Auf Jungfraw Elisabeth Mehlmanns vnverhoften/ doch seeligen abscheid:

By Johannes Plavius

Wir armen sterblichen was haben wir zu hoffen

Für frewd' in dieser welt die gäntzlich ist ersoffen

In falschheit vnd betrug? was für ergötzligkeit

Läst vns geschminckte lieb' in dieser bösen zeit?

Die welt vnnd was sie thut ist eitel bös vnd nichtig

Das leid ist übergross die frewde klein' vnd flüchtig

Mit rewe zu gericht: ja jhre konst vnd gonst

Vnd was sie liebe nennt ist nur ein blawer donst.

Sie füsset ohne stab mit finsternis vmbgeben:

Sie tappet ohne liecht: sie lebet ohne leben

Vnd stirbet ohne tod (nach dieses todes noth

Den wir Gott schüldig seyn) mehr als einn dupeln tod.

Drümb wohl dem der allhier weil noch sein leben blühet

An seinen tod gedenckt vnd auf das ende siehet

Wie diese tugendblum' als die wir nu zur ruh'

Aus vielem vngemach' vnd leid begleiten nu.

Wer hätte nicht vermeint man würde sie begleiten

Dahin wo lieb' vnd frewd' in's ehbett' eilend schreiten?

Noch war es weit gefehlt! jhr hochzeitlicher saal

Würd' jhr ein thränen-haus; jhr hochzeit-mal zur qual;

Ihr leiden war jhr lieb; beliebnis jhr betrübnis:

Ihr jawort war jhr mord; verlöbnis jhr begräbnis:

Ihr zuschlag war der schlag den jhr ans hertze gab

Der tod jhr aufgeboth; die morgen-gab' jhr grab

Ihr hochzeit-kleid jhr leid; die brautschaal' jhre zehren

Ihr reyen rew vnd angst samt allerley beschweeren

Ihr säiten-spiel jhr ziel; der tod jhr ehren-tantz

Doch blieb ein keusches hertz' vnd zucht jhr ehrenkrantz.

Das alles macht der tod. Ihr leid ist nu verkehret

In frewde die kein mensch mit ohren hat erhöret

Vnd die kein aug' erblickt: das himmelische lamm

Welchs tod war vnnd nu lebt ist nun jhr bräutigam.

Mit dem sie sich allhier im glauben zuverloben

Nicht vnterlassen hat. Der hat sie nun erhoben:

Nach dem verlangte sie. Ich bin sprach sie bereitt

Die glaubens-lampe brennt der bräutgam ist nicht weit

Der mich von hinnen hohlt: er wird mir trewlich halten

Der mahlschatz treugt mich nicht: es kan auch nicht erkalten

Die lieb' aus deren kraft er mich geruffen hat

Er ist der trewe Gott: sein Wort ist raht vnd that.

Wol denn o edle seel' o wol jhr lebt in frewden

Die gross vnd ewig seyn nach diesem kürtzen leiden:

Ewr ist nun ewig rath: ewr trawren ist gestillt:

Ewr klagen höret auff: ewr' hoffnung ist erfüllt.