Auf meinen bestürmeten Lebens-Lauff

By Catharina Regina von Greiffenberg

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Wie sehr der Wirbelstrom so vieler Angst und plagen

mich drähet um und um so bistu doch mein Hort

mein mittel punct in dem mein Zirkel fort und fort

mein Geist halb hafften bleibt vom sturm unausgeschlagen.

Mein Zünglein stehet stät von Wellen fort getragen

auf meinen Stern gericht. Mein Herz und Aug' ist dort

es wartet schon auf mich am Ruhe-vollen Port:

dieweil muß ich mich keck in weh und See hinwagen.

offt will der Muht der Mast zu tausend trümmern springen.

Bald thun die Ruder-Knecht die sinnen keinen Zug.

Bald kan ich keinen Wind in glaubens-Segel bringen.

jetz hab ich meine Vhr zu richten keinen fug.

Dann wollen mich die Wind auf andre zufahrt dringen.

bring' an den Hafen mich mein Gott es ist genug!