Auf Hn. D. von R. und J. B. E. B. Hoch- zeit. den 14. May. 1675.
Basille und zugleich der andern Nymfen-Schaar
Worunter sie gewiß der Schönheit Sonne war
Gieng umb die Liebligkeit des Wetters zu geniessen
Gleich als der Sonnen-Rad den Mittags-Punct erhöht
Auff ein begrüntes Feld wo Chloris Lust-Hauß steht
Da die Natur und Kunst viel Sieges-Bogen schliessen.
Sie sahen ingesamt des Frühlings Reichthum an
Mit was für Schmuck und Glantz die Blumen angethan
Wie hier die Tulipan mit Flammen sich gefärbet
Dort der Narcissen Kleid als weisser Atlas gließ
Unfern die Käiser-Kron in höchster Pracht sich wieß
Und ihrer Blätter Gold von Sternen hatt’ ererbet.
Mit so viel Lichtern ist der Himmel nicht gemahlt
Wenn seiner Fackeln Reyh die braune Nacht bestrahlt.
Es bließ der Westen-Wind auch gleichsam Biesem-Lüsste
Den schönen Gästen zu und spielt’ umb ihre Brust.
Das Geister-reiche Blut vermahnte sie zur Lust
Weil ja der holde May nichts als nur Freuden stiffte.
Sie schertzten hocherfreut der Gänge Labyrinth
Den sonst kein Dädalus kunst-artlicher erfindt
Lockt’ ferner ihren Fuß in eine grüne Höle
Die oben rund gewölbt fast wie ein Tempel schien:
Basille will zurück auß Furcht und Schrecken fliehn
Und sprach: Weicht Schwestern weicht es kostet eure Seele.
Denckt daß Proserpina vom Pluto ward geraubt
Als sie hatt’ allzuviel der Felder Lust geglaubt:
Nein sprach der Nymfen Volck wir müssen weiter schauen
Was vor Geheimnüß doch in dieser stillen Schoß
Der Klee-durchwürckte Platz der lebhafft grüne Mooß
Befehlen uns allhier ein Wohnhaus aufzubauen.
Sie treten kaum hinein als die gefrorne. Grufft
Die springende Fontain stöst in die freye Lufft
Und ein behäglich Bad zur ersten Ankunfft schencket.
Es nimmt Verwunderung die zarten Seelen ein
Wie Fluthen in Crystall und in dem Marmorstein
So ein verborgner Brunn doch müsse seyn gesencket.
Bald hat ein künstlich Felß ihr schönes Aug ergetzt
Wie umb denselben sich die Muscheln angesetzt
Bald wie ein gläsern Meer sich in den Spiegeln zeigte
Bald wie an einer Klipp hing ein Corallen-Ast
Bald wie in Ritze lag zersprengt der Alabast
Und sein gantz steinern Haupt biß in den Abgrund neigte.
Je mehr der Vorwitz sie hieß diesen Ort besehn
Ist durch Cupidens List was seltzames geschehn;
Es kommt der kleine Schalck anmuthig von Geberden
Holdselig von Gesicht geflügelt mit Geschoß
Gewafnet wie er pflegt im übrigen sonst bloß
Und rief: Läst Paphie mich so glückselig werden:
Daß ihr O Schönste noch mein kaltes Hauß besucht
Die ihr den Lieb-Reitz sonst wol tausendmal verflucht
Beschreitet mein Gezelt wie soll ich euch beehren?
Seht weil der Mutter Zorn hart über mich ergrimmt
So ist mir dieser Ort zum Aufenthalt bestimmt
Wo mich die Einsamkeit muß mein Verbrechen lehren.
Jedoch ich öffne hier noch meiner Schätze Schrein
Die dunckie Höle soll ein Paradies mir seyn
Weil enrer Augen-Blitz und Feuer sie macht lichte
Weil ihr mit Uberfluß der Anmuth außgeziehrt
Ja gar statt meiner jetzt der Welt-Regierung führt
Tragt Rosen in der Hand den Frühling im Gesichte.
Wie fromm ist Cypripor! der ersten an der Reyh
Legt er auß milder Gunst den theuren Demant bey
Mit dieser Uberschrifft:
Der andern schencket er den brennenden Rubin;
Bin ich von aussen Eiß ich werd im Hertzen glühn
Hat er zum Wahlspruch ihr als ein Geschenck’ erfunden.
Es hat der dritten Hand ein schön Smaragd erfreut
Mit Schrifft:
Die Vierdte wolte fast fürm bleichen Agtstein fliehen
Als der sonst nirgends findt bey edlen Steinen statt
Da doch die Deutung war:
Kan schon durch derer Trieb Gemüther zu sich ziehen.
Die fünffte hat die Perl’ als Kleinod ihr erkiest
So ohne Zusatz auch des Künstlers herrlich ist
Und zum Gedächtnüß trägt:
Der sechsten ward ertheilt der liebliche Saphier
Mit Inhalt:
Auf welche Seite mir deß Glückes Außschlag wincke.
Basillen wolte fast der Schimpff zu Hertzen gehn
Daß sie solt einsam da und unbegnadet stehn
Sie seufftzte: Ist es denn der leichten Götter Wille?
Als einen edlen Stein ihr Liebreitz zugebracht
In Scharlach eingehüllt und trefflich wol vermacht
Nimm sagt er dieses hin Beherrscherin
Laß andern Diamant und Perlen günstig seyn
Rubin und auch Saphier ist nichts für diesem Stein.
Spott Nymfen spottet nur das himmlische Geschencke
Der Außgang wird alsbald
Wie ihrer Schönheit Pracht des Liebens würdig sey
Daß sie als ein Magnet die Hertzen zu sich lencke.
Was sprach
Gleich wie die Morgenröth auf ihren Wangen glam
Es pflegt ja der Magnet nur Eisen sonst zu küssen
Sein heimlich starcker Zug umbarmt den harten Stahl
Sol der entseelte Stein bey mir den Liebes-Strahl
Entzünden daß ich muß wie weiches Wachs zerfliessen?
Es hatte kaum vollbracht diß Wort ihr Rosen-Mund
Als gegen sie
Und sah’ die Sternen an die mit beflammten Blitzen
Cupido angefüllt wie ihr Magnetisch Schein
Anmuthig spielende drang in sein Hertz hinein
Und dieses wieder ließ die lichten Funcken spritzen.
Triumph sprach Cypripor ich habe nun gesiegt
Und meiner Mutter Zorn und Rachgier eingewigt
Der Nymfen Stern und Kern die lieblichste
Der auch die Anmuth selbst die Sieges-Kronen reicht
Uud der an Stand und Witz und Schönheit keine gleicht
Empfängt anß meiner Höl noch ihres Glückes Fülle.
Verwandle Venus doch in Schauplatz ihrer Lust
Den angenehmen Ort daß wenn nun Brust an Brust
Und Mund auf Munde liegt magnetisch sie empfinden
Den Zucker den du flöst in süssen Röhren ein
Wie nichts durch dringliches auf dieser Welt kan seyn
Als wenn zwey Hertzen sich in gleicher Gunst verbinden.
Mich düuckt ich seh auch schon wie ihren Liebes-Schluß
Der Himmel unterschreibt und wie so manchen Kuß
Herr Reusch nunmehr gekost auß den Rubinen-Schalen;
Wie sich sein feurig Geist auf Rosen-Feldern speist
Ja wie
Und mit verschrencktem Hauch die Küsse wil bezahlen.
Wol mir ich wil hinfort den Himmel wieder sehn
Nun die Magnetische Vermählung ist geschehn
Jhr zarten Nymfen trotzt mit euren edlen Steinen
Basillen bleibt der Ruhm der Schönsten dieser Stadt
Die Tugend zum Magnet und Zucht zum Scharlach hat
Und mit
Drauf hub Cupido sich auß der Crystallnen Grufft
Gleich Helden so gesiegt durchs blaue Feld der Lufft.
Das andre Nymfen-Volck von Freuden gantz entzücket
Sah’ nur verwundernde
Und wie des Himmels-Gunst die Tugend krönen kan
Als die mit gleicher Eh’ ihr keusches Hertz erquicket.