Auf Hn. D. C. O. M. P. u J. E. G. Hochzeit den 13. Febr. 1679.

By Heinrich Mühlpfort

Gar weit ein ander Ort den nicht der Nord bestreicht

Aufden der Winde Heer kan keinen Winter blasen

Noch der erhitzte Löw mit seinen Flammen rasen

Von dessen Gräntzen nie der bundte Frühling weicht

Den Flora stets bewohnt der feuchte Zephyr grüsset

Und den Aurora früh durch Ros’ und Perlen küsset

War Venus Hofestadt: Judem uns Frost und Eiß

Als wie verschlossen hält und tieffer Schnee bedecket:

Sie hatt’ ihr Sieges-Fahn zum Zeichen außgestecket

Und saß nun aufdem Thron. Kein sterblich Auge weiß

Den Glantz den Straal den Blitz der Hoheit zu beschreiben

Der beste Redner wird erstummt und sprachloß bleiben.

Es macht ihr Angesicht so Erd als Himmel klar

Die Lüffte fingen an mit Bisam sich zu schwängern

Die Sonne muste selbst des Tages Lauff verlängern

Von Myrrh und Aloe troff ihr gesalbtes Haar

Die gantze Gegend schien von angenehmen Hauchen

Als Weyrauch in der Glut und Costen-Oel zu rauchen.

So kan die Rose nicht in ihrem Purpur stehn

Dergleichen Scharlach wird die Beere nicht verleyhen

So kan der erste Lentz die Bäume nicht beschneyen

Noch der Narcissen Haupt in weissem Atlas gehn

Als Blut und Helffenbein sich auf der Göttin Wangen

In gleich gemischter Zier recht schwesterlich umfangen.

Sie streute Lieb und Lust durch jeden Anblick auß:

Die Augen wurffen Blitz die Blitze Feuer-Funcken

So in der Menschen Hertz mehr als entzündlich suncken

Wohin die Glut nur fiel da brandte Hof und Hauß

Jhr Mund der Nectar goß und rahn von Zucker-Quellen

Kont auch die Finsternüß der tunckeln Nacht erhellen.

Das Wunder-schone Weib der Außzug aller Pracht

Die Wollust dieser Welt der Aufboth aller Freude

Der müden Sterblichen erwünschte Seelen-Weide

Als sich das Jungfern-Volck umb ihren Thron gemacht

Und beugte Haupt und Knie; sprach: Töchter ihr müst kennen

Warumb ihr täglich mir pflegt Opffer anzubrennen.

Bey meines Hauptes-Zier bey meines Scepters-Gold

Nicht eine soll von mir abtreten sonder Gnaden!

Sind alle Nymfen mir Napeen und Najaden

Zu meinem Dienst verpflicht so bin ich euch mehr hold

Jhr Sternen meines Ruhms ihr Blumen meines Namens

Jhr Kronen meines Staats und Perlen meines Saamens

Urplötzlich klang die Lufft von einer Harmoni

Der es nicht gleich gethan die singenden Sirenen

Noch aller Lust-Gesang der künstlichen Camenen

Und die deß Orpheus Griff und seine gantze Müh’

Nicht zierlicher erdacht der Hertzogin zu Ehren

Ließ jede Nymfe sich in Engels-Stimmen hören

Was aber was geschicht!

Lisette die noch nie fürm Opffer-Tisch erschienen

Und die das erste mahl die Göttin will bedienen

Sie zittert sie erbebt; Geist Leben Muth und Sinn

Verschwinden allgemach man weiß nicht was geschehen

Nur daß

Indeß kommt Hymen an den stets die Jugend krönt

Und dessen glatten Mund kein Milch-Haar überschattet

Der Hertzen wo er kan verliebt zusammen gattet

Und der der Venus Zorn durch seinen Dienst versöhnt;

Ruft: Seelen-Herrscherin Bezwingerin der Erden

Lisetten kan alsbald durch Cur geholffen werden.

Erlaube daß sie mit in deinen Garten geht

Laß deine Flügel-Schaar die zarte Nymfe tragen

Oft hat ein eintzig Kraut glückselig angeschlagen

Und wer der Kranckheit Quell und Ursprung recht versteht

Der weiß auch von Grund auß den Schaden wol zu heilen

Laß mit

Cardenio der sich das weite Königreich

Der gütigen Natur beflissen durchzuschauen

Dem seine Heimligkeit Apollo zuvertrauen

In vielen Stücken pflegt vor keiner Arbeit bleich

Vor keiner Müh’ erschreckt der manches Land durchgangen

Der Künste göldnes Fließ durch forschen zu erlangen.

Den erst das Pleiß-Athen in seine Liebe schloß

Den Schelde Maß und Temß in Weißheit außgeübet

Dem auch der ferne Po deß Ruhmes Lorbern giebet

Die selbst der Delius genommen aus der Schoß

Und dessen Haupt geweyht als seiner Schätze Kronen

Daß Witz und Artzney-Kunst da künfftig solten wohnen.

Nun der C

Was Avicenna schleust und was Galen erfunden

Und was Hippocrates schreibt Krancken und Gesunden

Was noch den Theophrast macht unsrer Zeit geehrt

Und was vor Geister mehr durch ihre kluge Schrifften

Ein unvergänglich Lob sich bey der Nach-Welt stifften.

Der hielte Buch und Kunst bloß für ein todtes Werck

Wenn die Erfahrung nicht ihm Geist und Seele gebe

Er schloß wie daß ein Mensch gantz unvollkommen lebe

Und ob er schon durchsucht den gantzen Musen-Berg

Und was Athen sonst hat wenn nicht an seiner Seiten

Erschien ein schön Gesicht ein Bild der Freundligkeiten.

Doch blieb

Was in der Artzney-Kunst verborgen zu ergründen

Er sucht ob

Geht in dem Garten umb ob wo der

Noch anzutreffen sey ob

Und ob das

Alsbald kommt ihm die Schaar der nackten Buben für.

Er siht

Der graue Tag sich zeigt erhebt auch ihr Gesichte

Stöst hole Seufftzer aus und legt der Wangen Zier

Auffs neue Rosen bey friert brennet und erzittert

Daß man die Brust bemerckt in der ihr Hertze wittert.

Cardenio sah bald was da vergraben lag

Er sprach: Die Nymfe kranckt an einem harten Fieber.

Auff! pflückt ihr Amorn pflückt

Bringt schleunig

Mengt

Zu wehren ihrem Frost zu leschen ihre Flammen.

Lisette nimmt getrost die Hertz-Mixturen ein:

Das Ubel weicht sie rufft sol ich den nicht umbfangen

Durch dessen Vorsicht ich zum Leben kan gelangen.

Ach Venus laß ihn doch auff ewig meine seyn!

Es sey

Jhm sey ich zugesellt bey hell und trübem Wetter!

Es stand das schöne Kind gleich wie die Helena

Als Paris sie geraubt wie Sappho wenn sie sunge

Wie Philomel eh’ noch die wolberedte Zunge

Der Tereus abgelöst wie Dafne da sie sah’

Den Artzney-Gott verliebt als wie Coronis brandte

Eh’ sie die Eyfersucht des Phöbus noch erkante.

Die Göttin süsser Lust so Seel’ und Seel’ entzündt

Trat mitten unter sie und flocht in beyder Hände

Der Eintracht göldnen Strick mit Wunsch: Es müß’ ohn Ende

Seyn eure Liebes Glut! was meine Macht ietzt bindt

Das sey unauffgelöst biß in den Tod gebunden!

Drauff ist sie in der Lufft sampt ihrem Heer verschwunden.