Auf Hn. J. L. B. u. J. M. W. Hochzeit im Namen eines andern den 11. Apr. 1679.
Theures Blut der Edlen Schwaben
Die durch ihre Tapfferkeit
Tugend Weißheit Witz und Gaben
Löwen-Muth in Kampff und Streit
Sich vor andern hoch geschwungen
Daß biß an den Sternen-Kreiß
Jhres Namens Ruhm erklungen.
Und gegrünt ihr Ehren Preiß.
Die nicht Rom der Zwang der Erden
Und der Zaum der gantzen Welt
Jemals sehen dienstbahr werden
Die entgegen sich gestelt
Und biß an die Apenninen
Jhren Feind zurück gejagt
Daß wie trotzig er erschienen
Endlich worden doch verzagt.
Theures Blut der Edlen Schwaben
Die nicht nach der Mode-Welt
Jhre Tracht verändert haben
Und sich frembden gleich gestelt.
Die ihr deutsches Hertz und Sitten
Sambt der alten Redligkeit
Noch in iedem Tritt und Schritten
Weisen bey so langer Zeit.
Werther Landsmann biß erfreuet
Nun dir so das Glücke lacht
Nun der Himmel es verleihet
Daß dir von der Myrten Pracht
Venus eine Krone windet
Und mit einem solchen Bild
Voller Tugend dich verbindet
Daß dein wunschen ist erfüllt.
Frost und Winter ist vergangen?
Einen Blumen-reichen Mäy
Zeiget dir auff Mund und Wangen
Deiner Liebsten Conterfei.
Du darffst dich nicht nach Violen
Und den Hyacinth umbschaun
Weil denselben unverholen
Deiner Nympfe Augen Baun.
Sih’ wie alles im Gewässer
Sich von neuem wieder regt
Auch der Mensch macht es nicht besser
Dem das Blut in Adern schlägt.
Wie sich ietzt die Tauben paaren
Wie der Hahn betritt das Huhn
So mustu bey grünen Jahren
Gleich es Huhn und Tauben thun.
Wirstu aber auch wohl geben
Meinem Reim ein güttig Ohr?
Nein ich höre du wilst weben
Und hast andre Arbeit vor.
Ulm kan nicht so kleine spinnen
Dein geliebtes Vaterland
Als was du ietzt wirst beginnen
Und bald nehmen vor die Hand.
Indem ich wil weiter tichten
Tritt Cupido bey mir ein
Spricht; last doch dein Thun und richten
Jetzt gantz abgestellet seyn.
Dieser Bräutgam wird heut backen
Und weil ich ihm helffen muß
Sauber alles Mehl aussacken
So nützt nicht der Reime Schluß.
Er wird in den Ofen schieben
Manche Sorten mancher Art.
Leckerle die sehr belieben
Kuchen von sehr guter Schwart.
Kugel-Dorten Schlangen-Schwäntze
Lämmer Mäußle die gantz rauch
Eyer-Baben Butter-Kräntze
Und Spritz-Kuchen wie ein Schlauch.
Ich wil so den Ofen hitzen
Daß bey recht bestelter Gluth
Jhm der Teig nicht bleibe sitzen
Sondern sich wie Schwäm auffthut.
Daß sich Schlesier und Schwaben
Uber dem Gebäck erfreun;
Und daß sie dergleichen haben
Nie gesehn mit Wahrheit schreyn.
Was soll ich bey solchen Sachen
Werther Landsmann stimmen an
Wem die Götter Hochzeit machen
Umb den ist es wohl gethan.
Wem die Parcen seinen Faden
Weben nur von lauter Gold
Diesem kan kein Unglück schaden
Und der Himmel ist ihm hold.
Nun er backe nun er webe
Schwäbsche Kuchen Schlesisch Gut
Daß die Welt ihm Zeugnüß gebe
Wie der Schwaben Edles Blut
In Nachkommen wachs’ und blühe
Hurtig frisch und munter sey
Und der Ehstand nach sich ziehe
Nichts als einen Seegen-Mäy.