Auf Hn. F. C. P. in K. u. J. A. E. K. Hochzeit den 9. Julii 1680.

By Heinrich Mühlpfort

Weg mit der Einsamkeit was soll der leere Stand?

Kein Mensch lebt auf der Welt der sich kan selber lieben.

Es ist das Weib erbaut aus einer Seiten-Rieben

Die Adam wie er nur erwachte fertig fand.

Diß war sein erster Schatz an dem er sich ergetzte

Die er ein Paradis im Paradise schätzte.

Er sah verwundernde der Augen Sternen an

Die Lichter konten ihn mehr als die Fackeln blenden

So uns bey stiller Nacht der Monden pflegt zu senden

Wenn er sein güldnes Heer führt auf die blaue Bahn.

Die Strahlen zogen ihn die Blicke wurden Blitze

Und er empfand bey sich ein’ ungemeine Hitze.

Ob schon die gantze Welt zu seinen Füssen lag

Und Flora unter ihm den schönsten Teppicht machte

Das Feld grün wie Smaragd der Wald von Anmuth lachte

Der Sonnen güldnes Rad verlängerte den Tag

Die Lufft wie Demant hell die Brunnen wie Crystallen

Mit welchem sich vermischt der Thon der Nachtigallen.

So rührt ihn doch nicht so das grosse Kunst-Gebäu

Als ihn die Lilien auf der Geliebten Wangen

So sind die Rosen nie im Frühling aufgegangen

Mit solchen Blumen prangt nicht der besternte May

Als seiner Eva Mund der wenn er sich nur regte

Den Zunder größrer Glut in feine Seele legte.

Er sah die Glieder an sein eigen Fleisch und Blut

Ein solches Helffenbein das Indien nicht schicket

Da mit Saphiren war der Aderu Grund durchstücket

Er siht den Schnee der Brust da wächset ihm der Muth.

Daß auf der weissen Höh Granaten-Knospen blühen

Und die Rubinen die Narcissen überziehen.

Die Woll’ ist nicht so zart die Seide nicht so weich

Als der formirte Leib auß schlechtem Thon und Erden.

Es muß ihm jedes Glied zu Lust-Magneten werden

Und sie ist Königin in seinem Königreich.

Er theilt mit ihr sein Hertz und gibt ihr zu verstehen

Daß diese Würckung komm auß den gestirnten Höhen.

Sie hatte kaum den Kuß den heissen Kuß geschmeckt

Dem sich kein Zimmet-Oel und Amber-Kuchen gleichet

Dem Ambrosiner-Marck und Safft des Nectars weichet

Als sie ihn gantz verliebt deß Hertzens Grund entdeckt

Sich flicht umb seinen Hals und in die Armen schrencket

Und wie ein Reben-Blat am grunen Stocke hencket.

Mein Adam sagte sie du An-Herrerster Welt

Ertz-Vater vom Geschlecht und Brunn-Quell aller Kinder

Mein Herrscher und mein Herr und der Natur Ergründer

Der ungewohnte Trieb der meine Brust befällt

Heist mich deß Höchsten Schluß gehorsam nur erkennen

Ich will in gleicher Glut biß auf die Asche brennen.

Sie schloß; und Augenblicks rieff Erde See und Lufft

Ein schönes Braut-Lied zu der Nach-Welt anzuzeigen

Daß gleiche Regung solt’ in ihre Seele steigen.

Wer glaubt mein

Und schlägt gleich einer Uhr von Flammen angeglühet

Wenn er das Ebenbild der ersten Mutter sihet?

Sie stellt ihm gleichfalls für ein schönes Paradis

Die keusche Scham und Zucht sind ihre Purpur-Decke

Die seltne Häußligkeit vergleicht sich einer Schnecke

Und ihre Tugend ist mehr als ein güldnes Fließ.

Ein wilder Jason mag nach Colchos immer reisen

Es wird ihm ihre Treu weit beßre Schätze weisen.

Diß was er vormals nur in stummen Büchern laß

Wie offt die Lesbia hat den Catull geküsset

Wie Cynthia die Nacht hat dem Propertz versüsset

Wie Naso höchst-vergnügt bey der Corinna saß

Wie Violanten hat der Statius beschrieben

Das ist ein Gauckel-Spiel für Eh-verknüpftem Lieben.

Zwar

In Heydnische Gedicht’ als ein Wegweiser führe

Wo bey der klugen Welt ich nicht das Lob verliere

So weiß ich daß mein Mund ihm diß gelesen vor

Und daß kein munter Pferd so kan zum Ziele rennen

Als wie sein feurig Geist in Künsten pflag zu brennen.

Wenn nicht verwandtes Blut mir schnöder Heucheley

Brennt’ einen Argwohn an so wolt’ ich Zeugnuß geben

Wie Rom und Griechen-Land in seinem Kopfe leben

Wie er ein Inbegrieff der Wissenschafften sey

Und was das Alterthum in seiner Schoß verborgen

Er ihm bekandt gemacht durch Lesen Wachen Sorgen.

Allein ich wende mich zu seiner schönen

So prangt die Nelcke nicht in ihrem Sommer-Kleide

Der Gärten höchste Zier deß Frauen-Zimmers Freude

Als er jetzt seine Blum’ im besten Wachsthum schaut;

So werden nimmermehr der Chloris Kinder strahlen

Als Tugend und Verstand die Eh-Geliebte mahlen.

Man liebet einen Baum von einer guten Art.

So können Adler nicht gemeine Tauben hecken.

Jm Crocodilen-Ey wird nicht ein Phönix stecken.

Man seh die Ceder an die sich mit Cedern paart:

So auch ein edler Sinn von guter Zucht entsprossen

Sucht wieder mit Bedacht dergleichen Ehgenossen

Es wird der Giertischen ihr Wolverhalten blühn

Und ihre Redligkeit noch im Gedächtnüß bleiben

Dieweil der Oder-Strom wird seine Wellen treiben

Und mit vermehrtem Fluß vor

Wenn Eltern eifrig nur der Tugend nachgestrebet

So sieht man wie ihr Licht auch in den Kindern lebet.

Er nehm’ als Priester an das Himmels-werthe Pfand

Sie selbst als Priesterin wird helffen eifrig beten

Und vor den höchsten

Zu segnen unsern Staat zu segnen Dorff und Land.

Diß Rauchwerck wird gewiß dem Schöpffer wolgefallen

Und dieses Jubel-Lied in seinem Ohr erschallen.

Mein

Jhm hat bißher gemacht. Er hülle sich in Rosen.

Und wie Adonis pflag der Venus liebzukosen

So geb’ er seiner

Zu wissen wie sie sey ein Paradis-Gerüchte

Das künfftig bringen wird die angenehmsten Früchte.