Auf Hn. P. K. JCti. u. J. A. B. v. E. Hoch- zeit den 23. Septemb. 1676.

By Heinrich Mühlpfort

Es wolt' AlBaniE der Nymfen Cron und Licht

Der Jugend Morgen-Röth’ und wunder-schöne Sonne

Die Perle keuscher Zucht der Eltern Trost und Wonne

Nachdem der Blumen-Schmuck nun meistens hingericht

Des Herbstes Fruchtbarkeit und seine reiche Früchte

In einer Garten-Lust noch nehmen zu Gesichte.

Sie gieng und zwar umbzirckt von Jungfern voller Pracht

Gleich wie Proserpina auff Aetnens bunte Wiesen

Es schien als ob der Tag vom Himmel selbst erkiesen

Zu ihrer Wollust wär’: Aurorens Fackel lacht

Von der gestirnten Höh’ und doppelt’ ihre

Der blauen Lüffte Feld mit reinem Gold zu mahlen.

Wohin ihr Auge sah’ erblickt sie nichts als Lust

Wenn hier ein reicher Baum der Aepffel Scharlach zeiget

Und dort das Pflaumen-blau die Aeste niederbeuget;

Wenn da der Bachus krönt mit Trauben seine Brust

Die an dem Reben-stock voll schwangrer Augen hängen

Und sich bald Purpur-roth bald weißlich-grün vermengen.

AlBaniEn erfreut der Gaben Uberfluß.

Als die Göttinnen selbst erschienen ihr zu dienen.

Der Blumen letzter Schmuck die riechenden Jeßminen

Bringt Flora zum Geschenck und der Pomonen Fuß

Eilt eine Schüssel voll vom besten Obst zu reichen

So wil auch Bromius mit seinem Safft nicht weichen.

Es lagert Schertz und Spiel sich umb der Nymfen Schaar

Sie leben höchst vergnügt bey auffgesetzten Trachten;

Beginnen durch ein Lied die Liebe zu verachten

Worinn

Und als sie sich gantz frey unüberwindlich schätzten

Ja rühmten wie sie sich den Flammen wiedersetzten.

So kommt der kleine Dieb den man der Benus Sohn

Und Bogen-Schützen nennt an diesen Ort geflogen

Hat ihm ein Frauen-Kleidarglistig angezogen

Tritt voller Zucht und Scham hin in der Jungfern Kron’

Spricht: Schwestern solten wir uns ferner nicht ergetzen?

Wir wollen unsern Fuß in jene Höle setzen.

So wird der Hüner Volck offt durch das Garn berückt

So gehen in den Schlag die Einfalts-volle Tauben.

Wie nun

(in Meinung daß der Ort nichts mehr als nur erquickt)

Und in die Höle tritt mit den geliebten Nymfen

Fängt an der kleine Schalck zu schertzen und zu schimpffen.

Sie sehn die Felsen an worauff viel edler Stein’

Als Sternen bey der Nacht aus jeden Ritzen leuchten;

Als sie von oben rab ein Regen wil befeuchten.

Wie nun das arme Volck noch wil umb Hülffe schreyn

Lacht Cypripor und spricht: Hier ist gar kein Erretter

Zieht alle Röhren loß und macht ein grosses Wetter.

Nicht einer ist bekant was diese Sünd-Fluth sey.

In einem Augenblick ist alles wieder stille

Sie sehen wie ein Glantz die Höle gantz erfülle.

Cupido fährt nur fort mit seiner Gauckeley

Versichert das diß Naß nicht ein’ger würde schaden

Es pflegte Venus selbst hierinnen offt zu baden.

Es heist der Vorwitz drauf sie in die Spiegel schaun

Bald fährt ein Wasser-Stral der Schönsten ins Gesichte

Indem die andre forscht woher der Quall sich richte

Fängt an von unten auff die Fluth sie zu bethaun

Und als die dritte wil auff eine Seite weichen

Kan ein noch stärcker Strom sie hinter-rücks bestreichen.

Hier klagen sie zu spät ihr albre Thorheit an;

Und daß Cupido noch die Jungfern mehr erschrecke

So wirfft er von sich weg die angenom̃ne Decke

Steht nackt als wie er ist lacht was er lachen kan

Zeigt Bogen Köcher Pfeil und sagt: Jhr seyd gefangen.

Denn ohne Fluth und Glut ist kein’ hinausgegangen.

Glaubts daß hier meine Ström ohn End entzündlich seyn

Und es entspringen nur aus meinen Quellen Flammen

Mein unvertrocknet Naß bringt alles Feur zusammen

Und meinen Röhren senck ich nichts als Bränder ein.

Mehr daß ihr meiner Red’ ein mercklich Wunder schauet

So seht

Das allerwerthste Kind voll Schrecken voll Gefahr

Ließ in die hole Lufft viel tausend Seuffzer steigen

Die Rosen wolten sich nicht auf den Wangen zeigen.

Man sah’ ihr Angesicht das gantz verändert war

Als dieses Wort erschallt. Ach! wer wil mich befreien?

Leib-eigen wil ich dem mein gantzes Hertz verleihen.

Herr Künemann der vor in Rechten obgesiegt

Gedacht auch hier davon den Sieges-Krantz zu tragen;

Fängt an mit künem Muth sich an den Ort zu wagen;

Und als er in die Schoß der Höle sich verfügt

Wil die

So siht man auff ihn zu viel tausend Funcken sprühen.

Wie wenn der Mulciber in einen grossen Kloß

Vielfält’ge Schwärmer mischt und läst sie alle fahren.

Das schien ein Wunder-Werck daß Tropffen Flammen waren

Und daß die Höle Feur aus Wasser-Röhren goß

Das sich

Siht dem Berg Aetna gleich von Gluth der Liebe rauchen.

Nein sprach Dionens Sohn man widerstrebe nicht

Der Himmel hat den Rath längst über euch beschlossen;

So viel als Tropffen itzt umb eure Brust geflossen

So viel Behägligkeit gewehrt diß edle Licht.

Auff daß ihr preißbar spürt wie ich alleine rette

So wandle ich die Höl’ itzt in ein Hochzeit-Bette.

Eh’ daß Vernunfft und Sinn es nur begreiffen mag

Verlohr der Marmel-Stein die Härtigkeit und Flecke

Von oben welbte sich der groben Steine Decke

In Jaspis und Rubin des Demants lichter Tag

Vertrat der Fenster Glaß statt der gefrornen Spitzen

Sah’ man von Helffen-Bein sich Seulen unterstützen.

Die Quellen gossen itzt Amonens Balsam aus

Und Pomerantzen-Oel und der Jesminen Seele;

Violen und Narciß beblümeten die Höle

Und die vor eine Grufft wurd’ itzt der Liebe Hauß

Und ewig Lust-Pallast und der Vergnügungs-Bette

Bot auch der alten Kunst und Schnitzwerck Kampff und Wette.

Vier Bilder derer Sinn verborgne Deutung gab

Bekleideten den Raum Apelles muste weichen

Noch Zeuxes noch Parrhas’ würd eintzig Lob erreichen.

Es sey daß Polyclet und Mentor künstlich grab’

In Marmol Gold und Ertz so müsten sie bekennen

Daß ihre Arbeit nur ein Schatten-Werck zu nennen.

Zu erst stand Juno da der Wolcken-Königin

Die schloß dem Hercules von wegen hoher Tugend

Die Hebe in die Hand das Bild haupt-schöner Jugend.

Denn hielt des Tituls Spruch und Kürtze dieses inn:

Zwey Gleiche sonder Gleich. Wer kan hier nicht verstehen

Daß dieses sol allein auff die

Die andre Seit’ entwarff den Orpheus mit der Laut’

Und wie er embsig ist Euridicen zu holen

Die schon dem Pluto war und seiner Nacht befohlen

Verliehrt dieselb’ indem als er zurücke schaut

Mit solcher Uberschrifft:

Sind in der Aschen auch der Todten nicht versuncken.

Zum dritten liebten da Eyß-Vögel in der See.

Das Meer stund ohne Sturm und ungeheure Wellen

Und seine Heiterkeit sah’ wie Crystallen-Quellen

Ceycis lebte da mit der Alcinoe

Daraus der Innhalt floß;

Jht solt in Ewigkeit in Fried und Segen lieben.

Die vierdte Seit erschien wie Perseus zuckt sein Schwerdt

Befreyt Andro meden vom Wall-Fisch und von Banden

Worbey der Innbegrieffrecht sinnreich war vorhanden:

Der eintzig und allein ist meiner Liebe werth.

Der hat mich auch verdient der sol mich auch besitzen

Mich kansein Helden-Muth für allem Unfall schützen.

Indeß die beyde nun das schöne Zimmer sehn

Und fühlen gleichen Trieb in gleich entbranten Flammen

Rufft Amor überlaut die Gratien zusammen

Und schreyt: Kommt Nymfen kommt bemercket was geschehn

Die schön

Und ist

Damit euch aber sey der edle Stamm bekant

Von dem die edle Nymfden Ursprung hat genommen

So wisst ihr Lebens-Licht ist von

Den als ein Wunder ehrt das gantze Vaterland

Und den der Erden-Gott der Käiser hat erhoben

Von wegen seiner Dienst und ungemeinen Proben

Was Rom und was Athen in ihren Circkeln führt

Was sonst die Wissenschafft in den geheimen Schätzen

Hat

Der Ruhm der einem Paul' und Ulpian gebührt

Wird mit nicht minderm Ruhm aus seiner Feder leuchten

Und mit der Weißheit-Thau das gantze Land befeuchten.

Nun dies’

Der Eltern vor sich selbst mit eigner Zier geschmücket

Es sind die Tugenden tieff in ihr Hertz gedrücket.

Der Frömmigkeit Safier der Keuschheit Lorber-Krantz

Der Freundligkeit Smaragd der Liebligkeit Rubinen

Und seltner Redligkeit stets grüne Roßmarinen.

Seht aber wie ihr Aug’ in süssen Blicken spielt

Wie ihre Rosen sich der Wangen wieder färben

Ob für dem Nelcken-Mund nicht die Corallen-Schärben

Und wie der Augen-Blitz nur nach dem

Ob nicht

Dem Venus und Asträ’ sich so geneigt erweisen.

Eh’ noch Cupido schleust kommt wie ein Bienen-schwarm

Ein ungezählte Zahl von allen Liebes-Engeln

Und ruffen:

Viel hundert Arten aus. Es weiche Neid und Harm

Sagt Eros göldner Mund und knüpfft die Friedens-schlingen

Es müss’ euch Glück und Heil bey Tisch und Bett umbringen!

Lucina sagte zu gewünschte Fruchtbarkeit

Es solt’ ein reicher Herbst sie offtermals erfreuen.

Und Flora ließ darauff so ein Gewitter schneyen

Das von der Blumen Geist und Anmuth war bereit.

Was sonst die Gratien holdseeliges nur hatten

Das kam dem Edlen Fest der

Nach dem schwung Cypripor die Flügel in die Lufft

Lebt Nymfen lebet wol und bleibet mir bewogen

Bis daß in meine Höl euch gleiche List gezogen

Und wie er dreymal diß’ mit lauter Stimm ausrufft

Sucht er der Mutter Schoß in welcher er erzehlte

Wie er den Sieg erlangt und seine Kunst nicht fehlte.