Auf Hn. C. F. u. J. S. P. Hochzeit. Fest den 10. Septemb. 1676.
Perle keuscher Zucht und Tugend
Bild der angenehmen Jugend
Schöne Braut was sol es seyn
Daß sie ihrer Freyheit Schätze
Liefert in das Ehstands Netze
Und stellt sich gefangen ein?
Oder wil sie nach den Zeiten
Jhre kluge Sinnen leiten
Weil sich jetzt verjüngt das Jahr
Und fängt alles an zu blühen?
Wil sie diß zum Beyspiel ziehen
Wenn sieh schnäbelt Paar und Paar?
Muß die Schoß der reichen Erden
Jetzt des Himmels Braut nicht werden
Wenn sie sich mit Blumen schmückt?
Wenn er mit den göldnen Stralen
Pfleget ihre Brust zu mahlen
Und viel tausend Farben schickt?
Wenn ietzt in dem bunten Lentzen
Tulpen und Narcissen gläntzen
Und der Gärten Reichthum prangt
Wenn der Baum in seinem Kleide
Als wie in Schnee-weisser Seide
Die vollkommne Zier erlangt.
Solte da der Mensch nicht leben
Da die Götter selbsten schweben
In erwünschter Fröligkeit?
Solte dann der Mensch nicht lieben
Dem schon in das Blut geschrieben
Paart euch daß ihr fruchtbar seyd?
Werthste Braut der Jungfer Orden
Wann er hochgehalten worden
Ist ein Garten sonder Nutz
Und ein Thau der nicht befeuchtet
Eine Sonne die nicht leuchtet
Noch der Nachwelt Schirm und Schutz.
Jungfern sind wie Rosen flüchtig
Jhre Schönheit ist gantz nichtig
Sie verlieren die Gestalt;
Da hingegen Jungefrauen
Männern das Geschlecht erbauen
Und im Lieben werden alt.
Und die wird ein Unding heissen
Die sich ewig wolte fleissen
Der gestrengen Jungferschafft.
Ach man lasse die Vestalen
In verlobter Keuschheit pralen
Und stets leben in der Hafft.
Gott und die Natur gebitten
Was sie ietzt hat eingeschritten
Schöne Braut das Band der Eh
Nichts als Heil wird ihr begegnen
Glück und Wolfahrt auff sie regnen
Aus der blau-gestirnten Höh.
Seh ich nicht wie ihre Blicke
Flechten mehr als göldne Stricke
Einzuschnüren beyder Hertz
Zuverbinden beyder Sinnen
Daß sie sich nicht trennen können
In Betrübnüß Leid und Schmertz.
Und wer wolte nicht Herr Francken
Der ietzt aus dem Wittber-Schrancken
Wieder setzet seinen Fuß
Wünschen daß er frölich lebe
Daß er stets in Wonne schwebe
Bey verneurtem Heyraths-Schluß.
Er wird nicht den May verlangen
Schöne Braut weil ihre Wangen
Mehr als Tulipanen blühn
Weil die Sitten die Geberden
Jhm zu Lust-Magneten werden
Und sein Hertze nach sich ziehn.
Er wird sie den Garten nennen
Wo man kan die
Die da brennt ie mehr und mehr:
Wo
Wo ihn
Und Manns-Treu behält die Ehr.
Sie hingegen seine Taube
Seines Weinstocks edle Traube
Sein gekrönt Oliven-Baum
Wird so ihren Schatz empfangen
Seinem Hoffen und Verlangen
Auch in allem geben Raum.
Sie wird nichts von Dienstbarkeiten
Wissen bey vermählten Zeiten
Sondern leben franck und frey
Und in göldner Eintracht Schrancken
Sagen ja daß bey Herr Francken
Jhre wahre Freyheit sey.