Auf seine Laute/ von dem Herrn Baron von Lichnowsky
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
Du süsser Klang beliebter Säyten
Der meine Laute kosibar macht;
Der mir vor hundert andern Leuten
So manche Lust zu wege bracht.
Erlaube daß itzt meine Hand
Die schon so manchem Zeit-Vertreibe
Zu Ehren Müh' hat augewand
Auch dir ein wahres Lob-Lied schreibe.
Wenn mehr als hundert leere Grillen
Den bey dem Buch gantz müden Sinn
Itzund beginnen anzufüllen;
Und ich offtmahls verdrießlich bin:
So weiß ich kein vergnügter Ziel
Dem Kummer und Verdruß zu setzen
Als nur das süße Lauten-Spiel
Das mich allein weiß zu ergetzen.
Ich greife was ich will vor Lieder
Es sey auch auf dem tiefsten Chor
So gehts mir schon durch alle Glieder
Und schallt verliebt in meinem Ohr.
Vergnügt wird jedes Schlaf gestöhrt;
Wenn man bey späten Abend Stunden
Dich auf der Straßen spielen hört
Und Echo sich mit dir verbunden.
Will einer Doris Augen zwingen
Die er sonst nicht zu schauen kriegt:
So darf er nur ein Ständgen bringen;
Und spielen was ihr Ohr vergnügt:
So ist schon alles gleich geschehn:
Das schöne Kind läst hin und wieder
Sich alsdenn bald am Fenster sehn
Und hört vergnügt auf seine Lieder.
Drum du allein O süsse Laute
Du bleibst mein süsser Zeit-Vertreib;
Du bist mir meine Hertz-Vertraute
Wenn andre jetzt ein schönes Weib
Mit ihrem Spiegel fast entzückt.
Du süße Laute bleibst mein Leben
So lange mich dein Klang beglückt
So lange werd' ich dich erheben.