Auf Hn. S. R. u. J. A. E. G. Hochzeit den 10. Febr. 1681.

By Heinrich Mühlpfort

Komm Krantz du Krohne meiner Jahr'

Und ziere noch einmahl das Haar’

Eh’ ich der Freyheit Urlaub gebe.

Bestreut ihr Blumen mich zuletzt

Eh ich den Fuß ins Garn gesetzt

Und in den süssen Fesseln lebe.

Jhr Myrten die ihr immer blüht

Die keine Zeit verwelcken siht

Bekräntzet mich mit euren Zweigen

Auch mitten unter Frost und Schnee

Wird Flora Lilien und Klee

Und einen Blumen Monat zeigen.

Was Schwestern schaut ihr mich so an

Daß ich den Vorsatz ändern kan

Und euren treuen Orden lassen?

Daß ich von euer schönen Reyh

Hinführo gantz entsondert sey

Und gebe mich dem Garn zu fassen?

Ich bin zu schwach der grossen Gluth

Die bey den Menschen Wunder thut

Durch Gegenwehr zu widerstreben

Ich kan auff Erden nicht allein

Gantz ohne Geist und Flamme seyn

Und als ein kalter Marmel leben.

Ich fühle wol was mich bestrickt

Mir ist zu tieff ins Hertz gedrückt

Ein Bildnüß das ich mir erlesen

Vor wust ich zwar von keiner Gunst

Nun aber fühl’ ich Lieb und Brunst

Durch die ich eintzig kan genesen.

Mein Bräutigam mein Artzt und Rath

Der sich mit mir verbunden hat

Erweckt in mir dergleichen Freuden

Daß ich von euch entweichen will

Weg von der Nymfen Schertz und Spiel

Hin in der Frauen Orden scheiden.

Mein Krantz der itzt so frisch und schön

Wird in viel größrem Zierath stehn

So bald ihn hat ein Netz umbfangen.

Der Faden der schon an mir klebt

Den hat Cupido selbst gewebt

Als er der Mutter nachgegangen.

Brich an brich an gewünschte Nacht

Da ich die Blumen meiner Pracht

Zu einem Erstlings-Opffer bringe

Die Flamme nimmt nur überhand

Vergebens dämpfft’ ich diesen Brand

Mit dem ich angefeuret ringe.

Ich weiß zwar nicht was Liebe sey

Doch fühl ich daß ich nicht mehr frey

Belagert von so viel Gedancken.

Mein Hertz ist eine Renne-Bahn

Da ich den Lauff nicht halten kan

Und muß mit Furcht und Hoffuung zancken.

Wiewol mein außerwehlter Freund

Der es von gantzem Hertzen meynt

Ermuntert die verwirrten Sinnen

Die Treu so mir sein Mund verspricht

Die werd ich sonsten nirgend nicht

So ungefärbet finden können.

Ade mein Krantz des Hauptes Kron’

Ich soll nunmehr für Venus Thron

In einem andern Kleinod prangen:

Das Netz ist auch für mich gestrickt

Das Mars und Venus hat berückt

Als sie der Liebe nachgehangen

Seht ihr ihr Nymfen mein Gelück?

Ein freyer Kuß ein freyer Blick

Mag itzt nach meinem Liebsten schiessen

Ich kan nun was ihr stets gedenckt

Worüber ihr euch heimlich kränckt

In unzerstörter Lust geniessen.

Er ist der Außzug meiner Seel’

Mein heilsam Trost- und Freuden-Oel

Ein rechter Balsam meinen Wunden

Seht Schwestern nicht mißgünstig an

Den Wechsel den ich itzt gethan

Den guten Kauff den ich gefunden.

Wenn ihr von der Begierden Streit

Als wie ein Laub erschrocken seyd

Und zittert wie die bleichen Aspen

So leb’ ich aller Sorgen loß

Sitz’t in des Liebsten Hertz und Schoß

Und bin vergnüget wohl mit

Weg Krantz der Jungfern Ehren-Schild

Weg Krantz der Keuschheit Ruhm und Bild

Ich tausche mit der Frauen Haube

Denn meine Blumen meine Pracht

Bekommet doch in einer Nacht

Herr Raspen zu dem Liebes-Raube.