Auf Hn. F. C. u. F. R. M. g. G. Hochzeit. den 12. Jan. 1677.

By Heinrich Mühlpfort

Herr Chremitz dieser Tag ist einer von den besten

So ihm des Himmels Gunst auff dieser Erden schenckt.

Er setz’ ietzt auff sein Haar die Kron aus Myrten-Aesten

Und was betrüben kan sey in die See gesenckt.

Auff heute muß sein Hertz in wahren Freuden glühen

Es ist die Einsamkeit von seiner Brust verbannt

Nun Liebe Lust und Schertz in allen Zimmern blühen

Und seine Seele fühlt den heissen Liebes-Brand.

Er hat zwar lange Zeit den Flammen widerstrebet

Jetzt spürt er daß der Zug von einer höhern Macht.

Er sieht daß er in nichts als Wüsteney gelebet

Nun ihn Cupido hat ins Garn der Lust gebracht.

Wer ruffet nicht Glück zu? nun auch

Und seines Namens Ruhm und Ewigkeit bedenckt

Nun er der keuschen Eh sich willig untergiebet

Und den sich lencken läst der Welt und Himmel lenckt.

Ich mag von Buhlerey und Küssen ihm nichts schreiben

Ich weiß sein reiner Geist verlacht die Leckerey.

Mein Glückwunsch soll allein bey diesem End-Zweck bleiben

Daß sein gefaster Schluß des Höchsten Satzung sey.

Denn wie er

Und mit Gedancken stets dem Himmel ist verwand.

So will auch Gottes Huld mit Segen ihn erfüllen

Und Glück und Wolfarth wird bekrönen seinen Stand.

Wie treu er Gott geliebt befördert was zur Ehre

Und seines Namens Preiß bey Kirchen dienen kan

Ist unnoth daß mein Reim bey diesem Fest es lehre

Der Nachruff hat es längst ruhmwürdig kund gethan.

Er führt die Gottesfurcht in keinem Heuchel-Hertzen

Und seine Redligkeit ist auf die Stirn geprägt

Läst andrer Wanckelmuth mit Eyd und Schwüren schertzen

Sein Anfrecht-deutscher Sinn wird nicht dadurch bewegt.

Ja ist der Christen Kirch’ ein Weinberg zu benennen

Wie embsig hat er nicht denselben angebaut

Man wird nach seinem Tod auch seine Wolthat kennen

So oft ein frembdes Aug

Es klingen ihm zum Ruhm des Vaterlandes Glocken

Die seine Mildigkeit zu Bautzen hat geweyht.

Und seiner Andacht Fest kan sichre Menschen locken

Daß sie den Fuß entziehn der schnöden Eitelkeit:

Was schenckt uns nicht sein Buch für schöne Todten-Lieder

Wann vor den Schauplatz er den Kirchhof ihm erkiest

Und merckt daß alle Pracht der vor Schnee-weissen Glieder

Nichts als ein dürr Gerüpp und Aschen-Hauffen ist.

Was meld ich wie er offt die Hungrigen gespeiset

Die Durstigen getränckt Entblöste hat bedeckt?

Wer in den Weinberg sich so thätig nun erweiset

Und seines Lebens Ziel nach

Der hat gewiß auch nichts von seiner Hand zu hoffen

Als überschwenglich Heil und Gnade früh und spat.

Wohl ihm

Und ihm das beste Theil zuvor erwehlet hat.

Gesetzt es rufft ihn Gott auch um die letzte Stunde

Die

Wer nur bey seinem Gott steht im Genaden-Bunde

Dem bringt das letzte Loß den besten Vortheil ein.

Sein Wahlspruch bleibet wahr. Es geht nach

Hier nntzet ihm der Mensch mit seinem rathen nicht

Kein grübeln der Vernunfft noch scharff-erdachte Grillen

Berhindern wenn der Mund des HErren etwas spricht.

Er schleust deß Himmels Rath in den gestienten Höhen

Eh man auf Erden noch die Ehen recht vollzeucht.

Und unser künfftiges Gelück und Wolergehen

Ist nur ein bloß Geschenck auß Gottes Hand gereicht.

Hier darff der erste sich nicht auf ein Vorrecht gründen

Der letzte nimmt so wol den Segens-Groschen hin.

Herr Chremitz der sich kan in Gottes Willen finden

Weiß daß die Frömmigkeit ein herrlicher Gewin.

Drum hat er mit Bedacht ihm eine Braut erwehlet

Die an Verstand und Witz und edler Tugend reich

Er lobts nicht wenn ein Kind dem andern sich vermählet

Und preist den alten Spruch:

So trägt der Palmen-Baum die Last mit gleichen Zweigen

So nimmt der Rebenstock den Ulmenbaum in Arm

Er wird Herr Bräutigam denn auß Erfahrung zeugen

Wie ein gedoppelt Bett auch ist gedoppelt warm.

Zu dem so ist die Eh dem Weinberg zuvergleichen

Den

Wie kan was man nicht baut verlangte Früchte reichen?

Und ein vergnügter Lohn folgt erst auf sauren Schweiß.

Ein Wintzer muß zuvor den Berg aufs beste düngen

Eh ihm der Trauben Blut der reiche Herbst gewehrt

Und den durch klugen Schnitt die Senck’ auf Knotten bringen

Damit den Weinstock nicht der Schossen Trieb verzehrt.

Denn muß er mit Bedacht biß zu den Wurtzeln räumen

Daß die Pfeil-Wurtzel sich noch desto tieffer streckt.

Drauf stäbelt er den Stock an zubereiten Bäumen

Und hefftet daß die Reb’ an ihren Pfählen steckt.

Noch ist diß nicht genug er mnß sehr embsig hacken

Zu letzt den Uberfluß des Laubes wol verhaun

Wil er densüssen Most in seine Schläuche sacken

Und den geklärten Tranck in reinem Golde schaun.

Sein Weinberg

Er muß in allem Thun und Trachten seyn bemüht

Daß zur Vermehrung er bequeme Senckerlege

Daß mit Verlauff der Zeit sein Weinstock frölich blüht.

Wiewol er läst auch hier deß

Und weiß wer langsam kommt der bringt offt gute Beuth.

Der wird auch über ihn und seinen Weinberg halten

Daß ihn kein Sommer brennt kein Winter nicht beschneyt.

Alsdenn so kan ihn nicht die späte Wahl betrüben

Wenn die Vergnügung sich in beyder Hertzen legt

Und unzertrennter Fried und ewig-treues lieben

Das Bild der Einigkeit in ihre Seelen prägt.

Glückselig ist der Mann der so

Daß er den

Der wie

Und Gottes Willen nur als seinen Führer kennt.