Auf Hn. B. G. u. J. R. R. Hochzeit den 7. May. 1675.

By Heinrich Mühlpfort

Aurora wieß numehr ihr Rosen-reiches Haar

Und nahm den Purpur-Rock den frühen Tag zu kleiden

Der rund-gefallne Thau span wie von zarter Seiden

Den Wiesen ein Gewand das voller Perlen war

Und die erwachte Sonn fing an mit güldnen Strahlen

Der Erden grüne Brust anmutig zu bemahlen.

Es schallte Wald und Thal von einer Sängerey

Die künstlich angestimmt die bunten Forst-Gebrüder.

Es ließ die Nachtigal auch ihre

Auff tausend Arten gehn die Echo saß dabey

Zwar lebloß doch beredt und gab noch zu verstehen

Wie ihr Narcissus stoltz zu Hertzen müsse gehen.

Als nach vollbrachter Ruh die Mutter süsser Pein

Erhub den Lilgen-Leib von weichen Schwanen-Küssen

Erfreut und auch betrübt weil Mavors ihr entrissen:

Was sprach sie wolt ich nicht entsetzt des Himmels seyn

Als meines Krieges Gotts Umbarmung ietzt entbehren?

Sol meine Schönheit sich in Einsamkeit verzehren?

Wie Mutter so bestürtzt? erschien ihr kleiner Sohn

Ich bringe nichts als Lust in meiner Schoß getragen.

Mein Mund weis sonst von nichts als Liebligkeit zu sagen.

Bewacht nicht Schertz und Spiel mehr deiner Hoheit Thron?

Wo sind die Gratien? die färbichten Napæen

Die feuchten Najaden die hurtigen Oreen?

Weil ietzt die Erde wird des Himmels liebe Braut

Und die verjüngte Welt scheint als wie neu gebohren

Der Faunen Auffenthalt der Wald kriegt Aug’ und Ohren

Sein zierlich Garten-Werck Priapus wieder baut

Der Bäume Schnee-Geruch die Lüffte balsamiret

Und iede Blume sich mit neuen Farben zieret.

So ist der Flora Wunsch in ihrem Königreich

Das Sternen trotzen kan Rubinen machet dunckel

Den Demant überwiegt und wegsticht den Carfunckel

Vor dem der Chrysolit und Carniol wird bleich

Gold-Mutter dich zu sehn und ob von den Saphiren

Des Himmels sie dich darff auch in ihr Lust-Haus führen.

Auff Acidalia! die allerschönste Zeit

Der Jahrmarckt bester Lust der Lentz lockt an zum lieben

Du sihst diß süsse Werck Lufft Erd und See verüben

Die Pfeile sind gespitzt mein Bogen ist bereit

Der Köcher angefüllt so merck ich aus den Lüfften

Jhr lispelndes Geräusch wird uns mehr Freude stissten.

Drauff legte Paphie den heil'gen Gürtel an

Der alle Heimligkeit der Liebenden beschlossen;

Wie ihr gekröntes Haupt mit Narden war begossen

Und sie den höchsten Schmuck der Götter zieren kan

Mit gleicher Majestät den Schultern umbgegeben

Sah’ man in grosser Schaar die Amorn umb sie schweben.

Sie baten umb Befehl. Die Königin der Lust

Und Herrscherin der Welt sprach: Knaben ihr müst schwimmen

Es darff mir Paphos nicht von fetten Opffern glimmen

Mir ist des Eryx Schloß und Tempel nie bewust.

Weg meine Tauben weg ihr dürfft nicht heute girren

Ich wil nicht eure Ruh ihr Silber-Schwanen irren.

Die Muschel so zu erst mein Rosen-Fuß betrat

Muß mir zu einem Schiff auch auff der Oder dienen

Mir der das Ufer lacht der alle Bäume grünen

Narcissen sprossen auff und decken meinen Pfad

Beliebt bey reiner Lufft und Spiegel-klaren Wellen

Mich zu der Garten-Lust der Chloris einzustellen.

Wie wenn der Bienen-Volck schwärmt umb den süssen Klee

Und wil sich in den Schoß der Blumen gantz verhüllen

So sah’ man auch die Lufft die Liebes-Engel füllen

Theils jagten Vogeln nach in der gestirnten Höh

Theils schwebten in dem Kampff und andre hieltens besser

Zu segeln durch die Fluth zu schertzen im Gewässer.

So trug der Oderstrom die Freuden-Königin

So ist ihr Schertz und Lust und Anmuth nach geschwommen

Biß sie der Flora Mund demüthig hieß willkommen

Und Hertz-vermöglich bat in ihren Garten hin

Der wie ein Paradeiß voll Blüt und Blumen lachte

Und ein gestirnt Gezelt der Liebes-Mutter machte.

Es hatte kaum ihr Fuß den schönen Ort berührt

Als eine gantze Reyh von holden Frauen-Zimmer

Sie zu bedienen stand. Der Stralen-reiche Schimmer

Den umb ihr goldnes Haupt die Erycina führt

Beschwang gleich einem Blitz die Gegend dieser Erden

So daß die Nymfen da zu Engeln musten werden.

Der auserlesne Platz gefiel der Göttin wol

Weil dort der Blumen Lust die Geister aufferweckte

Und hier der Bäume Nacht der Glieder Marmel deckte

Sie sprach: fort Töchter fort weil man begehen soll

Den Blumen-schwangern May wird Chloris es vergönnen

Daß wir durch einen Tantz uns recht ergetzen können.

Zwar meiner Majestät steht nicht dergleichen an

Ich bin vergnügt darmit die Augen nur zu weiden

Und hier der Rosen-Krantz soll dieser Haupt bekleiden

Die als die Meisterin den Reyhen führen kan.

Die Amornwerden auch zu fernerem Behagen

Euch Ambrosinen Marck und Götter-Wein fürtragen.

Alleine Zefyrs Schatz Lust-Wirthin sage mir

Hub Venus weiter an weil die beredten Geigen

Der Laute süsser Mund nicht länger wolten schweigen

Und hinterziehn die Lust wie sind in dein Revier

Die Blumen so zuvor im hohen Götter Orden

Durch eine Wandlung so bald versetzet worden?

Ist diß hier der Narcyß so einst sich selbst geliebt

Und itzt bald weiß bald gelb bald hohl bald voll gefüllet?

Steht da der Hyacinth dem Phöbus wol gewillet

Ob dessen Hintritt er sich biß in Tod betrübt?

Seufftzt dort die Clytie noch immer nach der Sonne

Folgt ihren Stralen nach und nennt sie Trost und Wonne?

Ja Mutter heisser Brunst gab Chloris Antwort drauff

Die Flamme die du selbst in ihrem Blut genähret

Hat Götter wie du sihst in Blumen so verkehret

Eh’ wird der Himmel gar verändern seinen Lauff

Die Flüsse rückwerts gehn als sie dir widerstreben

Dir der zu Diensten auch die Elementen leben.

Sih doch den Crocus an und sein gantz güldnes Kleid

Blick auffdie Lilien von Juno Brust begossen

Als Hercules bey ihr die Nahrung hat genossen

Und wo Adonis dir nicht ferner machet leid

So sprossen für dir auff dein Blut die Anemonen

Als Zeugen wahrer Treu und der verliebten Cronen.

Verwundert dichs noch mehr das sie beym Morgenroth

Voll runder Perlen stehn? Es sind die heissen Zähren.

Reitzt dich der Farben Glantz? das feurige Begehren

Stellt iedes Blat noch für. Des Cyparissens Tod

Entdeckt hier die Cypreß mit ihren blassen Zweigen

Und wird aus Leid zerkerbt Apollens Liebe zeigen.

Wer siht den Lorberbaum der nicht der Daphne denckt

Wie in den grünen Stock sich selbsten muste flüchten?

Wer kennt den Atys nicht in den lebhafften Fichten?

Und wenn der Palmenbaum verliebt die Armen schrenckt

Sich umb den Ulmenstamm die schlancke Rebe windet

Wer leugnet daß sie sind vom Lieben angezündet?

Geht deine Würckung nun durch Erde Lufft und See

So sih genädig an daß meine Blumen brennen

Der Garten wird gewiß als Göttin’ dich erkennen.

Denn wo mich nicht betreugt die Schickung aus der Höh

Und ich weissagen soll so wähn’ ich: diese Stunden

Hat

Kaum hatte Flora so geschlossen ihren Mund

Als durch die freye Lufft erhellt ein laut Gelächter

Die nackte Flügel-Schaar der kleinen Liebes-Wächter

Eilt zu der Venus Thron und rufft: Ach die ist wund

Dein eintzig werthes Kind ach Mutter Rosabelle

Fängt aus der Bach die Glut schöpfft Flammen aus der Quelle.

Und Hymen stimmet ein der Braut- und Hochzeit-Gott:

Der Garten mag mit Recht ein Wunder-Garten heissen.

Ich melde die Geschicht. Wie sich dem Tantz entreissen

Die Rosabella wil und schertzt mit dem Geboth

Das Göttin du ertheilt verlacht der Nymfen singen

Wenn sie von Lieb’ und Brunst verdeckte Rätzel bringen.

Erwehlt die Einsamkeit zu der Gedancken Ziel

Spatzieret hin und her die Sinnen zu ergetzen

Meynt endlich lass’ und matt sich an die Bach zu setzen

So wie Crystallen rein anmuthig frisch und kühl

Aus güldnen Adern dringt ist dieser Fall geschehen

Daß

Sie kennt die Regung nicht so Marck und Adern rührt

Ob in dem Hertzen schon die heissen Funcken spielen

Sie sucht der Liebe-Feur in dieser Bach zu kühlen

Die oben süssen Thau und unten Flammen führt

Und weiß den Aetna nicht so zwar mit

Hingegen in der Schoß Krafft-reiche Brände hecket.

Wol mir! sprach Venus wol! was gleicht sich meiner Krafft?

Flügt hin geliebtes Volck und bringet doch zur Stelle

Der Tugend Ebenbild die schöne

Dir aber Hymen wird durch meinen Mund geschafft

Zusehn ob solcher Bach Besitzer nicht zu finden

Die Glut so sie gerührt muß jenen auch entzünden.

Man lasse Sina reich an Feuer-Brunnen seyn

Es rühme sich Japan mit seinen heissen Bächen.

Ich Hertzens-Wenderin wil so ein Urtheil sprechen

Das auch die Ewigkeit dem Demant gräbet ein.

Und dieser Garten sol zu stetem Angedencken

Mir Opffer reiner Treu dem Himmel Pflantzen schencken.

Indem kömmt

Und fällt halb zitternde der Göttin zu den Füssen

Man sah sich Scham und Zucht auff ihren Wangen küssen.

So färbt der Himmel sich wenn früh das Morgen-Liecht

Der Purpur untermahlt. In einem solchen Scheine

Strahlt Tyrus Schnecken-Blut auff glattem Helffenbeine.

Nicht unfern nahte sich die Blumen-Göttin an

Es stund ihr Garten-Herr entzücket an der Seiten

Und tausend Amorn da das Schauspiel zu begleiten.

Sie rieff vergötterte Lust-Fürstin wo ich kan

Und darff so laß doch frey die

Als eine

Jhr keusches Auge gab durch Wincken zu verstehn

Wie die geliebte Bach ihr eintziges Vergnügen

Und wie sie schon bereit dem was die Sterne fügen

Die Paphie befiehlt Gehorsam nachzugehn.

Ja daß ihr höchster Wunsch an diesem Ort zu leben

Wo ihr die reine Bach Erfrischung erst gegeben.

So fleust Alpheus Strom nach Arethusen nicht

Es schmiltzet Salmacis in keine solche Fluten

So rauchet Dodons Brunn kaum von so heissen Gluten

Als hier

Er siht was ihn ergetzt er liebt was ihn entzücket

Und hat ihr Bildnüß schon längst in sein Hertz gedrücket.

Die sitsame Gestalt die seltne Frömmigkeit

Der Jahre schöner Lentz die freundlichen Gebärden

Die müssen ihm allhier zu Liebes-Sonnen werden.

Und wo der Menschen Hertz ein schönes Weib erfreut

Kan

Von der Vergnügung selbst das Vorzugs-Recht erlangen.

Es nahm die Herrscherin verliebter Seelen wahr

Wie sich ein gleiches Feur aus beyder Augen zeigte

Wie sich ein gleicher Plitz auff beyder Hertzen neigte

Wie treue Lieb und Gunst erbaut ein gleich Altar

Und ließ die reine Flamm biß an die Sterne gehen

Der auch der blasse Neid nicht konte widerstehen.

Dir Flora sag ich Danck daß deine Garten-Lust

Sprach Venus auch mein Reich so herrlich wil erweitern.

Ein ewig Wachsthum sey in Blumen Graß und Kräutern!

Es kröne Fruchtbarkeit stets deine reiche Brust!

Es müß’ ein blumicht Lentz in deinen Gräntzen schweben

Und alle Gratien nach deinem Willen leben!

Du aber

Und das die Einigkeit verknüpfft mit güldnen Schlingen

So viel der Garten hier kan schöne Blumen bringen

Und man im ersten May der bundten Tulpen zehlt

So viel Gelück und Ruh begleit’ euch stets zu Bette

Und Wollust-voller Schertz umbarm’ euch in die Wette.

Es müsse

Und ihren liebsten Schatz in Freuden-Rosen küssen!

Der Zucker-Rosen Krafft soll diese Nacht versüssen.

Und wenn sie morgen früh wird von dem Schlaff auffstehn

Soll mir Aurora selbst von ihren Rosen leihen

Daß ich das Hochzeit-Bett anmuthig kan bestreuen.

Jetzt rufft die Demmerung mich zu der Sternen Höh

Es wil mir Hesperus durch Silber-Blicke wincken

Ich seh’ auch Flora dir die matten Augen sincken

Auff! Amorn eh’ ich noch aus diesem Garten geh’

Ehrt Choris milde Gunst wünscht den Vermählten

Daß ihre Liebe sich in Rosen müsse weyden.