Auf Hn. J. Rädelten mit jungfer S. C. v. Sommerfeld hochzeit.
Der sommer reist nunmehr der blumen purpur ein
Die felder brüsten sich mit körner-vollen ähren
Und lehren: daß der mensch soll wie der acker seyn
Und nach der blumen-zeit auch rechte frucht gewähren.
Denn wie ein rosen-strauch den stoltzen carmasin
Auch mit den blättern läst in trüber lufft verschwinden:
So läst die jugend offt den lebens-glantz verblühn
Wo frucht und blüte sich nicht vor der zeit verbinden.
Sie hat hochwerthe braut in ihrer frühlings-zeit
Mehr blumen als der lentz narcissen auffgetragen:
Wie nun ein sommer-feld nach blumen früchte streut
So denckt auch ihre frucht im sommer auszuschlagen
Drum fängt sie mit bedacht ein ander leben an
Sucht glut und sonnenschein in ihres liebsten augen;
Und wie der morgen-thau die felder kühlen kan
So will sie wieder krafft aus seinen lippen saugen.
Und dieses nicht umsonst: denn wenn der himmel blitzt
Wenn donner wind und sturm auff alle felder schlagen;
So weiß sie daß ihr feld in stetem friede sitzt
Und sonder alle furcht kan seine früchte tragen.
Drum wünsch ich: lebet wohl und brauchet eurer zeit.
Der himmel lasse nichts als gold und perlen thauen
Biß daß eu’r sommerfeld gefüllte körner streut
Und ihr die fruchtbarkeit laßt in der wiege schauen.