Auf vorige weise:

By Johannes Plavius

Was Dianen mag bewegen

Das sie 's fräwen so verspricht

Das ding das versteh' ich nicht.

Denn es ist mir ungelegen

Ohne frewd' in einsamkeit

Schliessen meine junge zeit.

Lieblich schwatzen freundlich gluckern

Wie die turteltäubelein

Schnäblen vnd gepaaret seyn

Liebe mit gelach verzuckern

Hertzen schertzen ohne maß'

Ach welch lieblich ding ist das!

Nu wolan heran zu fräwen

Wer nur ist ein jung gesell.

Oder förcht jhr vngefäll'.

'S wird euch nimmermehr gerewen.

Greift nur recht an ewre sach'

Jede fraw hat jhr vermach.

Ist ewr lieb reich vnd vermügen

Ey so seydt jhr wol daran

Wer es nur erleiden kan

Daß jhm 's glücke zu wil fügen

Ein' vnd was dazu gebricht

'S ist kein besser handel nicht.

Ist wer reich an geld' vnd waaren

Vnd er wehlt ein armes lieb

Nach seins hertzens wunsch vnd trieb

Der thut wol er wird erfahren

Edelstein vnd Vngrisch gold

Sey nichts gegen fromm vnd hold.

Gut ist 's wenn ein arm geselle

Sich nicht allzu hoch versteigt

Vnd sich nach seins gleichen neigt

Daß er sich zu frieden stelle.

Was fragt konst nach geld vnd gut.

Was verdient macht besser muth.

Lieblichs liebchen in gebärden

Züchtig lustig als ein reh

Weiss als frisch-gefallen schnee

Kan auch was gefunden werden

In der gantzen weiten welt

Das eim manne baß gefällt:

Hat ewr lieb denn schad' erlitten

An gebärden vnd gestalt.

Wer kan wieder vngewalt?

Möglich ist sie gut an sitten.

Ist 's sie 's nicht der schad' ist klein

Ist sie doch für euch allein.

Ist die liebste denn bey jahren

Kan es auch nicht schädlich seyn

Alt ist offt der beste wein.

Desto mehr hat sie erfahren

Desto besser hält sie hauß

Desto besser hält sie aus.

Ist sie witzig vnd verschlagen

Vnd versteht die sachen wol

Die sie billich wissen sol

Densto trewer wird sie tragen

Ewre schwachheit bürd' vnd müh'

Ewre weise spat vnd früh.

Hat sie denn an witz gebrechen

Last s' euch darumb lieber seyn.

(Naseweis' ist auch nicht fein)

Niemand wird es vbel-sprechen.

Wem ist jedes ding bewust?

Frawen-thorheit männer lust.

Hat sie denn des herren segen

Vnd hohlt jährlich kinderlein

Jhr werdt drümb nicht minder seyn.

Gottes segen als ein regen

Giebet jedem munde brodt

Lässt die frommen nicht in noth.

Ist sie denn was alt von jahren

Vnd hat keine kinder mehr:

Kümmert euch drumb nicht zu sehr

Seht! jhr möcht spatzieren fahren

Z'hause lasst jhr keine last.

Ohne kinder lieber gast.

Hat sie (welches Hoch zu loben)

Gaben der beredsamkeit;

Neben der bescheidenheit:

Solches giebet Gott von oben.

Reden nimmt den vnmuth hin:

Reden lencket muth vnd sinn.

Wo jhr denn (das wol kan kommen)

Fallen sprach' vnd worte schweer

Trawret nicht 's ist auch ein ehr'

Jhr ein lob vnd euch ein frommen.

Niemand hat das vngemach

Daß sein weib zu wenig sprach.

Wol zu fuss' – vnd frische – beine

Machen keine schlimmer nicht

Tantzen schadet nimmer nicht

Lahm seyn machet keine reine

Tantzen schadt der jugend nicht

Hincken hilft der tugend nicht.

Wil sie denn was sachte schlaufen

Schnecken laufen auch nicht sehr

Vnd seind jhrer häuser ehr'.

Lasset pferd' vnd winde laufen.

Lauffen selten guts verricht.

Wer da dantzt entläuft drumb nicht:

Was seind aber das für sachen

Daß man sanfte freundlichkeit

Tugend vnd bescheidenheit

Fälschlich wil zur sünde machen:

Freundlichkeit erfrewt den mann

Wenn jhn nichts erfrewen kan.

Hat sie denn viel böse sitten

Vnd jhr habet keine schuld

Gut! so lernet jhr gedult

Darft nicht andre leute bitten

Daß man euch die tugend lehr'

Hauszucht giebet besser ehr.

Liebe weiss es wol zu machen

Liebe hört kein mangel nicht

Liebe sieht kein angel nicht

Liebe füget alle sachen

Liebe fület wenig weh

Liebe stifftet frewd' vnd eh.