Auf Hn. G. E. v. S. u. J. M. C. v. B. Hoch- Adel. Hochzeit-Fest. 22. Oct. 1680.
Adonis sah' das Jahr mit Frucht barkeit erfüllt.
Wie da ein reicher Herbst mit Purpur-Trauben prangte
Pomona Schüsseln dort voll schöner Aepffel langte
Und wie die Quitten sich in Woll’ und Gold gehüllt.
Der Mispeln dicke Reyh stund zeitig nur zum brechen
Die Früchte wolten fast der Zweige Demuth schwächen.
Er rief auß frohem Muth: O mehr als güldne Zeit!
Schenckt uns der Garten-Mann Priapus volle Schalen?
Und reicht der Bachus uns den Nectar-Safft zu mahlen?
Krönt Wachsthum so das Jahr ist Vieh und Mensch erfreut?
Hat so manch hohes Wild Diana schon gefället
Und zu der Tafeln Zier den Vögeln nachgestellet?
Gewehrt die Nais uns darzu ihr Schuppen-Heer
Und machen Götter uns so angenehme Stunden
So hat gewiß bey mir sich eine Regung funden
Die ich nicht nennen kan; mein Hertz wallt als ein Meer
Es kocht das heisse Blut der Adern Quellen sieden
Und Marck und Beine glühn wie Eisen in den Schmiden.
Wer hilfft mir? Venus nahm Adonis in die Schoß.
Leander der entschlief in seiner Hero Armen.
Den Paris hat erfreut der Helenen Erbarmen.
Man weiß was Hercules bey Omphalen genoß.
Soll ich Adonis seyn so wünsch’ ich gleiches Glücke
Daß eine Venus mich in meiner Noth erquicke.
Wo aber such ich sie in einem Myrten Wald?
Nein hat ein wildes Schwein nicht den Adon zerrissen.
Wie oder find ich sie bey Crystallinen Flüssen?
Hier schreckt uns Proteus offt in heßlicher Gestalt.
Soll ich auf hohen Berg und Felsen mich umbschauen
Da find ich nichts als Stein als bange Furcht und Grauen.
Erwehl’ ich denn das Feld? die Gegend lacht mich an
Vulcanus aber hat der alles nur verzehret
Zweymal die Schäferey in Asch nnd
Ich zweiffle daß ich da die Nymfe finden kan
So mich vergnügen wird doch ich will mich bemühen
Pflegt doch der Rosen Zier auf Heck und Dorn zu blühen.
Er sucht weil Echo nach den holen Seufftzer spricht.
Er eilt begierig fort biß daß er im Gefilde
Die Nymfe hat erblickt so einem Götter-Bilde
Vollkommen ähnlich war der Augen Sonnenlicht
Warff tausend Strahlen auß als wie wenn Feuer-Ballen
Bey schwartz gewölckter Nacht in güldne Funcken fallen.
Jhr Angesichte schien’ ein Blumenreicher May.
Narciß und Lilien beküsten Stirn und Glieder.
Corall und Scharlach fand hier seine Farbe wieder
Das Mahlwerck keuscher Zucht der Liebe Lieberey.
Aurora meinte gar hier wüchsen ihre Roseu.
Der Hals war Helffenbein die Adern von Türckosen.
In diesem schönen Leib hat noch ein schöner Geist
Sein Wohnhaus ihm erwehlt der Adel vom
Die Klugheit im Gehirn die Tugend im Gemüthe
Veredelten sie mehr es schien’ in sie gereist
Der Venus Freundligkeit der Pallas Weisheit-Gaben
Daß sie den Vorzug kan vor andern Nymfen haben.
Sie baute dazumal gleich ihren Garten an
So daß wir sie mit recht die Chloris können nennen.
Adonis dem sein Hertz zu Asche wolte brennen
Rief überlaut: Das ist mein Artzt der helffen kan
Das Pflaster für den Schmertz der Balsam für die Wunden
Die meine Seele liebt hab’ ich nunmehr gefunden.
Er schloß sie drauf in Arm und gab ihr einen Kuß
Der nach dem Himmel-Brod’ der Götter Tafel schmeckte
Sie daß nicht ein Verdacht ihr Unschuld wo befleckte
Gab diß in Antwort hin: Ich will der Sterne Schluß
Und Wahl nicht widerstehn ich kenne deine Flammen.
Dein lieben ist getreu ich kan es nicht verdammen.
So weiß man das Geschlecht daß sich den Cedern gleich
Biß an die Sterne schwingt die Tapferkeit und Sitten
Die haben mir mein Hertz ich sag’ es frey bestritten
Adonis ist mein Schatz mein irrdisch Himmel-Reich.
Allein Gehorsam will mein Ja-Wort mir verrigeln
Es muß der Mutter Schluß vor unsern Bund besiegeln.
Wol sprach Adonis wol es ist der Mutter Ruhm
Witz Klugheit und Verstand längst Büchern eingeschrieben,
Sie wird nicht Feinden sein mißgönnen unsrem lieben
Als die vor alles schätzt des Adels Sonnen-Blum.
Sie hat es auch verdient durch ihre Sorg’ und Treue
Daß mit Gehorsam sie der Kinder Pflicht erfreue.
Nur schönste Gärtnerin schau was der Himmel schafft.
Wie herrlich ist nicht sonst bey aller Welt gepriesen
Der Sitz der Lustbarkeit die Felder in Elysen
Wo aus den Felsen schwitzt ein ewig Nectar-Safft.
Wo stets der West-Wind spilt wo nie die Blumen sterben
Wo ieder Baum ist
Die sag ich sind berühmt durch der Poeten Mund.
Noch dennoch gleichen sie nicht unsern
Die Venus schämt sich selbst mit ihren Myrthen-Wäldern.
Und ob Alcinoens sein Garten prächtig stund
Zum Wunderwerck der Zeit und ob gleich Pomerantzen
Selbst die Hesperides von klarem Golde pflantzen.
So sind sie Schatten-Werck für unserm Paradiß
Das Chloris du mir baust die allerreinsten Lilgen
Stehn Schatz auff deiner Brust die nicht der Wind vertilgen
Der Winter tödten kan und das ist wol gewiß
Daß dein Mund lieblicher denn Amber und Violen
Die Nelcken wollen hier Schmuck Farb und Anmuth holen.
Es wurtzelt reine Treu in deiner keuschen Seel’
Es käumet Freundligkeit aus Reden und Geberden.
Ach solt ich nicht wie Wachs und Oele fliessend werden!
Eh muß bedecken mich des düstern Grabes-Höl
Als daß ich deine Gunst nicht für mein Kleinod schätze
Und dir das Hertze hier zum Unterpfand versetze.
Komm Blumen-Göttin komm komm Chloris dein-Adon
Eilt dich zu bitten aus so bald nur diß geschehen
Sol man drauff unser Hertz und Hand verknüpffet sehen.
Wie aber hören wir nicht einen Freuden-Thon
Der Wünsche? wollen uns nicht bald mit Rosenbetten
Das kleine Liebes-Volck die nackten Amouretten.