternen trotzen kan Rubinen machet dunckel
Den Demant überwiegt und wegsticht den Carfunckel
Vor dem der Chrysolit und Carniol wird bleich
Gold-Mutter dich zu sehn und ob von den Saphiren
Des Himmels sie dich darff auch in ihr Lust-Haus führen.
Auff Acidalia! die allerschönste Zeit
Der Jahrmarckt bester Lust der Lentz lockt an zum lieben
Du sihst diß süsse Werck Lufft Erd und See verüben
Die Pfeile sind gespitzt mein Bogen ist bereit
Der Köcher angefüllt so merck ich aus den Lüfften
Jhr lispelndes Geräusch wird uns mehr Freude stissten.
Drauff legte Paphie den heil'gen Gürtel an
Der alle Heimligkeit der Liebenden beschlossen;
Wie ihr gekröntes Haupt mit Narden war begossen
Und sie den höchsten Schmuck der Götter zieren kan
Mit gleicher Majestät den Schultern umbgegeben
Sah’ man in grosser Schaar die Amorn umb sie schweben.
Sie baten umb Befehl. Die Königin der Lust
Und Herrscherin der Welt sprach: Knaben ihr müst schwimmen
Es darff mir Paphos nicht von fetten Opffern glimmen
Mir ist des Eryx Schloß und Tempel nie bewust.
Weg meine Tauben weg ihr dürfft nicht heute girren
Ich wil nicht eure Ruh ihr Silber-Schwanen irren.
Die Muschel so zu erst mein Rosen-Fuß betrat
Muß mir zu einem Schiff auch auff der Oder dienen
Mir der das Ufer lacht der alle Bäume grünen
Narcissen sprossen auff und decken meinen Pfad
Beliebt bey reiner Lufft und Spiegel-klaren Wellen
Mich zu der Garten-Lust der Chloris einzustellen.
Wie wenn der Bienen-Volck schwärmt umb den süssen Klee
Und wil sich in den Schoß der Blumen gantz verhüllen
So sah’ man auch die Lufft die Liebes-Engel füllen
Theils jagten Vogeln nach in der gestirnten Höh
Theils schwebten in dem Kampff und andre hieltens besser
Zu segeln durch die Fluth zu schertzen im Gewässer.
So trug der Oderstrom die Freuden-Königin
So ist ihr Schertz und Lust und Anmuth nach geschwommen
Biß sie der Flora Mund demüthig hieß willkommen
Und Hertz-vermöglich bat in ihren Garten hin
Der wie ein Paradeiß voll Blüt und Blumen lachte
Und ein gestirnt Gezelt der Liebes-Mutter machte.
Es hatte kaum ihr Fuß den schönen Ort berührt
Als eine gantze Reyh von holden Frauen-Zimmer
Sie zu bedienen stand. Der Stralen-reiche Schimmer
Den umb ihr goldnes Haupt die Erycina führt
Beschwang gleich einem Blitz die Gegend dieser Erden
So daß die Nymfen da zu Engeln musten werden.
Der auserlesne Platz gefiel der Göttin wol
Weil dort der Blumen Lust die Geister aufferweckte
Und hier der Bäume Nacht der Glieder Marmel deckte
Sie sprach: fort Töchter fort weil man begehen soll
Den Blumen-schwangern May wird Chloris es vergönnen
Daß wir durch einen Tantz uns recht ergetzen können.
Zwar meiner Majestät steht nicht dergleichen an
Ich bin vergnügt darmit die Augen nur zu weiden
Und hier der Rosen-Krantz soll dieser Haupt bekleiden
Die als die Meisterin den Reyhen führen kan.
Die Amornwerden auch zu fernerem Behagen
Euch Ambrosinen Marck und Götter-Wein fürtragen.
Alleine Zefyrs Schatz Lust-Wirthin sage mir
Hub Venus weiter an weil die beredten Geigen
Der Laute süsser Mund nicht länger wolten schweigen
Und hinterziehn die Lust wie sind in dein Revier
Die Blumen so zuvor im hohen Götter Orden
Durch eine Wandlung so bald versetzet worden?
Ist diß hier der Narcyß so einst sich selbst geliebt
Und itzt bald weiß bald gelb bald hohl bald voll gefüllet?
Steht da der Hyacinth dem Phöbus wol gewillet
Ob dessen Hintritt er sich biß in Tod betrübt?
Seufftzt dort die Clytie noch immer nach der Sonne
Folgt ihren Stralen nach und nennt sie Trost und Wonne?
Ja Mutter heisser Brunst gab Chloris Antwort drauff
Die Flamme die du selbst in ihrem Blut genähret
Hat Götter wie du sihst in Blumen so verkehret
Eh’ wird der Himmel gar verändern seinen Lauff
Die Flüsse rückwerts gehn als sie dir widerstreben
Dir der zu Diensten auch die Elementen leben.
Sih doch den Crocus an und sein gantz güldnes Kleid
Blick auffdie Lilien von Juno Brust begossen
Als Hercules bey ihr die Nahrung hat genossen
Und wo Adonis dir nicht ferner machet leid
So sprossen für dir auff dein Blut die Anemonen
Als Zeugen wahrer Treu und der verliebten Cronen.
Verwundert dichs noch mehr das sie beym Morgenroth
Voll runder Perlen stehn? Es sind die heissen Zähren.
Reitzt dich der Farben Glantz? das feurige Begehren
Stellt iedes Blat noch für. Des Cyparissens Tod
Entdeckt hier die Cypreß mit ihren blassen Zweigen
Und wird aus Leid zerkerbt Apollens Liebe zeigen.
Wer siht den Lorberbaum der nicht der Daphne denckt
Wie in den grünen Stock sich selbsten muste flüchten?
Wer kennt den Atys nicht in den lebhafften Fichten?
Und wenn der Palmenbaum verliebt die Armen schrenckt
Sich umb den Ulmenstamm die schlancke Rebe windet
Wer leugnet daß sie sind vom Lieben angezündet?
Geht deine Würckung nun durch Erde Lufft und See
So sih genädig an daß meine Blumen brennen
Der Garten wird gewiß als Göttin’ dich erkennen.
Denn wo mich nicht betreugt die Schickung aus der Höh
Und ich weissagen soll so wähn’ ich: diese Stunden
Hat
Kaum hatte Flora so geschlossen ihren Mund
Als durch die freye Lufft erhellt ein laut Gelächter
Die nackte Flügel-Schaar der kleinen Liebes-Wächter
Eilt zu der Venus Thron und rufft: Ach die ist wund
Dein eintzig werthes Kind ach Mutter Rosabelle
Fängt aus der Bach die Glut schöpfft Flammen aus der Quelle.
Und Hymen stimmet ein der Braut- und Hochzeit-Gott:
Der Garten mag mit Recht ein Wunder-Garten heissen.
Ich melde die Geschicht. Wie sich dem Tantz entreissen
Die Rosabella wil und schertzt mit dem Geboth
Das Göttin du ertheilt verlacht der Nymfen singen
Wenn sie von Lieb’ und Brunst verdeckte Rätzel bringen.
Erwehlt die Einsamkeit zu der Gedancken Ziel
Spatzieret hin und her die Sinnen zu ergetzen
Meynt endlich lass’ und matt sich an die Bach zu setzen
So wie Crystallen rein anmuthig frisch und kühl
Aus güldnen Adern dringt ist dieser Fall geschehen
Daß
Sie kennt die Regung nicht so Marck und Adern rührt
Ob in dem Hertzen schon die heissen Funcken spielen
Sie sucht der Liebe-Feur in dieser Bach zu kühlen
Die oben süssen Thau und unten Flammen führt
Und weiß den Aetna nicht so zwar mit
Hingegen in der Schoß Krafft-reiche Brände hecket.
Wol mir! sprach Venus wol! was gleicht sich meiner Krafft?
Flügt hin geliebtes Volck und bringet doch zur Stelle
Der Tugend Ebenbild die schöne
Dir aber Hymen wird durch meinen Mund geschafft
Zusehn ob solcher Bach Besitzer nicht zu finden
Die Glut so sie gerührt muß jenen auch entzünden.
Man lasse Sina reich an Feuer-Brunnen seyn
Es rühme sich Japan mit seinen heissen Bächen.
Ich Hertzens-Wenderin wil so ein Urtheil sprechen
Das auch die Ewigkeit dem Demant gräbet ein.
Und dieser Garten sol zu stetem Angedencken
Mir Opffer reiner Treu dem Himmel Pflantzen schencken.
Indem kömmt
Und fällt halb zitternde der Göttin zu den Füssen
Man sah sich Scham und Zucht auff ihren Wangen küssen.
So färbt der Himmel sich wenn früh das Morgen-Liecht
Der Purpur untermahlt. In einem solchen Scheine
Strahlt Tyrus Schnecken-Blut auff glattem Helffenbeine.
Nicht unfern nahte sich die Blumen-Göttin an
Es stund ihr Garten-Herr entzücket an der Seiten
Und tausend Amorn da das Schauspiel zu begleiten.
Sie rieff vergötterte Lust-Fürstin wo ich kan
Und darff so laß doch frey die
Als eine
Jhr keusches Auge gab durch Wincken zu verstehn
Wie die geliebte Bach ihr eintziges Vergnügen
Und wie sie schon bereit dem was die Sterne fügen
Die Paphie befiehlt Gehorsam nachzugehn.
Ja daß ihr höchster Wunsch an diesem Ort zu leben
Wo ihr die reine Bach Erfrischung erst gegeben.
So fleust Alpheus Strom nach Arethusen nicht
Es schmiltzet Salmacis in keine solche Fluten
So rauchet Dodons Brunn kaum von so heissen Gluten
Als hier
Er siht was ihn ergetzt er liebt was ihn entzücket
Und hat ihr Bildnüß schon längst in sein Hertz gedrücket.
Die sitsame Gestalt die seltne Frömmigkeit
Der Jahre schöner Lentz die freundlichen Gebärden
Die müssen ihm allhier zu Liebes-Sonnen werden.
Und wo der Menschen Hertz ein schönes Weib erfreut
Kan
Von der Vergnügung selbst das Vorzugs-Recht erlangen.
Es nahm die Herrscherin verliebter Seelen wahr
Wie sich ein gleiches Feur aus beyder Augen zeigte
Wie sich ein gleicher Plitz auff beyder Hertzen neigte
Wie treue Lieb und Gunst erbaut ein gleich Altar
Und ließ die reine Flamm biß an die Sterne gehen
Der auch der blasse Neid nicht konte widerstehen.
Dir Flora sag ich Danck daß deine Garten-Lust
Sprach Venus auch mein Reich so herrlich wil erweitern.
Ein ewig Wachsthum sey in Blumen Graß und Kräutern!
Es kröne Fruchtbarkeit stets deine reiche Brust!
Es müß’ ein blumicht Lentz in deinen Gräntzen schweben
Und alle Gratien nach deinem Willen leben!
Du aber
Und das die Einigkeit verknüpfft mit güldnen Schlingen
So viel der Garten hier kan schöne Blumen bringen
Und man im ersten May der bundten Tulpen zehlt
So viel Gelück und Ruh begleit’ euch stets zu Bette
Und Wollust-voller Schertz umbarm’ euch in die Wette.
Es müsse
Und ihren liebsten Schatz in Freuden-Rosen küssen!
Der Zucker-Rosen Krafft soll diese Nacht versüssen.
Und wenn sie morgen früh wird von dem Schlaff auffstehn
Soll mir Aurora selbst von ihren Rosen leihen
Daß ich das Hochzeit-Bett anmuthig kan bestreuen.
Jetzt rufft die Demmerung mich zu der Sternen Höh
Es wil mir Hesperus durch Silber-Blicke wincken
Ich seh’ auch Flora dir die matten Augen sincken
Auff! Amorn eh’ ich noch aus diesem Garten geh’
Ehrt Choris milde Gunst wünscht den Vermählten
Daß ihre Liebe sich in Rosen müsse weyden.