Auf Hn. D. C. O. M. P. u J. E. G. Hochzeit den 13. Febr. 1679.
Gar weit ein ander Ort den nicht der Nord bestreicht
Aufden der Winde Heer kan keinen Winter blasen
Noch der erhitzte Löw mit seinen Flammen rasen
Von dessen Gräntzen nie der bundte Frühling weicht
Den Flora stets bewohnt der feuchte Zephyr grüsset
Und den Aurora früh durch Ros’ und Perlen küsset
War Venus Hofestadt: Judem uns Frost und Eiß
Als wie verschlossen hält und tieffer Schnee bedecket:
Sie hatt’ ihr Sieges-Fahn zum Zeichen außgestecket
Und saß nun aufdem Thron. Kein sterblich Auge weiß
Den Glantz den Straal den Blitz der Hoheit zu beschreiben
Der beste Redner wird erstummt und sprachloß bleiben.
Es macht ihr Angesicht so Erd als Himmel klar
Die Lüffte fingen an mit Bisam sich zu schwängern
Die Sonne muste selbst des Tages Lauff verlängern
Von Myrrh und Aloe troff ihr gesalbtes Haar
Die gantze Gegend schien von angenehmen Hauchen
Als Weyrauch in der Glut und Costen-Oel zu rauchen.
So kan die Rose nicht in ihrem Purpur stehn
Dergleichen Scharlach wird die Beere nicht verleyhen
So kan der erste Lentz die Bäume nicht beschneyen
Noch der Narcissen Haupt in weissem Atlas gehn
Als Blut und Helffenbein sich auf der Göttin Wangen
In gleich gemischter Zier recht schwesterlich umfangen.
Sie streute Lieb und Lust durch jeden Anblick auß:
Die Augen wurffen Blitz die Blitze Feuer-Funcken
So in der Menschen Hertz mehr als entzündlich suncken
Wohin die Glut nur fiel da brandte Hof und Hauß
Jhr Mund der Nectar goß und rahn von Zucker-Quellen
Kont auch die Finsternüß der tunckeln Nacht erhellen.
Das Wunder-schone Weib der Außzug aller Pracht
Die Wollust dieser Welt der Aufboth aller Freude
Der müden Sterblichen erwünschte Seelen-Weide
Als sich das Jungfern-Volck umb ihren Thron gemacht
Und beugte Haupt und Knie; sprach: Töchter ihr müst kennen
Warumb ihr täglich mir pflegt Opffer anzubrennen.
Bey meines Hauptes-Zier bey meines Scepters-Gold
Nicht eine soll von mir abtreten sonder Gnaden!
Sind alle Nymfen mir Napeen und Najaden
Zu meinem Dienst verpflicht so bin ich euch mehr hold
Jhr Sternen meines Ruhms ihr Blumen meines Namens
Jhr Kronen meines Staats und Perlen meines Saamens
Urplötzlich klang die Lufft von einer Harmoni
Der es nicht gleich gethan die singenden Sirenen
Noch aller Lust-Gesang der künstlichen Camenen
Und die deß Orpheus Griff und seine gantze Müh’
Nicht zierlicher erdacht der Hertzogin zu Ehren
Ließ jede Nymfe sich in Engels-Stimmen hören
Was aber was geschicht!
Lisette die noch nie fürm Opffer-Tisch erschienen
Und die das erste mahl die Göttin will bedienen
Sie zittert sie erbebt; Geist Leben Muth und Sinn
Verschwinden allgemach man weiß nicht was geschehen
Nur daß
Indeß kommt Hymen an den stets die Jugend krönt
Und dessen glatten Mund kein Milch-Haar überschattet
Der Hertzen wo er kan verliebt zusammen gattet
Und der der Venus Zorn durch seinen Dienst versöhnt;
Ruft: Seelen-Herrscherin Bezwingerin der Erden
Lisetten kan alsbald durch Cur geholffen werden.
Erlaube daß sie mit in deinen Garten geht
Laß deine Flügel-Schaar die zarte Nymfe tragen
Oft hat ein eintzig Kraut glückselig angeschlagen
Und wer der Kranckheit Quell und Ursprung recht versteht
Der weiß auch von Grund auß den Schaden wol zu heilen
Laß mit
Cardenio der sich das weite Königreich
Der gütigen Natur beflissen durchzuschauen
Dem seine Heimligkeit Apollo zuvertrauen
In vielen Stücken pflegt vor keiner Arbeit bleich
Vor keiner Müh’ erschreckt der manches Land durchgangen
Der Künste göldnes Fließ durch forschen zu erlangen.
Den erst das Pleiß-Athen in seine Liebe schloß
Den Schelde Maß und Temß in Weißheit außgeübet
Dem auch der ferne Po deß Ruhmes Lorbern giebet
Die selbst der Delius genommen aus der Schoß
Und dessen Haupt geweyht als seiner Schätze Kronen
Daß Witz und Artzney-Kunst da künfftig solten wohnen.
Nun der C
Was Avicenna schleust und was Galen erfunden
Und was Hippocrates schreibt Krancken und Gesunden
Was noch den Theophrast macht unsrer Zeit geehrt
Und was vor Geister mehr durch ihre kluge Schrifften
Ein unvergänglich Lob sich bey der Nach-Welt stifften.
Der hielte Buch und Kunst bloß für ein todtes Werck
Wenn die Erfahrung nicht ihm Geist und Seele gebe
Er schloß wie daß ein Mensch gantz unvollkommen lebe
Und ob er schon durchsucht den gantzen Musen-Berg
Und was Athen sonst hat wenn nicht an seiner Seiten
Erschien ein schön Gesicht ein Bild der Freundligkeiten.
Doch blieb
Was in der Artzney-Kunst verborgen zu ergründen
Er sucht ob
Geht in dem Garten umb ob wo der
Noch anzutreffen sey ob
Und ob das
Alsbald kommt ihm die Schaar der nackten Buben für.
Er siht
Der graue Tag sich zeigt erhebt auch ihr Gesichte
Stöst hole Seufftzer aus und legt der Wangen Zier
Auffs neue Rosen bey friert brennet und erzittert
Daß man die Brust bemerckt in der ihr Hertze wittert.
Cardenio sah bald was da vergraben lag
Er sprach: Die Nymfe kranckt an einem harten Fieber.
Auff! pflückt ihr Amorn pflückt
Bringt schleunig
Mengt
Zu wehren ihrem Frost zu leschen ihre Flammen.
Lisette nimmt getrost die Hertz-Mixturen ein:
Das Ubel weicht sie rufft sol ich den nicht umbfangen
Durch dessen Vorsicht ich zum Leben kan gelangen.
Ach Venus laß ihn doch auff ewig meine seyn!
Es sey
Jhm sey ich zugesellt bey hell und trübem Wetter!
Es stand das schöne Kind gleich wie die Helena
Als Paris sie geraubt wie Sappho wenn sie sunge
Wie Philomel eh’ noch die wolberedte Zunge
Der Tereus abgelöst wie Dafne da sie sah’
Den Artzney-Gott verliebt als wie Coronis brandte
Eh’ sie die Eyfersucht des Phöbus noch erkante.
Die Göttin süsser Lust so Seel’ und Seel’ entzündt
Trat mitten unter sie und flocht in beyder Hände
Der Eintracht göldnen Strick mit Wunsch: Es müß’ ohn Ende
Seyn eure Liebes Glut! was meine Macht ietzt bindt
Das sey unauffgelöst biß in den Tod gebunden!
Drauff ist sie in der Lufft sampt ihrem Heer verschwunden.