Auff das absterben Herrn Ferdinands von Mudrach Käyserl. Raths und Präsidis in B...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Der affe der natur die schatten-volle nacht

Fieng unlängst meinen geist mit träumen an zu wiegen

Und hatte die vernunfft kaum aus dem zirckel bracht

Als ich Budorgis sah auff einem berge liegen.

Zu ihren füssen war ein krannich vorgestellt

Der da er vor sein heer noch voller sorgen wachte

Und alle durch sein stehn im schlaffe sicher machte

Von pfeilen wie ein baum vom donner ward gefällt;

Die andern flogen noch vor schrecken hin und wieder

Mit dieser überschrifft: Der beste liegt darnieder.

Der grund des berges war mit wapen überstreut.

Auff diesem zeigte sich der adler voller klagen:

In seiner matten schooß lag die erfahrenheit

Und hatte vor den tod viel bücher auffgeschlagen;

Sein sinn-gemählde war ein diamanten-stein

Mit der bezeichnungs-schrifft: Die zierde von der sonnen.

Vielleicht weil wie sein glantz vom himmel kommt geronnen

So witz und wissenschafft des adels ausputz seyn

Und perlen und beryll von muscheln zwar entspriessen

Die hoheit aber muß aus ihren strahlen fliessen.

Gleich über hatte sich die redligkeit gesetzt.

Ihr kopff war voller angst wie brüche voller narben;

Zur rechten lag ein hertz aus helffenbein geetzt

Auff dem diß urthel stund: Von gleicher art und farben.

Zur lincken aber war ein hermelin gestellt

Das wenn man seinen leib mit feur und koth umringet

Viel lieber in die glut als in den unflat springet

Und dieses denckmahl trug: Rein oder von der welt.

Zum schimpff uns die wir offt im hertzen voller flecken

Wie schwartzes schwanen-fleisch in weissen federn stecken.

Nicht weit von dieser ab saß die gerechtigkeit

Und hatte mit der hand ein spiegel-glaß umgriffen

Auff dessen rande stund: Aus asche zubereit.

Und drüber diese schrifft: Vor alle gleich geschliffen.

Zur lehre: daß die pracht des richters asch’ und spreu

Sein leben wie der leib nur schwachem glase gleiche;

Der platz auff dem er sitzt vor arme wie vor reiche

Nicht anders als der thau vor alle blumen sey

Und ihm wofern er nicht nach geld und gunst soll wählen

Egyptens meynung nach muß hand und auge fehlen.

Zwey schritte weiter war die gottesfurcht zu sehn.

Ihr hals trug einen krantz von hyacinthen-steinen

Die wie das wetter fugt auch ihre farben drehn

Mit dieser überschrifft: Der himmel will nicht scheinen.

Ihr antlitz aber sah zwey sonnen-blumen an

Die voller liebes-lust zur sonnen-kugel brannten

Zur seiten aber sich vom monden abwärts wandten

Mit dieser leuterung: Nur einem zugethan.

Zu zeigen: daß der mensch nur einen GOtt erkennen

Und wie ein hyacinth soll nach dem himmel brennen.

Am ende sassen drey mit tüchern überdeckt

Und hatten über sich den affen lassen mahlen

Der wenn der monde fällt sich todt zur erde streckt

Mit dieser neben-schrifft: Aus mangel deiner strahlen.

Den allen fügte sich Timantes endlich bey

Und sann auff witz und kunst ihr trauren abzuschildern;

Doch merckt ich daß er nur nach vielen falschen bildern

Diß auff die decken schrieb: Der schmertzen conterfay.

So gar kan traurigkeit wie wasser in der erden

Wann sie die liebe führt zu grossen ströhmen werden.

Indem ich voller furcht diß alles noch besah

Kam der erblaßte tod in zirckel eingetreten.

Viel geister suchten ihn so wie in Africa

Die ziegen ihren GOtt den hundsstern anzubeten.

Von diesen gaben sich mir sonder alle müh

Der Pyrrhus Atticus und Plato zu erkennen;

Die andern liessen sich Anton und Cäsar nennen;

Auff allen aber stund: Des todes opffer-vieh.

Und hinter ihnen war auff einem wasser-ballen

Im schatten noch zu sehn: So sind wir auch gefallen.

Ach! dacht ich hält denn nichts auff erden festen lauff?

Als gleich der glaube kam vom himmel abgeschossen.

Aus seinem haupte stund ein junger Phönix auff

Und drüber dieser trost: Dem tode nur zum possen.

Am kleide war der berg Olympus abgemahlt

Mit beygesetzter schrifft: Mein gipffel hat gewonnen.

Vielleicht: Weil dieser berg stets oben von der sonnen

Ein frommer ewiglich im himmel wird bestrahlt

Und sich ein wahrer Christ durch glauben muß vom leiden

Wie süsse palmen-frucht von bittern wurtzeln scheiden.

Nicht weit von diesem schwang die tugend ihren rock

Und brach durch neuen glantz die dünste meiner sorgen.

Ihr sinnen-bildniß war ein matter reben-stock

Der wider schnee und frost im miste lag derborgen

Und über dem ein ball von pulver angezündt

Mit der bekandten schrifft: Ich leb im untergange.

Zur seiten aber ab war eine wasser-schlange

Der wo sich gleich ein bruch an ihren häuptern findt

Doch stets wenn eines fällt ein neues wird gebohren

Mit dieser überschrifft: Mit einem nicht verlohren.

Nach vieler pracht beschloß diß schwartze todten-fest

Die lieb’ in einer tracht von frischen Amaranthen.

In ihrem schilde stund ein brennender Asbest

Mit dieser neben-schrifft: Aus liebe zum verwandten.

Die brust schoß einen strohm von oel und balsam-safft

Nach denen nur allein noch übrigen betrübten

Zum zeichen: daß der tod am grabe der verliebten

So wenig als ein wurm an ceder-ästen hafft

In wolcken aber schien wie eine feder schriebe:

Der welt unsterblich feur ist glaube tugend liebe.

Diß meynt ich hätt ich nechst im traume nur erblickt

Heut aber bricht der tod das siegel meiner augen

Da unser Mudrach sich vor seinem donner bückt

Und alle thränen-saltz aus seinem grabe saugen.

Denn wo Trajan den ruhm des besten in der welt

Nur wegen seines amts vor andern weggetragen;

Ein schiff denn steuerman am meisten muß beklagen;

Schreibt billich iede stadt wenn haupt und wächter fällt

Budorgis aber itzt in ihre trauer-lieder

Was Rom vor diesem sprach: Der beste liegt darnieder.

Zwar geb ich gerne nach daß dieses Canons ruhm

Bald ein Timotheus wird herrschend überwiegen;

Denn dieses ist und bleibt der klugen eigenthum

Einander durch ihr licht wie sternen obzusiegen.

Allein sein wesen war auch allen nicht gemein.

Denn da der Marius muß einem Sylla weichen

Und ihm in ahnen nicht kan wie an thaten gleichen

Goß ihm der adel glantz wie schnecken purpur ein

Und riß ihn über die die nach despöfels züchen

Wie regen insgemein nach ihrem dampffe riechen.

Des adels lebens-saltz ist die erfahrenheit

So wie granaten-frucht die nahrung ihrer krönen;

Denn grob und edel seyn wird endlich mit der zeit

Ein haus in welchem nichts als leere tittel wohnen.

Er hörte bald als kind der alten lehren an

Und zeigte daß auch schon die balsam-blüte leben

Ein junger zimmet-baum die beste blüte geben

Und fleiß und jugend offt am höchsten steigen kan.

So spielet die natur daß auch gelehrte müssen

Wie guter myrrhen-safft nur von sich selber fliessen.

Doch diß war nur der wind der seine funcken bließ

Und schien daß ihn der trieb Epaminondens rührte

Der seinen Lysis eh nicht wieder von sich ließ

Als biß er gleiche krafft an dem verstande spürte.

Drum hat er nur drey jahr mit hören zugebracht

Was Conrings grosser witz vor lehren abgewogen;

Biß Böcklers hoher ruhm ihn weiter fortgezogen

Und endlich auch in ihm die regel wahr gemacht:

Daß wer im labyrinth der bücher nicht will fehlen

Ihm kluge Leute muß zur Ariadne wählen.

Von büchern wandte sich sein auge zu der welt;

Denn witz und klugheit sind wie zweige von corallen

Die eher die natur in steine nicht verstellt

Biß daß sie nach der see hat fremde lufft befallen.

Was Franckreich in sich hält was Niederland verbirgt

Diß alles waren ihm wohlriechende jesminen

Aus denen sein verstand nicht anders als die bienen

Der weißheit honigseim ihm selber ausgewürckt.

So müssen spielende die würffel im verkehren

Wer reiset ieden blick mit vortheil angewehren.

Die meisten scheinen nur von weitem groß zu seyn

Nach art der von der erd’ entfernten monden flammen;

Wenn aber ihre treu die bürger soll erfreun

Fährt sie wie schwefel-werck in dicker lufft vonsammen.

Sein nutz war anderwärts mit schalen stets verdeckt

Und fieng sich allererst in Breßlau an zu zeigen

Zur lehre daß auch krafft in ungeblühten feigen

Wie gold und feuer-glantz in Chrysolithen steckt

Und diese ruhm verdient die auff der mutter erden

Wie dattel-bäume nur bey datteln fruchtbar werden.

Was aber hat sein geist nach diesem nicht gethan?

Als er den bürgern halff vor ihre wohlfahrt sorgen

Und offt den besten rath im nebel schwartzer morgen

Wie spinnen ihren zeug bey trübem wetter spann.

Der schlaue Hannibal hat alles vor gesehn

Was erst Carthago sich am ende ließ erschrecken

Er aber prüfte stets die wege wie die schnecken;

Ließ bald von anfang nicht was schädlich war geschehn

Und glaubte daß ein rath der klugheit gröste gaben

Wie leuen ihre krafft muß in den augen haben.

Der weißheit winckel-maaß war seine redligkeit

Denn ob sich gleich die welt mit liljen-blättern zieret

Im hertzen wie ihr stiel hingegen galle führet

Und als ein tannen-baum vergifften schatten streut;

So blieb der selige doch marmol-kugeln gleich

Und ohne schmincke so wie diese sonder ecken

Hielt witz bey falschheit nur vor sonnen voller flecken

Und machte niemahls sich durch fremde seuffzer reich

Wohl aber daß auch noch kein fehl an seinem leben

So wie kein wasser bleibt an reinen schwanen kleben.

Aus dieser mutter nun floß die gerechtigkeit

Ein kind daß ihrer viel wie Galba niederdrücken

Wenn sie der purpur-rock auff ihrem alten rücken

Mehr als ein panterthier der jäger wein erfreut.

Hier war ein Phocion den dieses nur betrübt:

Wie er vor iederman was recht ist möge fällen:

Ein seltner Atticus der wie ein fisch die wellen

Die menschen auff der welt hat alle gleich geliebt;

Und wenn sein urthel ja die bürger straffen müssen

Nur böse wie ein storch die schlangen hat zerrissen.

Was aber säum ich noch der seelen angelstern

Das feur der gottesfurcht an seiner brust zu preisen?

Das wie castaneen nur ihren reiffen kern

So lauter volles licht der erden konte weisen.

Ein stein steigt unterwärts die flammen himmel an;

Er warff den schweren stein der sünden zu der erden

Bemühte sich durch glut deß himmels freund zu werden

Und hat wie Daniel offt betend dargethan:

Daß rechte gottesfurcht die allen fall soll meiden

So wenig kälte muß als grüne schoten leiden.

Was wunder ist es denn daß er die krancke welt

Auch nun dem leibe nach auff ewig hat vergessen?

Die nur mit nattern sich so lange freundlich stellt

Biß die die nachtigal sie aber uns gefressen.

Der mensch wird nur allhier durch falsche lust und pracht

Gleich wie ein tieger-thier durch spiegel auffgehalten;

Doch wenn wir endlich nun bey geld und gut veralten

Und wie Severus uns durch thaten groß gemacht

Läst uns der tod wie ihn nur diese grabschrifft lesen:

Was hilfft es daß ich vor bin alles hier gewesen?

Doch denckt nicht sterbliche daß er gestorben sey!

Denn seine seele trägt des glaubens ehren-kronen

Und scheidet ihre lust nur von der erden spreu

Wie pomerantzen-frucht von schlechten wasser-bohnen.

Die tugend wird sein lob auch in des grabes-nacht

Wie sonnen ihren glantz beym untergange mehren

Zu zeigen: daß der tod zum tempel unsrer ehren

Wie regen zu der frucht den ersten anfang macht.

Budorgis aber hat mit diesem nichts verlohren

Weil ihr der

Ihr seyd nur noch allein betrübte voller schmertz

Wo seine liebe kan in euren augen sterben.

Wie aber kan sie wohl da sein getreues hertz

Will einen marmol-sitz in eurer brust erwerben?

Drum denckt: der himmel kan betrüben und erfreun

Und seuffzer wie den plitz der regen-bogen trennen;

Denn weil der selige nun will in freuden brennen

Wird ihm eur wasser auch vielleicht zuwider seyn;

Nicht aber wenn die welt auff seinen leich-stem̃ schriebe:

Der grund der seligkeit ist glaube tugend liebe.