Auf Hn. D. F. G. P. J. u. D. Jungf. R. M. B. Hochzeit den 27. Febr. 1671.
Rubelle nun mich heist Lieb und Verhängnüß schreiben
Zwey Dinge die gewiß der Seelen Meister seyn;
Das erste lockt mich an das ander kan mich treiben
Mit beyden stimmet auch mein ernster Vorsatz ein:
So wirst du diesen Brieff als wie du pflegst erblicken
Es ist dir ja die Schrifft als wie mein Hertz bekand.
Du wirst ihn tausendmahl mit einem Kuß bedrücken
Und sagen: Ach mein Schatz
Wo jede Zeile nun von heissen Flammen glühet
Und wo ein ewig Feur sich weiset auf dem Blat
Wo statt der Dinten-Flut die Feder Funcken sprühet
So sag ich daß mein Wunsch den Zweck erreichet hat.
Verwundre nicht den Schluß holdseeligste
Daß der ich Marmel war ein siedend Ethna bin.
Was uns der Himmel schafft durch nnerfvrschte Fälle
Demselben gebe sich der Mensch nur willig hin.
Diß ist der erste Brand der wein Gemüth entzündet
Es hat die Liebe mir die Sinnen nie bestreifft
Die Kette so mein Hertz itzt an dein Hertze bindet
Ist hart wie Diamant mit Ertz und Stahl geschweift.
Was mich zuvor vergnügt sind Bücher nur gewefen
Minerven hab ich früh ein kräfftig Opffer bracht
Mein Zeit-Vertreib bestund im schreiben und im lesen
Und was sonst einen Geist in etwas schätzbar macht.
Der kensche Lorber-Wald ergötzte meine Sinnen
Wenn Venus Rosen-Krantz auff jungen Häuptern stund.
Ich ließ die Castalis durch Marck und Adern rinnen
Wenn deß Lyäus Safft bethörte manchen Mund.
Zu dem das schlimme Glück verkürtzte mir die Zügel
Und hielt des Pindus Weg mit Dornen gantz umschränckt:
Zeit und Gelegenheit verschnitten mir die Flügel
Ein Kummer der gewiß den Kern der Seele kränckt.
Jedennoch hab ich diß großmüthig überwunden
Und wie ein
Nach Blitz und Donner-Knall erfolgten helle Stunden
Apollo nahm mich an und hat für mich gekriegt
Ich sah ein weites Feld der edlen Wissenschafften
Was Grichenland geehrt was Rom unsterblich schätzt
Wie in der Zeiten Buch noch Lehr und Reden hafften
Die ein geschickter Geist der Nachwelt aufgesetzt.
Mir brandte mein Gemüth die Künste zu begreiffen
Wodurch ein sterblich Mensch den Sternen sich vermischt
Sophia ließ mich auch bey ihren Lorbern reiffen
Die Hippocrene hat den dürren Mund erfrischt.
Nach diesem waren mir die heiligen Gesetze
Zum End-Zweck fürgestellt; Ich rieff die Themis an
Sie wolte mildreich seyn und ihre hohe Schätze
Eröffnen weil ich nun ihr erblich unterthan.
Es hat ihr rother Sammt die Schultern auch gedrücket
Jhr grosses Buch war mir ein weites Königreich
Die Milch von ihrer Brust so meinen Mund erquicket
Schien Himmel-Brodt zu seyn und Götter Speisen gleich.
Bey solchem Musen-Volck hat nur mein Hertz gelodert
Dem hab ich viel Altär und Tempel auffgebaut.
Ich wuste daß ihr Ruhm und Lob-Spruch nicht vermodert
Wenn man gleich Stadt und Land in Staub und Asche schaut.
In dieser stoltzen Ruh hab ich bißher gelebet
Cythercus Fackel war ein Jrrlicht voller Brunst.
Euch Musen ruff ich an daß ich niemals gestrebet
Noch irgend mich bemüht umb schöner Jungfern Gunst.
Was schliest der Himmel nicht wenn Menschen wollen säumen?
Wenn das Verhängnüß klopfft so mache man nur auf.
Rubelle kommt mir vor in unverhofften Träumen
Ein unbekandte Krafft macht meiner Liebe Kauff.
Ich wil des Morgens früh mich in den Büchern laben
Ich suche fleissig nach in Themis grossem Recht
Alsbald erschienen mir die nackten Flügel-Knaben
Und Venus gantzes Heer das Sinn und Geister schwächt.
Wie! rieff ich soll ich nun die stummen Lehrer lassen?
Ein Liebsgefangener der süssen Wollust seyn?
Soll mich ein ander Arm als Themis Hand umbfassen?
Nimmt denn die Strengigkeit der Recht’ auch Lieben ein?
Ach ja! so bald ich nur dein himmlisch Angesichte
Und den Rubinen Mund mein Engel angeblickt
So ward der Musen Lust und Eifer gantz zu nichte
Cupido hatte mich schon in sein Garn gerückt.
Der Rechte weites Buch schien schwartz für deinen Augen
Kein mächtiges Gesetz verglich sich deinem Kuß.
Dort kont ich leeren Trost hier süsse Kost aussaugen
Bey dir empfand ich Lust bey jenem nur Verdruß.
Ja was mich mehr bestürtzt: Ich der aus fremdem Sande
Von rauhem Schnee-Gebürg ein blosser Frembdling war
Erkühnte mich nicht so in diesem werthen Lande
Dem zarten Nymfen-Volck mich einst zu stellen dar
Das sonst die gantze Welt nennt höchster Schönheit Sonnen
Des Himmels Meister-Stück und aller Tugend Zier
Spring-Quellen bester Lust der Liebligkeiten Brunnen
Der Höffligkeiten Glantz der Freundligkeit Saffir.
Noch schlingst du mich
Dein unbefleckter Geist hat meine Seel umbzirckt.
Du die ich über Gold und theure Perlen setze
Hast was kein Mensch vermocht in meinem Hertz gewirckt.
Die Zucht und Frömmigkeit so deinen Wandel zieren
Das ehrliche Gemüth und was sonst Jungfern schmückt
Sind Weiser so mein Licht mich richtig zu dir führen
Dollmetscher derer Wort im Hertzen sich abdrückt.
Mein allerliebstes Kind das gleich gemeintes Sinnen
In unser Seel und Brust der Himmel hat gelegt
Daß unser Eyd und Schwur soll nimmermehr zerrinnen
Und die Beständigkeit in Marmel eingeprägt
Wird selbst des Priesters-Mund ein heilig Zeugnüß geben
Die Stund ist anberaumt so dich mir eigen gibt.
Es soll da eine Seel in zweyen Cörpern leben
Und gleicher Wett-Streit seyn wer vor dem andern liebt.
Rubelle meine Lust und meiner Augen Weide!
Nun fühl ich selber wie Verliebten ist zu muth:
Mich dünckt ich seh dich schon im saubern Hochzeit-Kleide
Wie Turtel-Tauben gleich dein Geist nach meinem thut.
Entfärbe dich auch nicht mich Frembden zu empfangen
Helm Wapen Schild und Spieß sind nicht für mein Ge-
Die Tugend ist mir stets zur Seiten nur gegangen
Asträa nennet mich den Priester in dem Recht.
Offt hat der Ahnen Sonn’ ein schändlich Sohn verdecket
Ich habe durch mich selbst ein Kleinod mir bereit
Es hat die Ehren-Fahn der Enckel offt beflecket
Ich nicht mein
Mein Schatz! Ich bin numehr leibeigen ja zu nennen
Das edle Pleis-Athen gönnt mir nun Feur und Heerd.
Ich wilfürs Vaterland das schöne Leipzig kennen
Das herrlich Lob verdient und vieler Kronen werth.
Rubell ich wil numehr die Last der Arbeit theilen
Der Themis ist der Tag und dir die Nacht geweyht.
Was mich bißher betrübt das solst du Aertztin heilen
Ich weiß daß es dein Mund mit Zucker überstreut.
Die Worte fehlen mir und die Gedancken irren
Denn wer verliebet ist ist selten gantz bey sich.
Die Augen liebstes Kind so meinen Geist verwirren
Sind Spiegel derer Blitz entwerffen dich und mich.
Ich muß die Ewigkeit des Namens daraus schliessen
Wenn GOttes Segen wird ins Mittel treten ein.
Genung. Nun Stund und Zeit mir unverhofft verfliessen
So ist der Seelen Wunsch mein Schatz bey dir zu seyn.