Auf Hn. S. C. v. W. und Jfr. A. M. L. Hochzeit. 1658.
Die angenehme Zeit der süssen Frülings-Lust
Bricht nun gewünscht hervor der Winter ist ver gangen
Und itzo kommt der May mit seinen Rosen-Wangen
Indem die Chloris schmückt die blumbesternte Brust.
Was diese gantze Welt in ihren Schrancken schleust
Erquickt der Wollust Thau der alles übergeust.
Der Sonnen güldnes Licht gläntz prächtiger herfür
Umbkrönt mit neuem Schein und ewig schönen Flammen
Es rufft die Cynthia der Sternen Heer zusammen
Und mahlt ihr Silber-Horn mit Perlen klarer Zier.
Deß Himmels Hyacinth ist heller als Crystall
Die lebhafft-kühle Lufft spielt mit gelindem Schall.
Der schöne Zwillings-Stern verwechselt Kuß umb Kuß
Und das verbuhlte Volck der freyerischen Westen
Mischt seinen Anmuhts-Hauch mit den begrünten Aesten
Daß Zweig bey Zweige steht und schöner blühen muß.
Die Bäume kleiden sich in weissen Atlaß an
Trotz Lilgen trotz Narciß’ und schönsten Tulipan.
Deß Himmels keusche Braut die Erd’ ist schwanger grün
Und hat sich zur Geburt nun allbereit geschicket
Es steht ihr Königreich viel herrlicher geschmücket
Als diese die nur Gold und lichte Stein umbziehn.
Was die Natur erbaut das pocht der Künstler Fleiß
Die reine Liebligkeit erwirbt den grösten Preiß.
Der Bäche Lißpelthon durch fleust den scharffen Sand
Das stamrende Geräusch der Sausel schlancken Wellen
Kan Seele Hertz und Sinn mit seiner Lust erhellen
Wenn uns ein süsser Schlaff streckt an den grünen Rand
Der Vogel Sängerey wiegt Ohr’ und Angen ein
Und fällt bald hoch bald tieff bald süß und wunder-rein.
Was lebt fühlt neue Lust in dieser Frühlings-Zeit
Diesüsse regungs-Glut bespringet alle Glieder
Der Zunder heisser Brunst erweiset hin und wieder
Daß sich die kleine Welt der kluge Mensch erfreut.
Sein Geister-volles-Blut wird hefftiger erhitzt
Und zeuget daß ein Feur in seiner Leber sitzt.
Ein unverweßlich Feur das ware Gunst ansteckt
Und das ein keuscher Brand mit reinen Flammen zieret
Das offt in höchster Angst den besten Trost gebühret
Und in der letzten Noht gewisse Hülff erweckt.
Die Funcken bläst kein Wind der frechen Geilheit auff
Sie steigen Himmel ab und nehmen ihren Lauff.
Es ist nicht nur genung ein freundliches Gesicht’
Aus welchem Venus lacht und der Cupido spielet
Wenn ein verliebter Blick das tolle reitzen fühlet
Und wenn der Liebes-Dorn das Lüsten-Hertz durchsticht.
Ob schon der Augenklar in tieffer Wollust schwimmt
Und das entdeckte Feur auff beyden Wangen glimmt.
Viel kräncken sich also und werden selbst gekränckt
Mit seufftzender Begier und hoffendem Verlangen
Eh sie den schnöden Lohn bethörter Brunst empfangen
Der doch mit lauter Weh und herber Angst verschränckt.
Die Schönheit zagt und schmacht biß daß der Glantz vergeht.
Und ein geschminckter Schein statt wahrer Farbe steht.
Den fleucht wer vorgeliebt und läst die Dornen seyn
Wenn schon die Rosen weg ja was er vor geehret
Wird nicht so hoch geschätzt daß er den Namen höret
Und die geliebte trifft die hochbetrübte Pein
Jtzt stirbet der vor sie itzt hat sie der geküst
Jtzt betet der sie an der morgen nur nicht grüst.
O unbesonner Wahn! der edlen Keuschheit Bluhm’
Erkennet keine Lust die Uppigkeit beflecket
Jhr Himmel-heller Glantz wird nicht durch Nacht bedecket
Es blüht den Cedern gleich ihr unverwelckter Ruhm.
Und kommt die Liebe schon zu ihrem Zimmer ein
So muß sie reiner noch als Schnee und Lilgen seyn.
Denn kan sie nicht vergehn ob schon die Erd erkracht
Und durch die schwartze Lufft entbrandte Strahlen dringen
Die treue Liebe kan kein Blitz noch Donner zwingen
Sie bricht durch Weh und Noth ja durch des Grabes Nacht.
Sie zwang des Orpheus-Geist durch Grufft und Hell zu gehn
Damit ihm sein Gemahl könnt’ an der Seiten stehn.
Die veste Liebe bleibt wenn schon die stoltze See
Den grunderboßten Schaum biß an die Sternen schmeisset
Und Segel Mast und Schiff ins Saltzes-Zäuff’ einreisset.
Sie dringt durch Sturm und Wind durch Abgrund und durch
Es muß Leanders Leib der Wellen Opffer seyn
(höh'
Und Hero macht den Tod mit ihrem Tod gemein.
Die Liebe die erhält was auff der Erden lebt
Was durch das blaue Feld der kühlen Lüffte streichet
Was in dem grünen Saltz der feuchten Thetis schleichet
Und was die Vesta mehr aus ihrem Schooß erhebt.
Daß Flora Blumen zeugt daß alles lieblich sicht
Diß macht die Lieb’ allein aus welcher alles blüht.
Die Liebe ziert den Geist und mustert den Verstand
Sie kan zu allem Thun uns viel geschickter machen
Die Liebe wenn sie wil verrichtet Wundersachen
Sie schärfft den blöden Sinn und stärckt die schwache Hand.
Sie giebt den Thoren Witz den Weisen Wissenschafft
Den hochbetrübten Trost den Krancken neue Krafft.
Gleich wie der Himmels-Thau bey Licht-bestirnter Nacht
Die matten Felder tränckt und seine Silberflüsse
Bald auf der Rosenkelch bald auf der Lilgen Füsse
In höchster Anmuth geust und ihrer Blätter Pracht
Mit frischem Naß beperlt so flöst uns auch den Wein
Der süssen Zuckerung die Liebe selbsten ein.
Das wundernd’ Aug’ erstarrt wenn so ein Jungfern Bild
Und liebliche Syren mit ihren Blitzen strahlet
Wann die entfärbte Scham der Wangen purpur mahlet
Und den geschickten Leib mit Liebligkeiten fullt.
Der Reder Gang und Thun zeugt mehr als gnugsam an
Daß niemand ohne Lust die Schönheit schauen kan.
(band
Er werther Bräutigam dem mich der Freundschafft-
Und das Geschlecht verknüpfft kan jetzo frölich schauen
Ein solches Tugend-Bild und seine Liebe bauen
Auf ein befestes Schloß das nicht wird umgewand.
Cupido kröhnt ihn schon mit grünem Myrthen-Haar
Und stellt die liebe Braut mit höchster Schönheit dar.
So kommt der Tugendlohn von Gott ihm reichlich ein
Und sein bemühter Fleiß verdienet solch Gelücke
Das sich zu seinem Nutz und Nahrung ewig schicke
Weil Phöbus Fackel leucht mit Göldgemengtem Schein.
Er lebe höchst vergnügt deß Himmels milde Gunst
Entzünd’ in beyder Hertz die Seelen keusche Brunst.
Doch seht die schwartze Nacht zünd ihre Lichter an
Und Hymes Lustgeschrey erklingt in allen Ohren
Die Venus hat der Braut was heimliches geschworen
Daß sie auß Ungedult nicht länger warten kan.
Geht hin Verliebte geht geniest der süssen Lust
Und drücket Mund an Mund und leget Brust an Brust.