Auf Hn. H. G. Z. auf L. d. R. u. Jungf. S. M. H. Hochzeit den 27. Jan. 1671.

By Heinrich Mühlpfort

Die Hände zittern mir ich weiß nicht ob ich schreibe

Die Liebe mahnt mich an die Scham hält mich zurück

Bald fürcht ich daß der Neid sich an die Zeilen reibe

Bald stärcket mir den Muth das dlühende Gelück

Geliebster Hyaeinth und solt ich gleich verfehlen

So ist der Trieb zu groß der meine Feder regt

Ich muß dir meine Lieb auch in dem Brieff erzehlen

Und wie gleich einer Uhr mein Hertze nach dir schlägt.

Den Himmel ruff ich an als einen reinen Zeugen

Daß ich die Lebens-Zeit von keiner Brunst gewust

Daß nichts was liebreich ist mein Hertz mir können beugen

Und daß ich gantz entfernt von eitler Liebes-Lust.

Ich habe Venus-Thron mit Weyrauch nie verehret

Noch des Cupidens-Pfeil von einer Krafft geschätzt

Mein Ohr hat keinen Klang der üppig ist gehöret

Noch an der Buhlerey der Jugend sich ergetzt.

Verliebte waren mir in den Gedancken Thoren

Ich lachte wenn ich sah ein bleiches Angesicht:

Jetzt hat Jdalia auf Rache sich verschworen

Und Amors güldner Pfeil ist scharff auf mich gericht.

Begierde Furcht und Scham bestürmen meine Sinnen

Ich fühle was mich reitzt und weiß nicht was es sey

Nun werd ich allererst der Seelen-Regung innen

Nun merck ich daß ich nicht von Liebes-Flammen frey.

Dein Anblick Hyacinth nahm mich alsbald gefangen

Und die ich Männern feind war dir zum ersten hold

Die angezündte Glut vermehrt nun das Verlangen

Daß ich dich lieben muß ist meine gröste Schuld.

Zwar solte gleich die Welt auch hier ihr Urtheil sprechen

So weiß ich daß sie mich nicht gar verdammen kan

Und meinen Liebes-Bau wird leicht der Neid nicht schwächen

Weil sich die Tugend hier zum Grund-Stein leget an.

Die Edler Hyacinth hat dich mir vorgemahlet

Und deine Treffligkeit in Spiegeln mir gezeigt

Wie dein geübter Sinn vom Glantz der Weißheit stralet

Und dir die Gratien so trefflich wol geneigt.

Mich hat nicht nur die Lust der frischen Jahr entzücket

Die nur vergänglich ist und schwindet mit der Zeit

Als ich den Ehren-Stand den du bedienst erblicket

Ward Zunder grösser Lust ins Hertze mir gestreut.

Zu dem so wust ich auch daß du getreu im Lieben

Daß du Beständigkeit zum Zwecke dir erziehlt

Nicht wie

Sich stellt verliebt zu seyn und nur mit Eyden spilt.

Es hat mich auch dabey noch die Natur gelehret

Daß Lieben in das Blut und nicht in Staal gepregt

Wer nun diß grosse Recht und meinen Haupt-Schluß höret

Wird zu geneigtem Spruch und Beyfall leicht bewegt.

Verzeihe Hyacinth daß ich mich so vergehe

Du weist daß Lieben den die Sinnen sind verwirrt

Und ob mir wol bekand was Jungfern wol anstehe

So biß mir doch versöhnt wo hier die Feder irrt

Die Morgenröthe scheint mir nicht genug zu eilen

Jedwede Stunde die verkehrt sich in ein Jahr

Und solte Perlemuth sich länger denn verweilen

Daß sie ihr treues Hertz dir Schatz nicht reichte dar.

Mein Geist der wohnt bey dir du bist mein ander Leben

Und ohne dich zu seyn ist ärger als der Tod

Die Blumen meiner Jahr wil ich dir übergeben

Dir zur Ergetzligkeit blühn meine Lippen roth

Wormit mich die Natur gewogen außgezieret

Diß alles bring ich dir zum Opfer und Genüß

Es hat kein sterblich Arm die Brüste mir berühret

Die Aepfel sind vor dich in diesem Paradieß.

Vergieb mir Hyacinth daß mir die Wort’ entgleiten

Der kleine Liebes-Schalck flöst sie der Feder ein

Die Mutter süsser Brunst die Venus lacht von weiten

Das Frauen Zimmer auch muß so verliebet seyn.

Doch wil ich diese Glut mit gleicher Treu bekrönen

Und aller Schätze Schatz du bist mein Hyacinth

Das Glücke wird sich ja zugleich mit uns versöhnen;

Daß man kein vester Band als dieses irgend find.

Genug. Ich muß den Brief als einen Boten schicken

Der mein Verlangen dir entdecket ohne Schein;

Wenn du mich aber wirst in deine Armen drücken

So werd ich mehr vergnügt als bey den Zeilen seyn.

Ach angenehmer Brief! Ach Pfand von treuem Hertzen!

Ein Kleinod das gewiß die Liebe schätzbar macht!

Es pranget nicht die Nacht mit so viel Sternen-Kertzen

Als viel der Freuden mir dein Blat hat zugebracht.

Ach solt ich Perlemuth nicht jede Zeile küssen

Da jedes Wort in mir hat das Geblüt erhitzt

Ja solte nicht wie Wachs mein treues Hertz zerfliessen

Nun deiner Schönheit Strahl auf mich so holdreich plitzt.

Mehr findest du an mir was würdig ist zu lieben?

So sag ich daß ich noch so hoch verbunden bin:

Der Himmel hat diß Werck kein Menschen-Rath getrieben

Ich aber gebe dir Beherrscherin mich hin.

Daß du die Sonne bist von Nymfen unsers Landes

Daß deine Anmuth sich der Morgen-Röthe gleicht

Und daß an Ruhm und Zier du Perle deines Standes

Dir selbst die Helena der Schönheit Göttin weicht

Ist zwar verwunderns werth; doch daß für andern allen

Dein Lilien reiner Geist sich hat an mir ergetzt:

Daß ich dir Perlemuth in einem Blick gefallen

Daß ich von deiner Gunst in wahre Ruh gesetzt

Hast du durch dich gewürckt nicht die gerühmten Gaben

Und was dir mehr von mir die Liebe bildet ein.

Was sonsten eintzel ist kanst du vollkommen haben

Und mit dem höchsten Recht ein irrdisch Wunder seyn.

Verzeyhe Perlemuth wo ich dich Göttin nenne

Und wo ein ewig Feur in meinem Hertzen brennt

Wo ich dich für den Zweck der höchsten Lust erkenne

Und schnellen Pfeilen gleich mein Hertze zu dir rennt.

Die Reden die Gestalt die Sitten die Geberden

Jedweder Tritt und Schritt bezwinget meine Seel

Ich möcht in diesem Brand fast gar zu Aschen werden

Mein Geist der wohnt nicht mehr in meines Cörpers Höhl

Du hast ihn Siegerin gelegt zu deinen Füssen:

Gebiete was du wilt er ist dein willig Knecht

Legst du ihm Fessel an er läst sich gerne schliessen

Dein blosses Wollen ist bey ihm ein heilig Recht.

Ich habe zwar gesehn die blauen Nereinen

Und was Venedig mehr vor schöne Wunder hat

Mir ist zwar auch Pariß mit seiner Pracht erschienen

Indessen inbegriff der Venus Hofe-Stadt

Doch ist kein solches Bild mir je vor Augen kommen

Das deiner Liebligkeit die Wage halten kan:

Ich bleib nur kaltes Eyß kein Feuer ist entglommen

Das sonst bey Reisenden sich leichtlich zündet an.

Ich muß dich Perlemuth die schönste Perle heissen.

Denck ich auff dein Geschlecht, man sah deß Vatern Witz

Sich umb der Fürsten Gunst aufs eifrigste befleissen

Und war er nicht mit recht deß Vaterlandes Stütz

Als er das Cantzler-Ambt nicht ohne Last getragen

Doch auch nicht ohne Ruhm biß an die letzte Pflicht?

Man mag das Fürstenthum zu einem Zeugen fragen

Es blüht in vieler Mund sein herrliches Gerücht.

Auß solcher Adlers-Art entsprossen gleiche Früchte

Ein Gärtner achtet sie zum öfftern auß dem Kern:

Nun aber kommt dar zu dein Englisches Gesichte

Und daß dich jederman nennt höchster Anmuth-Stern.

Trit Göttin in mein Haus mein Hertz ist auffgeschlossen

Was in mir lebt und schwebt soll dir zu diensten seyn.

Die Zeit so uns gehemmt ist allbereit verflossen

Uns ladet Schertz und Lust zu einem Nacht-Spiel ein.

Versichert ob sich gleich die Winters-Lüffte zeigen

Daß doch ein süsser West mich endlich zu dir weht

Wenn deine Augen sich wie Frühlings-Sterne neigen

Und thauen nichts als Lust auff unser Liebes-Beth.

Ein ewig Paradiß sind deine schöne Glieder

Du hast der Rosen Blut und der Jeßminen Schnee

Dein Antlitz bringet mir den süssen Lentzen wieder

Und deine Jugend ist anmuthig wie ein Reh.

Es sind nicht nur bemüht das Hochzeit-Fest zu ehren

So uns mit Muth und Blut verpflichtet beygethan;

Es läst auff meiner Loh der Pan sich schallbar hören

Und diese nimmt dich auch als ihre Herrschafft an.

Die Najaden bemühn sich Kräntze dir zu winden

Es bittet Flora dich die Wiesen zu beschaun.

So bald der Winter weg du solt Vergnügung finden

Und auf dem grünen Graß dir eine Ruhstädt baun.

Die Faunen graben ein den Wolcken-hohen Eichen:

Hier herrscht die Perlemuth mit ihrem werthen Schatz.

Es wil das Nymfen-Volck der Wälder auch nicht weichen

Und sagen: Dieses ist der neu Vermählten Platz.

Was aber Perlemuth will ich die Lust erzehlen

So künftig dir mein Gut und dessen Zuwachs gibt?

Dich kan ich nur allein für alles Gut erwehlen

Und daß auf dieser Welt mir nichts als du beliebst

Die Straalen deiner Gunst verblenden meine Gesichte

Es heist der Abend mich nicht mehr alleine seyn.

Verklär dich Perlemuth in deiner Augen Lichte

Ich weiß die Sterne selbst die gehen tunckel ein.

Zwar deiner Schönheit Glantz dringt mitten durch die Nächte

Dein süsser Purpur-Mund erquicket meinen Geist

Und wenn die gantze Welt mir ihr Vermögen brächte

So glaube daß für dir mein Hertz diß nichtig heist.

Ach werthe Perlemuth ich fall in deine Armen

Die Feder sincket schon mir ist kein Wort bewust

Ich will sonst nirgend nicht als nur bey dir erwarmen

Die beste Lägerstädt ist Schatz auf deiner Brust.