Auf Hn. F. C. u. F. R. M. g. G. Hochzeit. den 12. Jan. 1677.
Herr Chremitz dieser Tag ist einer von den besten
So ihm des Himmels Gunst auff dieser Erden schenckt.
Er setz’ ietzt auff sein Haar die Kron aus Myrten-Aesten
Und was betrüben kan sey in die See gesenckt.
Auff heute muß sein Hertz in wahren Freuden glühen
Es ist die Einsamkeit von seiner Brust verbannt
Nun Liebe Lust und Schertz in allen Zimmern blühen
Und seine Seele fühlt den heissen Liebes-Brand.
Er hat zwar lange Zeit den Flammen widerstrebet
Jetzt spürt er daß der Zug von einer höhern Macht.
Er sieht daß er in nichts als Wüsteney gelebet
Nun ihn Cupido hat ins Garn der Lust gebracht.
Wer ruffet nicht Glück zu? nun auch
Und seines Namens Ruhm und Ewigkeit bedenckt
Nun er der keuschen Eh sich willig untergiebet
Und den sich lencken läst der Welt und Himmel lenckt.
Ich mag von Buhlerey und Küssen ihm nichts schreiben
Ich weiß sein reiner Geist verlacht die Leckerey.
Mein Glückwunsch soll allein bey diesem End-Zweck bleiben
Daß sein gefaster Schluß des Höchsten Satzung sey.
Denn wie er
Und mit Gedancken stets dem Himmel ist verwand.
So will auch Gottes Huld mit Segen ihn erfüllen
Und Glück und Wolfarth wird bekrönen seinen Stand.
Wie treu er Gott geliebt befördert was zur Ehre
Und seines Namens Preiß bey Kirchen dienen kan
Ist unnoth daß mein Reim bey diesem Fest es lehre
Der Nachruff hat es längst ruhmwürdig kund gethan.
Er führt die Gottesfurcht in keinem Heuchel-Hertzen
Und seine Redligkeit ist auf die Stirn geprägt
Läst andrer Wanckelmuth mit Eyd und Schwüren schertzen
Sein Anfrecht-deutscher Sinn wird nicht dadurch bewegt.
Ja ist der Christen Kirch’ ein Weinberg zu benennen
Wie embsig hat er nicht denselben angebaut
Man wird nach seinem Tod auch seine Wolthat kennen
So oft ein frembdes Aug
Es klingen ihm zum Ruhm des Vaterlandes Glocken
Die seine Mildigkeit zu Bautzen hat geweyht.
Und seiner Andacht Fest kan sichre Menschen locken
Daß sie den Fuß entziehn der schnöden Eitelkeit:
Was schenckt uns nicht sein Buch für schöne Todten-Lieder
Wann vor den Schauplatz er den Kirchhof ihm erkiest
Und merckt daß alle Pracht der vor Schnee-weissen Glieder
Nichts als ein dürr Gerüpp und Aschen-Hauffen ist.
Was meld ich wie er offt die Hungrigen gespeiset
Die Durstigen getränckt Entblöste hat bedeckt?
Wer in den Weinberg sich so thätig nun erweiset
Und seines Lebens Ziel nach
Der hat gewiß auch nichts von seiner Hand zu hoffen
Als überschwenglich Heil und Gnade früh und spat.
Wohl ihm
Und ihm das beste Theil zuvor erwehlet hat.
Gesetzt es rufft ihn Gott auch um die letzte Stunde
Die
Wer nur bey seinem Gott steht im Genaden-Bunde
Dem bringt das letzte Loß den besten Vortheil ein.
Sein Wahlspruch bleibet wahr. Es geht nach
Hier nntzet ihm der Mensch mit seinem rathen nicht
Kein grübeln der Vernunfft noch scharff-erdachte Grillen
Berhindern wenn der Mund des HErren etwas spricht.
Er schleust deß Himmels Rath in den gestienten Höhen
Eh man auf Erden noch die Ehen recht vollzeucht.
Und unser künfftiges Gelück und Wolergehen
Ist nur ein bloß Geschenck auß Gottes Hand gereicht.
Hier darff der erste sich nicht auf ein Vorrecht gründen
Der letzte nimmt so wol den Segens-Groschen hin.
Herr Chremitz der sich kan in Gottes Willen finden
Weiß daß die Frömmigkeit ein herrlicher Gewin.
Drum hat er mit Bedacht ihm eine Braut erwehlet
Die an Verstand und Witz und edler Tugend reich
Er lobts nicht wenn ein Kind dem andern sich vermählet
Und preist den alten Spruch:
So trägt der Palmen-Baum die Last mit gleichen Zweigen
So nimmt der Rebenstock den Ulmenbaum in Arm
Er wird Herr Bräutigam denn auß Erfahrung zeugen
Wie ein gedoppelt Bett auch ist gedoppelt warm.
Zu dem so ist die Eh dem Weinberg zuvergleichen
Den
Wie kan was man nicht baut verlangte Früchte reichen?
Und ein vergnügter Lohn folgt erst auf sauren Schweiß.
Ein Wintzer muß zuvor den Berg aufs beste düngen
Eh ihm der Trauben Blut der reiche Herbst gewehrt
Und den durch klugen Schnitt die Senck’ auf Knotten bringen
Damit den Weinstock nicht der Schossen Trieb verzehrt.
Denn muß er mit Bedacht biß zu den Wurtzeln räumen
Daß die Pfeil-Wurtzel sich noch desto tieffer streckt.
Drauf stäbelt er den Stock an zubereiten Bäumen
Und hefftet daß die Reb’ an ihren Pfählen steckt.
Noch ist diß nicht genug er mnß sehr embsig hacken
Zu letzt den Uberfluß des Laubes wol verhaun
Wil er densüssen Most in seine Schläuche sacken
Und den geklärten Tranck in reinem Golde schaun.
Sein Weinberg
Er muß in allem Thun und Trachten seyn bemüht
Daß zur Vermehrung er bequeme Senckerlege
Daß mit Verlauff der Zeit sein Weinstock frölich blüht.
Wiewol er läst auch hier deß
Und weiß wer langsam kommt der bringt offt gute Beuth.
Der wird auch über ihn und seinen Weinberg halten
Daß ihn kein Sommer brennt kein Winter nicht beschneyt.
Alsdenn so kan ihn nicht die späte Wahl betrüben
Wenn die Vergnügung sich in beyder Hertzen legt
Und unzertrennter Fried und ewig-treues lieben
Das Bild der Einigkeit in ihre Seelen prägt.
Glückselig ist der Mann der so
Daß er den
Der wie
Und Gottes Willen nur als seinen Führer kennt.