Auf Hn. M. S. J. C. und Jungf. E. C. F. Hochzeit den 1. Septembr. 1676.
Freund dem Minerva mich von Jugend auf verbunden
Es fodert meine Pflicht
Durch ein beliebt Gedicht
Zu ehren deinen Tag und süsse Hochzeit-Stunden;
Alleine Geist und Glut
Verlassen meinen Muth
Die alte Liebligkeit ist bey mir gantz verschwunden.
Denn wer von Liebe schreibt dem muß die Feder glühen
Der Kopf recht feurig seyn
Sol Leben Licht und Schein
Und aufgeweckter Schertz in seinen Reim einziehen:
Der Liebes Engel Chor
Schenckt selbst ein Zucker-Rohr
Dem
So wird der
Wenn er vom Küssen sagt
Und voller Eyfer klagt
Daß nicht die
Ja in nicht mindrer Brunst
Schreibt
Wie man recht lieben sol wenn ihn
Vergeß’ ich den
Der nach der Sterne Wahl
Inungezehlter Zahl
Deß Küssens süsses Werck bey Leßbien will üben.
Wo bleibt
Der allen Uberfluß
Von Lieb und Buhlerey auf jedem Blat getrieben.
Die Lehrer gelten nicht nun mit verliebten Blicken
Dir deine schöne Braut
Tief in das Hertze schaut
Uns deine
Der Fühling ihrer Zier
Stellt dir mehr Anmuth für
Als jener todte Schrifft ist mächtig zu erquicken.
Gleicht nicht der Augen Pracht zwey hellen Liebes-Sonnen
Jhr Blitz der flammt und spielt
Biß er dein Hertz erziehlt
Das von getrener Brunst als wie ein Wachs zerronnen.
In der Crystallnen Höhl’
Als Spiegel deiner Seel’
Hat Liebreitz anfangs bald sein Netz und Garn gesponnen.
Und siehstu wie ihr Mund in Schalen von Rubinen
Dir liefert ein Confect
Das nach dem Himmel schmeckt
Als wie der Götter Tranck und Kost von Ambrosinen.
Geneuß den Honig-Thau
Auf ihrer Lippen Bau
Und zeuch da auß und ein gleich den bemühten Bienen.
Es rühme sich der Herbst mit seinen Fruchtbarkeiten
Wenn
Und seine Trauben bringt
Pomona wil mit Obst die Schüsseln zu bereiten
Diana jagt und hetzt
Daß sie den Tisch vollsetzt
Und umb den Vorzug kan mit ihrem Wiltpret streiten.
So weidet sich dein Geist in andern Reben-Feldern
Die Aepfel auf der Brust
Gewehren dir mehr Lust
Als deß
So schmeckt dir auch zu Tisch
Kein ob zwar seltner Fisch
Als den die Liebste giebt auß ihren Liebes-Häldern.
Mein Freund es muß dein Hertz in lichten Flammen brennen
Wenn dieses Tugend-Bild
Der Zucht und Keuschheit Schild
Jhr redliches Gemüth dir giebet zu erkennen.
Der Demant ihrer Treu
Entdecket dir dabey
Wie weder Noth noch Todt sol eure Liebe trennen.
So theilen Venus jetzt und Themis ihre Schätze
Und wollen daß du bleibst
Und unablässig treibst
Das Lieben bey der Nacht im Tage die Gesetze.
Auf daß ja keine Frist
So dir gegeben ist
Verstreiche daß sie nicht auch deinen Schatz ergetze.
Wolan! laß heute nur den Lüsten freyen Zügel
Geneuß der Freud und Ruh’
Die Cancelley ist zu
Und vor der Richter-Stub ist auch ein grosser Riegel:
Die Venus sagt alleiu
Wie du solt fertig seyn
Zu öffnen als ein Mann der Jungferschafft ihr Siegel.
Cupido hat die Nacht holdselig anberäumet
Der Hertzog eurer Lust
Nun drücke Brust an Brust
Sieh’ wie die schöne Braut sich auch nicht länger säumet
Sie wünscht in deinem Arm
Von Lieb und Wollust warm
Zu schlaffen daß ihr drauf was angenehmes träumet.
Nun mische Kuß in Kuß wie die verliebte Tauben
Die Muscheln in der See
Die Schnecken in dem Klee
Und an dem Reben-Stock die schwesterlichen Trauben
Daß beyder Seelen sind
In gleicher Lust entzündt
Und Wechselweise Kuß auf Kuß einander rauben.
Aurora wird hernach mit ihrem Scharlach prangen
Wenn sie den Tag entdeckt
Sehn wo die Braut versteckt
Ob sie ihr Morgen-Roth gesetzt auf ihre Wangen
Weil sie auß Scham nicht will
Bekennen ob das Spiel
Bey jüngst verlauffner Nacht anmuthig abgegangen.