Auf Hn. C. F. u. J. S. P. Hochzeit. Fest den 10. Septemb. 1676.

By Heinrich Mühlpfort

Perle keuscher Zucht und Tugend

Bild der angenehmen Jugend

Schöne Braut was sol es seyn

Daß sie ihrer Freyheit Schätze

Liefert in das Ehstands Netze

Und stellt sich gefangen ein?

Oder wil sie nach den Zeiten

Jhre kluge Sinnen leiten

Weil sich jetzt verjüngt das Jahr

Und fängt alles an zu blühen?

Wil sie diß zum Beyspiel ziehen

Wenn sieh schnäbelt Paar und Paar?

Muß die Schoß der reichen Erden

Jetzt des Himmels Braut nicht werden

Wenn sie sich mit Blumen schmückt?

Wenn er mit den göldnen Stralen

Pfleget ihre Brust zu mahlen

Und viel tausend Farben schickt?

Wenn ietzt in dem bunten Lentzen

Tulpen und Narcissen gläntzen

Und der Gärten Reichthum prangt

Wenn der Baum in seinem Kleide

Als wie in Schnee-weisser Seide

Die vollkommne Zier erlangt.

Solte da der Mensch nicht leben

Da die Götter selbsten schweben

In erwünschter Fröligkeit?

Solte dann der Mensch nicht lieben

Dem schon in das Blut geschrieben

Paart euch daß ihr fruchtbar seyd?

Werthste Braut der Jungfer Orden

Wann er hochgehalten worden

Ist ein Garten sonder Nutz

Und ein Thau der nicht befeuchtet

Eine Sonne die nicht leuchtet

Noch der Nachwelt Schirm und Schutz.

Jungfern sind wie Rosen flüchtig

Jhre Schönheit ist gantz nichtig

Sie verlieren die Gestalt;

Da hingegen Jungefrauen

Männern das Geschlecht erbauen

Und im Lieben werden alt.

Und die wird ein Unding heissen

Die sich ewig wolte fleissen

Der gestrengen Jungferschafft.

Ach man lasse die Vestalen

In verlobter Keuschheit pralen

Und stets leben in der Hafft.

Gott und die Natur gebitten

Was sie ietzt hat eingeschritten

Schöne Braut das Band der Eh

Nichts als Heil wird ihr begegnen

Glück und Wolfahrt auff sie regnen

Aus der blau-gestirnten Höh.

Seh ich nicht wie ihre Blicke

Flechten mehr als göldne Stricke

Einzuschnüren beyder Hertz

Zuverbinden beyder Sinnen

Daß sie sich nicht trennen können

In Betrübnüß Leid und Schmertz.

Und wer wolte nicht Herr Francken

Der ietzt aus dem Wittber-Schrancken

Wieder setzet seinen Fuß

Wünschen daß er frölich lebe

Daß er stets in Wonne schwebe

Bey verneurtem Heyraths-Schluß.

Er wird nicht den May verlangen

Schöne Braut weil ihre Wangen

Mehr als Tulipanen blühn

Weil die Sitten die Geberden

Jhm zu Lust-Magneten werden

Und sein Hertze nach sich ziehn.

Er wird sie den Garten nennen

Wo man kan die

Die da brennt ie mehr und mehr:

Wo

Wo ihn

Und Manns-Treu behält die Ehr.

Sie hingegen seine Taube

Seines Weinstocks edle Traube

Sein gekrönt Oliven-Baum

Wird so ihren Schatz empfangen

Seinem Hoffen und Verlangen

Auch in allem geben Raum.

Sie wird nichts von Dienstbarkeiten

Wissen bey vermählten Zeiten

Sondern leben franck und frey

Und in göldner Eintracht Schrancken

Sagen ja daß bey Herr Francken

Jhre wahre Freyheit sey.