Auff das absterben Herrn Ferdinands von Mudrach Käyserl. Raths und Präsidis in B...
Der affe der natur die schatten-volle nacht
Fieng unlängst meinen geist mit träumen an zu wiegen
Und hatte die vernunfft kaum aus dem zirckel bracht
Als ich Budorgis sah auff einem berge liegen.
Zu ihren füssen war ein krannich vorgestellt
Der da er vor sein heer noch voller sorgen wachte
Und alle durch sein stehn im schlaffe sicher machte
Von pfeilen wie ein baum vom donner ward gefällt;
Die andern flogen noch vor schrecken hin und wieder
Mit dieser überschrifft: Der beste liegt darnieder.
Der grund des berges war mit wapen überstreut.
Auff diesem zeigte sich der adler voller klagen:
In seiner matten schooß lag die erfahrenheit
Und hatte vor den tod viel bücher auffgeschlagen;
Sein sinn-gemählde war ein diamanten-stein
Mit der bezeichnungs-schrifft: Die zierde von der sonnen.
Vielleicht weil wie sein glantz vom himmel kommt geronnen
So witz und wissenschafft des adels ausputz seyn
Und perlen und beryll von muscheln zwar entspriessen
Die hoheit aber muß aus ihren strahlen fliessen.
Gleich über hatte sich die redligkeit gesetzt.
Ihr kopff war voller angst wie brüche voller narben;
Zur rechten lag ein hertz aus helffenbein geetzt
Auff dem diß urthel stund: Von gleicher art und farben.
Zur lincken aber war ein hermelin gestellt
Das wenn man seinen leib mit feur und koth umringet
Viel lieber in die glut als in den unflat springet
Und dieses denckmahl trug: Rein oder von der welt.
Zum schimpff uns die wir offt im hertzen voller flecken
Wie schwartzes schwanen-fleisch in weissen federn stecken.
Nicht weit von dieser ab saß die gerechtigkeit
Und hatte mit der hand ein spiegel-glaß umgriffen
Auff dessen rande stund: Aus asche zubereit.
Und drüber diese schrifft: Vor alle gleich geschliffen.
Zur lehre: daß die pracht des richters asch’ und spreu
Sein leben wie der leib nur schwachem glase gleiche;
Der platz auff dem er sitzt vor arme wie vor reiche
Nicht anders als der thau vor alle blumen sey
Und ihm wofern er nicht nach geld und gunst soll wählen
Egyptens meynung nach muß hand und auge fehlen.
Zwey schritte weiter war die gottesfurcht zu sehn.
Ihr hals trug einen krantz von hyacinthen-steinen
Die wie das wetter fugt auch ihre farben drehn
Mit dieser überschrifft: Der himmel will nicht scheinen.
Ihr antlitz aber sah zwey sonnen-blumen an
Die voller liebes-lust zur sonnen-kugel brannten
Zur seiten aber sich vom monden abwärts wandten
Mit dieser leuterung: Nur einem zugethan.
Zu zeigen: daß der mensch nur einen GOtt erkennen
Und wie ein hyacinth soll nach dem himmel brennen.
Am ende sassen drey mit tüchern überdeckt
Und hatten über sich den affen lassen mahlen
Der wenn der monde fällt sich todt zur erde streckt
Mit dieser neben-schrifft: Aus mangel deiner strahlen.
Den allen fügte sich Timantes endlich bey
Und sann auff witz und kunst ihr trauren abzuschildern;
Doch merckt ich daß er nur nach vielen falschen bildern
Diß auff die decken schrieb: Der schmertzen conterfay.
So gar kan traurigkeit wie wasser in der erden
Wann sie die liebe führt zu grossen ströhmen werden.
Indem ich voller furcht diß alles noch besah
Kam der erblaßte tod in zirckel eingetreten.
Viel geister suchten ihn so wie in Africa
Die ziegen ihren GOtt den hundsstern anzubeten.
Von diesen gaben sich mir sonder alle müh
Der Pyrrhus Atticus und Plato zu erkennen;
Die andern liessen sich Anton und Cäsar nennen;
Auff allen aber stund: Des todes opffer-vieh.
Und hinter ihnen war auff einem wasser-ballen
Im schatten noch zu sehn: So sind wir auch gefallen.
Ach! dacht ich hält denn nichts auff erden festen lauff?
Als gleich der glaube kam vom himmel abgeschossen.
Aus seinem haupte stund ein junger Phönix auff
Und drüber dieser trost: Dem tode nur zum possen.
Am kleide war der berg Olympus abgemahlt
Mit beygesetzter schrifft: Mein gipffel hat gewonnen.
Vielleicht: Weil dieser berg stets oben von der sonnen
Ein frommer ewiglich im himmel wird bestrahlt
Und sich ein wahrer Christ durch glauben muß vom leiden
Wie süsse palmen-frucht von bittern wurtzeln scheiden.
Nicht weit von diesem schwang die tugend ihren rock
Und brach durch neuen glantz die dünste meiner sorgen.
Ihr sinnen-bildniß war ein matter reben-stock
Der wider schnee und frost im miste lag derborgen
Und über dem ein ball von pulver angezündt
Mit der bekandten schrifft: Ich leb im untergange.
Zur seiten aber ab war eine wasser-schlange
Der wo sich gleich ein bruch an ihren häuptern findt
Doch stets wenn eines fällt ein neues wird gebohren
Mit dieser überschrifft: Mit einem nicht verlohren.
Nach vieler pracht beschloß diß schwartze todten-fest
Die lieb’ in einer tracht von frischen Amaranthen.
In ihrem schilde stund ein brennender Asbest
Mit dieser neben-schrifft: Aus liebe zum verwandten.
Die brust schoß einen strohm von oel und balsam-safft
Nach denen nur allein noch übrigen betrübten
Zum zeichen: daß der tod am grabe der verliebten
So wenig als ein wurm an ceder-ästen hafft
In wolcken aber schien wie eine feder schriebe:
Der welt unsterblich feur ist glaube tugend liebe.
Diß meynt ich hätt ich nechst im traume nur erblickt
Heut aber bricht der tod das siegel meiner augen
Da unser Mudrach sich vor seinem donner bückt
Und alle thränen-saltz aus seinem grabe saugen.
Denn wo Trajan den ruhm des besten in der welt
Nur wegen seines amts vor andern weggetragen;
Ein schiff denn steuerman am meisten muß beklagen;
Schreibt billich iede stadt wenn haupt und wächter fällt
Budorgis aber itzt in ihre trauer-lieder
Was Rom vor diesem sprach: Der beste liegt darnieder.
Zwar geb ich gerne nach daß dieses Canons ruhm
Bald ein Timotheus wird herrschend überwiegen;
Denn dieses ist und bleibt der klugen eigenthum
Einander durch ihr licht wie sternen obzusiegen.
Allein sein wesen war auch allen nicht gemein.
Denn da der Marius muß einem Sylla weichen
Und ihm in ahnen nicht kan wie an thaten gleichen
Goß ihm der adel glantz wie schnecken purpur ein
Und riß ihn über die die nach despöfels züchen
Wie regen insgemein nach ihrem dampffe riechen.
Des adels lebens-saltz ist die erfahrenheit
So wie granaten-frucht die nahrung ihrer krönen;
Denn grob und edel seyn wird endlich mit der zeit
Ein haus in welchem nichts als leere tittel wohnen.
Er hörte bald als kind der alten lehren an
Und zeigte daß auch schon die balsam-blüte leben
Ein junger zimmet-baum die beste blüte geben
Und fleiß und jugend offt am höchsten steigen kan.
So spielet die natur daß auch gelehrte müssen
Wie guter myrrhen-safft nur von sich selber fliessen.
Doch diß war nur der wind der seine funcken bließ
Und schien daß ihn der trieb Epaminondens rührte
Der seinen Lysis eh nicht wieder von sich ließ
Als biß er gleiche krafft an dem verstande spürte.
Drum hat er nur drey jahr mit hören zugebracht
Was Conrings grosser witz vor lehren abgewogen;
Biß Böcklers hoher ruhm ihn weiter fortgezogen
Und endlich auch in ihm die regel wahr gemacht:
Daß wer im labyrinth der bücher nicht will fehlen
Ihm kluge Leute muß zur Ariadne wählen.
Von büchern wandte sich sein auge zu der welt;
Denn witz und klugheit sind wie zweige von corallen
Die eher die natur in steine nicht verstellt
Biß daß sie nach der see hat fremde lufft befallen.
Was Franckreich in sich hält was Niederland verbirgt
Diß alles waren ihm wohlriechende jesminen
Aus denen sein verstand nicht anders als die bienen
Der weißheit honigseim ihm selber ausgewürckt.
So müssen spielende die würffel im verkehren
Wer reiset ieden blick mit vortheil angewehren.
Die meisten scheinen nur von weitem groß zu seyn
Nach art der von der erd’ entfernten monden flammen;
Wenn aber ihre treu die bürger soll erfreun
Fährt sie wie schwefel-werck in dicker lufft vonsammen.
Sein nutz war anderwärts mit schalen stets verdeckt
Und fieng sich allererst in Breßlau an zu zeigen
Zur lehre daß auch krafft in ungeblühten feigen
Wie gold und feuer-glantz in Chrysolithen steckt
Und diese ruhm verdient die auff der mutter erden
Wie dattel-bäume nur bey datteln fruchtbar werden.
Was aber hat sein geist nach diesem nicht gethan?
Als er den bürgern halff vor ihre wohlfahrt sorgen
Und offt den besten rath im nebel schwartzer morgen
Wie spinnen ihren zeug bey trübem wetter spann.
Der schlaue Hannibal hat alles vor gesehn
Was erst Carthago sich am ende ließ erschrecken
Er aber prüfte stets die wege wie die schnecken;
Ließ bald von anfang nicht was schädlich war geschehn
Und glaubte daß ein rath der klugheit gröste gaben
Wie leuen ihre krafft muß in den augen haben.
Der weißheit winckel-maaß war seine redligkeit
Denn ob sich gleich die welt mit liljen-blättern zieret
Im hertzen wie ihr stiel hingegen galle führet
Und als ein tannen-baum vergifften schatten streut;
So blieb der selige doch marmol-kugeln gleich
Und ohne schmincke so wie diese sonder ecken
Hielt witz bey falschheit nur vor sonnen voller flecken
Und machte niemahls sich durch fremde seuffzer reich
Wohl aber daß auch noch kein fehl an seinem leben
So wie kein wasser bleibt an reinen schwanen kleben.
Aus dieser mutter nun floß die gerechtigkeit
Ein kind daß ihrer viel wie Galba niederdrücken
Wenn sie der purpur-rock auff ihrem alten rücken
Mehr als ein panterthier der jäger wein erfreut.
Hier war ein Phocion den dieses nur betrübt:
Wie er vor iederman was recht ist möge fällen:
Ein seltner Atticus der wie ein fisch die wellen
Die menschen auff der welt hat alle gleich geliebt;
Und wenn sein urthel ja die bürger straffen müssen
Nur böse wie ein storch die schlangen hat zerrissen.
Was aber säum ich noch der seelen angelstern
Das feur der gottesfurcht an seiner brust zu preisen?
Das wie castaneen nur ihren reiffen kern
So lauter volles licht der erden konte weisen.
Ein stein steigt unterwärts die flammen himmel an;
Er warff den schweren stein der sünden zu der erden
Bemühte sich durch glut deß himmels freund zu werden
Und hat wie Daniel offt betend dargethan:
Daß rechte gottesfurcht die allen fall soll meiden
So wenig kälte muß als grüne schoten leiden.
Was wunder ist es denn daß er die krancke welt
Auch nun dem leibe nach auff ewig hat vergessen?
Die nur mit nattern sich so lange freundlich stellt
Biß die die nachtigal sie aber uns gefressen.
Der mensch wird nur allhier durch falsche lust und pracht
Gleich wie ein tieger-thier durch spiegel auffgehalten;
Doch wenn wir endlich nun bey geld und gut veralten
Und wie Severus uns durch thaten groß gemacht
Läst uns der tod wie ihn nur diese grabschrifft lesen:
Was hilfft es daß ich vor bin alles hier gewesen?
Doch denckt nicht sterbliche daß er gestorben sey!
Denn seine seele trägt des glaubens ehren-kronen
Und scheidet ihre lust nur von der erden spreu
Wie pomerantzen-frucht von schlechten wasser-bohnen.
Die tugend wird sein lob auch in des grabes-nacht
Wie sonnen ihren glantz beym untergange mehren
Zu zeigen: daß der tod zum tempel unsrer ehren
Wie regen zu der frucht den ersten anfang macht.
Budorgis aber hat mit diesem nichts verlohren
Weil ihr der
Ihr seyd nur noch allein betrübte voller schmertz
Wo seine liebe kan in euren augen sterben.
Wie aber kan sie wohl da sein getreues hertz
Will einen marmol-sitz in eurer brust erwerben?
Drum denckt: der himmel kan betrüben und erfreun
Und seuffzer wie den plitz der regen-bogen trennen;
Denn weil der selige nun will in freuden brennen
Wird ihm eur wasser auch vielleicht zuwider seyn;
Nicht aber wenn die welt auff seinen leich-stem̃ schriebe:
Der grund der seligkeit ist glaube tugend liebe.