Auf meines schönsten Seelen-Herrschers Verspott-und Verspeyung

By Catharina Regina von Greiffenberg

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Du reiner Gottheit-Glantz den gar die Seraphinnen

sich unbedecket selbst zu loben wagen nicht!

wird mit dem Sündenschlamm dem Speichel hie verpicht

die Quell der Reinigkeit lässt sich mit Koht umrinnen

in dem am Thabor vor die Göttlich Schön' erschienen.

Der Höllen Vnflat jetzt das Drachen-Gifft anricht

er schiest jetzt seinen Strahl in unser Lebens-Liecht.

Noch pfleget Gottes Lieb' im Speyungs-Meer zu brinnen.

Ach wesentliche Ehr der selbsten Göttlichkeit!

wie kanst des Spottes du doch fähig seyn und dulten?

es ist kein' Eusserung der Liebes-Macht zu weit

und nichts unleidenlich so Gott-gleich-grossen Hulden.

Je mehr die Göttlichkeit die Strahlen in sich rückt

je mehrer deren Krafft aus deinem Leiden blickt.