Auff das absterben Seiner Durchl.Georg Wilhelms/ Hertzogs zu Liegnitz/Brieg und ...

By Daniel Casper von Lohenstein

Written 1659-01-01 - 1659-01-01

So bricht der glantz der welt!

Die zeit kan auch den purpur bleichen;

Die reinste sonne muß zu bald den west erreichen:

Die säule reich an ertzt wird zeitlich hingefällt.

Des himmels spruch ist nicht zu widerstehen

Und wer ist groß genug demselben zu entgehen?

Diß was man ewig schätzt

Das wird in kurtzer zeit begraben;

Wer weiß wo ihrer viel itzt ihre gräber haben?

Die sich lebendig selbst den sternen beygesetzt.

Mich deucht wie die natur manch ding verlohren

Das die vergänglichkeit zu trotzen sich verschwohren.

Des Nimrods grosses reich

Da haupt und herrschafft gülden waren

Ist wie von wenig flut der spröde thon zerfahren

Und seine macht ist itzt den todten-knochen gleich.

Das feste land der grundstein der palläste

Der schweren berge fuß steht selber nicht gar feste.

Von Artaxerxes thron

Ist schwerlich noch ein stein zu zeigen;

Wer weiß wo ringe sich um schlechte finger beugen

Aus derer golde vor bestund die königs-kron.

Der moder hat den theuren zeug zerbissen

Den meinen ahnen hat manch sieger küssen müssen.

Wie alles diß geht ein

Wie gantze reiche sich versetzen

Der rest den stahl die zeit den marmel kan verletzen:

So muß geschlecht und mensch dem tod' auch zinßbar seyn.

Kein alterthum der häuser und der würden

Weiß fürsten von der schuld des sterbens zu entbürden.

Mein graues hauß verfällt

Das nun neunhundert jahr gestanden

Doch ist Gott lob! kein grauß von hohn und spott verhanden!

Weil es die welt zum theil theils Gott in ehren hält.

Es fällt durch mich; jedoch wird niemand schliessen

Daß ich durch meine schuld den grund hätt' eingerissen.

Des Allerhöchsten hand

So cedern setzt und wieder fället

Und an Pyastus stamm zum gipffel mich gestellet

Die bricht mich ab und setzt mich in ein ander land;

Wer dieser hand sich müht zu widerstreben

Der liebt sein ungelück und haßt sein eigen leben.

Vorhin herrscht' ich mit lust

Itzt folg' ich noch mit grössern freuden.

Und muß ich gleich von ihr durchlauchte mutter scheiden

So sey ihr doch und auch frau schwester ihr bewust:

Daß ich nur sey voran dahin geschritten

Wo die vergnügung uns wird stets zusammen bitten.

Hier lebt man gantz befreyt

Von dem was zufall pflegt zu heissen.

Die steine so itzund in meinen haaren gleissen

Sind reiner sternen glantz und gold der ewigkeit.

Die leibwacht die mich hier bestellt ist zu bedienen

Sind freunde sonder falsch und heissen Seraphinen.

Lebt all' in guter ruh!

Wie ihr mir freund und treu im leben;

So seyd des Käysers huld und Gottes schutz ergeben;

Diß bitt' ich noch von euch: Schliest hinter mir nun zu

Und lebt also den kurtzen rest der erden

Daß ihr wie ich gekrönt von Gott bekräntzt mögt werden.