Auf Hn. S. R. v. P. d. R. hertz-geliebten Sohnes W. C. v. P. Seel. Absterben den...
Den Himmel eurer Eh' hat Finsternüß bekleidet
Hochedle was euch jetzt befällt ist nichts als Nacht.
Nach dem der liebste Sohn so früh von hinnen scheidet
Der sich zum Ebenbild der Ahnen schon gemacht.
Wenn jetzt ein gantz Gestirn in Stralen-reichen Fackeln
Der Schatten schwartzen Flor mit göldnen Funcken stickt
Und nur ein eintzig Stern gemach fängt an zu wackeln
Biß den erkranckten Schein die Wolcke gantz erdrückt
So sehen wir betrübt daß so ein Liecht muß fallen
Das vor der Nächte Zier und helle Leuchte war.
Gar viel mehr klagen sie
Nun ihres Stammes Stern und Liecht liegt auf der Bahr.
Denn wie die Sterne sonst den blauen Himmel zieren
So ziehrt gemeines Heil gewiß der Adelstand.
Ja ein Hochedles Blut pflegt Flammen bald zu spüren
Die ihrem Ursprung nach dem Himmel sind verwand.
Drumb schien auch auß dem Sohn und seiner ersten Wiegen
Ein Sternen-heller Glantz der (wie der Ahnen Schild
Und Tapfferkeit gewohnt zu streiten und zu siegen )
Mit gleichem Helden-Muth der Eltern Wunsch erfüllt.
Ach aber allzu früh ist nur sein Schein vergangen
Das Hoffnungs-volle Feur wird in der Asche kalt:
Der ungestüme Tod bleicht seine Purpur-Wangen
Und zeigt sich wie er ist in heßlicher
Wer nimmt deß Traurens Nacht deß Kum̃ers schwartze Schatten
Hochadeliches Zwey von euren Hertzen weg?
Der muß eiu Felsen seyn der diß nicht will verstatten
Daß Söhne guter Art der Eltern Trost und Zweck.
Und zwar wo allbereit ein solcher Ruhm erworben
Der deß
Vorfahren sind alsdann in Kindern nicht gestorben
Wenn sie die Nachwelt auch von gleichem Wesen schätzt.
Wolff Christoph sahe schon die Bahn von grossen Thaten
Auff der die Vogtbarkeit der Jahre solte gehen:
Jhm kam im Spiegel für der Ahnen weises Rathen
Die Käyser Heinrich schon der Finckler wolt erhöh’n.
Solt’ ich die Peiner sonst in langer Rey erzehlen
So vor der Fürsten Heil mit höchstem Ruhm gewacht
Es würde mir an Zeit nicht an Verdiensten fehlen
Die sie bey aller Welt unsterblich längst gemacht.
Denn wieß der Mutter Blut ihm auch viel theure Helden
So selbst die Ewigkeit mit Lorber-Kronen ziehrt
Die Säulen Schlesiens wie die Geschichte melden
Daß sie für Kirch und Herd ihr Schwerd mit Ruhm geführt.
Es sind nun tausend Jahr und mehr noch weggeflossen
Daß unser Vaterland die
Und vor des Käysers Heyl ihr edles Blut vergossen
Denn auch im Friedenstand mit Rath und That genützt.
Ist nun der Lehr-Satz wahr? daß auß der Cedern Samen
Ein Wolcken-hoher Stamm nicht eine Weide steigt;
Ein Löw nur Löwen bringt dem Muth nach und dem Namen
Ein edler Adler nicht gemeine Tauben zeugt:
So stand
Daß er ein Löw an Muth und Adler würde seyn.
Es hat die zarte Brust schon solche Glut geheget
Die von sich blicken ließ der hohen Ehren Schein;
Zu dem ein edles Blut fühlt eh den Trieb der Tugend
Und seine Regungen gehn grossen Dingen nach.
Stieg nicht Themistocles im Lentzen seiner Jugend
Mit seinem Helden Muth biß an der Sternen Dach?
Und Hercules erknickt noch in der Wiege Schlangen
Der grosse Julius will nicht bey Gades ruhn.
Es wird ein himmlisch Sinn sich früh diß unterfangen
Was sonst behertzte Leut’ im hohen Alter thun.
Zwar steht der Tugend Feld durchgehend allen offen
Doch düncket mich der Schluß unwiedertreiblich wahr
Daß von erlauchtem Blut ein mehrers stets zu hoffen
Der Lorber schöner prangt auff einem edlen Haar,
Alleine daß der Tod hier nicht will unterscheiden
Es kehrt sein dürrer Fuß in Hoff und Hütten ein;
Er nimmt die Grossen weg so sich in Purpur kleiden
Und würgt auch die halb nackt und schlecht bedecket seyn:
Es gilt ihm alles gleich ob Menschen sich verjahren
Und ob er ihren Lentz und erste Blumen bricht.
Es muß ein zartes Kind eh’ als ein Greiß hinfahren
Sein unermüdet Arm schont die
Wolff Christoph lege lonst nicht in dem Sarg gestrecket
Hochedle den ihr jetzt mit heissen Thränen klagt.
Der allerliebste Sohn der so viel Freud erwecket
Macht daß ihr grösser Leid umb seinen Hingang tragt.
Der Morgenröthe Gold bezeugt mit ihren Stralen
Was vor ein künfftig Tag die Unter-Welt erfreut.
Und Blumen pflegt der May in Knospen schon zu mahlen
Biß gar die volle Blüth entdeckt ihr bundes Kleid.
So gab der werthste Sohn durch Minen zu erkennen
Den angestammten Witz deß Geistes Hurtigkeit
Man sahe mit Begier die Funcken in ihm brennen
So grossen Seelen nur zum Eigenthum geweyht.
Doch was hier hochgeschätzt will Gott noch höher schätzen
Er rufft ihn auß der Welt in sein Genaden-Reich
Eh’ noch den reinen Geist ein Laster kan behetzen
Eh’ ihn der Zeiten Sturm und Drangsal machet bleich.
Denn was ist auff der Welt auch in dem besten Glücke
Wenn die Vergnügung uns liebkosende lacht an?
So gibt der Himmel drauff nur schwartze Donner-Blicke
Es sind in einem Sack so Freud als Leid gethan.
Hochedle nur umbsonst vergießt ihr eure Zähren
Jhm ist bey seinem Stand gantz unvergleichlich wol.
Er lebt als Ritters-Mann jetzt bey den Himmels-Heeren
Und geht den Siegern gleich ins Sternen Capitol.
Vergebens wünschen ihn die vier verlaßnen Brüder
Nun er der Engel Schar zu seinen Brüdern hat.
Wolff Christoph der verlangt in unsrer Welt nicht wieder
Und ist an Freud und Wonn und Herrligkeiten sat.
Die Ahnen heissen ihn jetzt tausendmal willkommen
So längst ein seelig Tod mit Ruhm voran geschickt.
Er wird als neuer Gast von ihnen auffgenommen
Und hat den höchsten Glantz der Klarheit angeblickt.
Hochedle Eltern last hier euren Stern versincken
Last jetzt deß Grabes Nacht die Glieder hüllen ein.
Er wird auß Grab und Grufft mit neuen Stralen blincken
Und dort ein Morgenstern verklärter Freuden seyn.