Auf Hn. J. E. H. u. R. G. Hochzeit den 21. Aug. 1674.
Von ungewohntem Zug und Regung angetrieben
Hieng Hylas der vorhin der Musen Wonne war
In tieffer Einsamkeit der klugen Bücher Schaar
Und der Gelehrten Mund wolt ihm nicht mehr belieben
Nur Eckel und Verdruß befchlossen seine Zeit
Und das Gemüthe lag selbst mit sich in dem Streit.
Er ließ Hof und Pallast und was sonst herrlich stehen
Und nahm ein ödes Feld zu der Gedancken Spiel
Je mehr er aber sich dem Trieb entreissen will
Je eifriger pflegt der die Geister anzugehen
Er fühlet eine Glutt so er nicht nennen kan
Ist frey und spühret doch man leg ihm Fessel an.
Kein Ethna kocht nicht so die Schwefel-lichten Flammen.
Die Seufftzer wehen auf die Funcken seiner Brust
Jhm ist zu diesem Feur der Zunder nicht bewust
Doch schlägt schon in dem Blut die helle Glut zusammen:
Er klagt mit holer Stimm den Felsen diese Pein
Und rufft die Wälder an sie sollen Zeugen seyn.
Als Majens witzig Sohn den wir Mercur sonst heissen
In Göttlicher Gestalt und Majestät erschien
Man sahe Blitzen gleich der Augen Fackeln glühn
Und seinen Purpnr-Rock als wie die Sterne gleissen:
Er schwung den Herolds-Stab und rühmte seine Macht
Die schon entgeisterte ins Leben wieder bracht.
Was sagt er so bestürtzt mein Hylas so verwirret?
Dem die Geheimnüsse der grossen Gotter kund
Der hat für dich auch Rath du solst den Tag gesund
Von deiner Kranckheit seyn: Mein Wort das nie geirret
Und nicht zu irren weiß verspricht dir eine Bach
Zur Artzney deiner Pein: Auf folge mir bald nach.
Der blasse Hylas fieng wie Aspen an zu zittern
Der gantze Leib erbebt die Glieder wurden Eiß
Die Lenden überfiel auß Furcht ein kalter Schweiß
So wancket nicht ein Rohr bey donnernden Gewittern.
Ach! rief er Flügel-Gott sey tausendmal gegrüst
Bist du mein Esculap der zu mir kommen ist.
Mit dir geh ich getrost biß zu den Nasamonen
Biß wo der Troglodyt in stetter Sonne schwitzt
Biß wo ein rauhes Volck auf Hämus Rücken sitzt
Ja gar nach Zembla hin wo keine Menschen wohnen.
Allein schafft Sterbenden ein blosser Bach nur Rath
So sag ich daß er Krafft von deiner Gottheit hat.
Mir ist nicht unbekand die Würckung vieler Brunnen
Wie Hypanis in Saltz die Süssigkeit verkehrt
Wie Ammon kalt und warm in einer Nacht gewehrt
Wie auß der Mohren Brunn die Schlaffsucht kömmt geronnen
Und wie der Ciconer ihr Wasser steinern macht
Der Athamantis Holtz hat zu dem Brand gebracht.
Doch diß sind der Natur Kunst-Spiel und Wunderwercke
Wodurch sie ihren Schatz und Reichthum zeigt der Welt.
Was meinen Geist bestrickt den Sinn gefangen hält
Das glaub ich zwingt noch hemmt der grösten Bäche Stärcke
Wiewol weil dir der Schluß der Himmlischen vertraut
So hat mein Hoffen nicht auff leerem Sand gebaut.
Nein gab Cyllenius in süsser Antwort wieder
Der ich die Geister selbst ruff’ aus der Todten Klufft
Der Götter Wort Befehl bring über See und Lufft
Es schlägt kein Jrrthum leicht dein sehnlich wünschen nieder
Eh sol mein Herolds-Amt von keinem Nachdruck seyn
Wo mit Vollbringen nicht trifft mein Versprechen ein.
Dort wo Budorgis-Stadt die Königin des Landes
Europens sein Smaragd und Schlesiens Saphier
Mit stoltzen Thürmen reicht biß an der Sterne Zier
Die Mauren aber wäscht des sanssten Oderstrandes
Gelinde Wellen-Fluth da wird ein Quell entstehn
Der mit der Götter-Tranck dir kan entgegen gehn.
Sie eilten Liebe heists zu der beraumten Stelle
Als gleich der Sonnen Rad im höchsten Mittag stand
Und Wälder Thal und Feld vor Hitze schier verbrand.
Der matte Hylas rieff: Wo? ach wo ist die Quelle?
So mein verschmachtes Hertz mit ihrem Thau erquickt
Und mir Eutkräffteten den edlen Nectar schickt.
Unfern ereigte sich ein angenehme Höle
Umb die der Bäume Nacht wie einen Bogen schloß
Ein rieselnder Crystall sprang aus der grünen Schoß?
Die Anmuth dieses Orts gab Steinen Geist und Seele
Daß
Und fragten wer diß Paar hett’ auff den Platz gebracht?
Es wandte vor Mercur der Götter Schluß und Willen
Und Hylas gantz entzückt blieb unbeweget stehn
Er ließ die Augen nie von diesem Brunnen gehn
Und sah den Silber-Thau sich in die Blumen hüllen
Indem er bald durch Ros’ und bald durch Lilgen rann
Bald Hyacinthen vor Jeßminen lieb gewann.
Der Hylas mühte sich das schöne Bild zu küssen
So durch die Spiegel-Fluth zu küssen willig schien;
Wolt’ er den Marmel-Leib was näher zu sich ziehn
So sah’ man seinen Wunsch im Augenblick zerfliessen.
Wie rieff er strafft mich nun der Echo strenge Rach’
Und wird zur Marter mir der angenehme Bach!
Mercur ließ unterdeß den heilgen Gürtel fliegen
Und rührte mit dem Stab dreymal der Erden Brust.
Als sich ein Jungfern-Bild voll Schönheit Schertz und Lust
Jm klaren Brunnen wieß. Nun Hylas dein Vergnügen
Sprach der beredte Gott entdeckt die grüne Höl’
Das Labsal deiner Noht den Zucker deiner Seel’.
Die Najas so wir jetzt Rosette wollen nennen
Ist würdig daß auch du zerschmiltzst in gleicher Flut.
Schau an der Augen-Pracht der Wangen Milch und Blut
Wo du kein Kieselstein du wirst empfindlich brennen.
Ich weiß daß sonst kein Thau den Liebes-Durst dir lescht
Und daß dich diese Bach mit Rosen-Oele wäscht.
Narcissens Schönheit starb in ihren eignen Flammen
Diß ist die Lebens-Bach der auch nicht Tagus gleicht
Noch Hermes der uns Gold in seinem Sande reicht
Fliest nun Verliebte fliest wie Salmacis zusammen
Als sie der Venus Sohn in ihren Arm umbfieng
Und wie ein Rebenblat an seinen Gliedern hieng.
Mercur fährt in die Lufft die lieblichste Rosette
Rufft: Hylas fleuch doch nicht hat Nymfen jene Zeit
Der Hylas in den Brunn verwandelt höchst erfreut
Ach so verschmähe nicht mein Blumen-reiches Bette
Du solst mein Hylas seyn ich deine Salmacis
Und unsre Liebe bleibt biß in den Tod gewiß.
Was schafft des Himmels Rath wenn treue Seelen lieben
Es rinnet beyder Geist in einen Nectar-Fluß
Der Lippen Rosen-Feld erquickt ein feuchter Kuß
Nichts kan die Reinligkeit der Liebes-Bach betrüben.
Biß daß die Wollust selbst ein Zeugnüß leget bey
Wie hier ein Paradieß der Treu-Verliebten sey.