Auf Hn. F. C. P. in K. u. J. A. E. K. Hochzeit den 9. Julii 1680.
Weg mit der Einsamkeit was soll der leere Stand?
Kein Mensch lebt auf der Welt der sich kan selber lieben.
Es ist das Weib erbaut aus einer Seiten-Rieben
Die Adam wie er nur erwachte fertig fand.
Diß war sein erster Schatz an dem er sich ergetzte
Die er ein Paradis im Paradise schätzte.
Er sah verwundernde der Augen Sternen an
Die Lichter konten ihn mehr als die Fackeln blenden
So uns bey stiller Nacht der Monden pflegt zu senden
Wenn er sein güldnes Heer führt auf die blaue Bahn.
Die Strahlen zogen ihn die Blicke wurden Blitze
Und er empfand bey sich ein’ ungemeine Hitze.
Ob schon die gantze Welt zu seinen Füssen lag
Und Flora unter ihm den schönsten Teppicht machte
Das Feld grün wie Smaragd der Wald von Anmuth lachte
Der Sonnen güldnes Rad verlängerte den Tag
Die Lufft wie Demant hell die Brunnen wie Crystallen
Mit welchem sich vermischt der Thon der Nachtigallen.
So rührt ihn doch nicht so das grosse Kunst-Gebäu
Als ihn die Lilien auf der Geliebten Wangen
So sind die Rosen nie im Frühling aufgegangen
Mit solchen Blumen prangt nicht der besternte May
Als seiner Eva Mund der wenn er sich nur regte
Den Zunder größrer Glut in feine Seele legte.
Er sah die Glieder an sein eigen Fleisch und Blut
Ein solches Helffenbein das Indien nicht schicket
Da mit Saphiren war der Aderu Grund durchstücket
Er siht den Schnee der Brust da wächset ihm der Muth.
Daß auf der weissen Höh Granaten-Knospen blühen
Und die Rubinen die Narcissen überziehen.
Die Woll’ ist nicht so zart die Seide nicht so weich
Als der formirte Leib auß schlechtem Thon und Erden.
Es muß ihm jedes Glied zu Lust-Magneten werden
Und sie ist Königin in seinem Königreich.
Er theilt mit ihr sein Hertz und gibt ihr zu verstehen
Daß diese Würckung komm auß den gestirnten Höhen.
Sie hatte kaum den Kuß den heissen Kuß geschmeckt
Dem sich kein Zimmet-Oel und Amber-Kuchen gleichet
Dem Ambrosiner-Marck und Safft des Nectars weichet
Als sie ihn gantz verliebt deß Hertzens Grund entdeckt
Sich flicht umb seinen Hals und in die Armen schrencket
Und wie ein Reben-Blat am grunen Stocke hencket.
Mein Adam sagte sie du An-Herrerster Welt
Ertz-Vater vom Geschlecht und Brunn-Quell aller Kinder
Mein Herrscher und mein Herr und der Natur Ergründer
Der ungewohnte Trieb der meine Brust befällt
Heist mich deß Höchsten Schluß gehorsam nur erkennen
Ich will in gleicher Glut biß auf die Asche brennen.
Sie schloß; und Augenblicks rieff Erde See und Lufft
Ein schönes Braut-Lied zu der Nach-Welt anzuzeigen
Daß gleiche Regung solt’ in ihre Seele steigen.
Wer glaubt mein
Und schlägt gleich einer Uhr von Flammen angeglühet
Wenn er das Ebenbild der ersten Mutter sihet?
Sie stellt ihm gleichfalls für ein schönes Paradis
Die keusche Scham und Zucht sind ihre Purpur-Decke
Die seltne Häußligkeit vergleicht sich einer Schnecke
Und ihre Tugend ist mehr als ein güldnes Fließ.
Ein wilder Jason mag nach Colchos immer reisen
Es wird ihm ihre Treu weit beßre Schätze weisen.
Diß was er vormals nur in stummen Büchern laß
Wie offt die Lesbia hat den Catull geküsset
Wie Cynthia die Nacht hat dem Propertz versüsset
Wie Naso höchst-vergnügt bey der Corinna saß
Wie Violanten hat der Statius beschrieben
Das ist ein Gauckel-Spiel für Eh-verknüpftem Lieben.
Zwar
In Heydnische Gedicht’ als ein Wegweiser führe
Wo bey der klugen Welt ich nicht das Lob verliere
So weiß ich daß mein Mund ihm diß gelesen vor
Und daß kein munter Pferd so kan zum Ziele rennen
Als wie sein feurig Geist in Künsten pflag zu brennen.
Wenn nicht verwandtes Blut mir schnöder Heucheley
Brennt’ einen Argwohn an so wolt’ ich Zeugnuß geben
Wie Rom und Griechen-Land in seinem Kopfe leben
Wie er ein Inbegrieff der Wissenschafften sey
Und was das Alterthum in seiner Schoß verborgen
Er ihm bekandt gemacht durch Lesen Wachen Sorgen.
Allein ich wende mich zu seiner schönen
So prangt die Nelcke nicht in ihrem Sommer-Kleide
Der Gärten höchste Zier deß Frauen-Zimmers Freude
Als er jetzt seine Blum’ im besten Wachsthum schaut;
So werden nimmermehr der Chloris Kinder strahlen
Als Tugend und Verstand die Eh-Geliebte mahlen.
Man liebet einen Baum von einer guten Art.
So können Adler nicht gemeine Tauben hecken.
Jm Crocodilen-Ey wird nicht ein Phönix stecken.
Man seh die Ceder an die sich mit Cedern paart:
So auch ein edler Sinn von guter Zucht entsprossen
Sucht wieder mit Bedacht dergleichen Ehgenossen
Es wird der Giertischen ihr Wolverhalten blühn
Und ihre Redligkeit noch im Gedächtnüß bleiben
Dieweil der Oder-Strom wird seine Wellen treiben
Und mit vermehrtem Fluß vor
Wenn Eltern eifrig nur der Tugend nachgestrebet
So sieht man wie ihr Licht auch in den Kindern lebet.
Er nehm’ als Priester an das Himmels-werthe Pfand
Sie selbst als Priesterin wird helffen eifrig beten
Und vor den höchsten
Zu segnen unsern Staat zu segnen Dorff und Land.
Diß Rauchwerck wird gewiß dem Schöpffer wolgefallen
Und dieses Jubel-Lied in seinem Ohr erschallen.
Mein
Jhm hat bißher gemacht. Er hülle sich in Rosen.
Und wie Adonis pflag der Venus liebzukosen
So geb’ er seiner
Zu wissen wie sie sey ein Paradis-Gerüchte
Das künfftig bringen wird die angenehmsten Früchte.