Auf Hn. J. Rädelten mit jungfer S. C. v. Sommerfeld hochzeit.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Der sommer reist nunmehr der blumen purpur ein

Die felder brüsten sich mit körner-vollen ähren

Und lehren: daß der mensch soll wie der acker seyn

Und nach der blumen-zeit auch rechte frucht gewähren.

Denn wie ein rosen-strauch den stoltzen carmasin

Auch mit den blättern läst in trüber lufft verschwinden:

So läst die jugend offt den lebens-glantz verblühn

Wo frucht und blüte sich nicht vor der zeit verbinden.

Sie hat hochwerthe braut in ihrer frühlings-zeit

Mehr blumen als der lentz narcissen auffgetragen:

Wie nun ein sommer-feld nach blumen früchte streut

So denckt auch ihre frucht im sommer auszuschlagen

Drum fängt sie mit bedacht ein ander leben an

Sucht glut und sonnenschein in ihres liebsten augen;

Und wie der morgen-thau die felder kühlen kan

So will sie wieder krafft aus seinen lippen saugen.

Und dieses nicht umsonst: denn wenn der himmel blitzt

Wenn donner wind und sturm auff alle felder schlagen;

So weiß sie daß ihr feld in stetem friede sitzt

Und sonder alle furcht kan seine früchte tragen.

Drum wünsch ich: lebet wohl und brauchet eurer zeit.

Der himmel lasse nichts als gold und perlen thauen

Biß daß eu’r sommerfeld gefüllte körner streut

Und ihr die fruchtbarkeit laßt in der wiege schauen.