Auff das absterben Seiner Durchl. Georg Wilhelms Hertzogs zu Liegnitz Brieg und ...
So bricht der glantz der welt!
Die zeit kan auch den purpur bleichen;
Die reinste sonne muß zu bald den west erreichen:
Die säule reich an ertzt wird zeitlich hingefällt.
Des himmels spruch ist nicht zu widerstehen
Und wer ist groß genug demselben zu entgehen?
Diß was man ewig schätzt
Das wird in kurtzer zeit begraben;
Wer weiß wo ihrer viel itzt ihre gräber haben?
Die sich lebendig selbst den sternen beygesetzt.
Mich deucht wie die natur manch ding verlohren
Daß die vergänglichkeit zu trotzen sich verschwohren.
Des Nimrods grosses reich
Da haupt und herrschafft gülden waren
Ist wie von wenig flut der spröde thon zerfahren
Und seine macht ist itzt den todten-knochen gleich.
Das feste land der grund-stein der palläste
Der schweren berge fuß steht selber nicht gar feste.
Von Artaxerxes Thron
Ist schwerlich noch ein stein zu zeigen;
Wer weiß wo ringe sich um schlechte finger beugen
Aus derer golde vor bestund die königs-kron.
Der moder hat den theuren zeug zerbissen
Den meinen ahnen hat manch sieger küssen müssen.
Wie alles diß geht ein
Wie gantze reiche sich versetzen
Der rest den stahl die zeit den marmol kan verletzen:
So muß geschlecht und mensch dem tod’ auch zinßbar seyn.
Kein alterthum der häuser und der würden
Weiß fürsten von der schuld des sterbens zu entbürden.
Mein graues hauß verfällt
Das nun neun hundert jahr gestanden
Doch ist GOtt lob! kein grauß von hohn und spott verhanden!
Weil ihn die welt zum theil theils GOtt in ehren hält.
Es fällt durch müh; Jedoch wird niemand schliessen
Daß ich durch meine schuld den grund hätt’ eingerissen.
Des allerhöchsten hand
So Cedern setzt und wieder fället
Und an Pyastus stamm zum gipffel mich gestellet
Die bricht mich ab und setzt mich in ein ander land;
Wer dieser hand sich müht zu widerstreben
Der liebt sein ungelück und haßt sein eigen leben.
Vorhin herrscht’ ich mit lust
Itzt folg’ ich noch mit grössern freuden.
Und muß ich gleich von ihr durchlauchte mutter scheiden
So sey ihr doch und auch frau schwester ihr bewust:
Daß ich nur sey voran dahin geschritten
Wo die vergnügung uns wird stets zusammen bitten.
Hier lebt man gantz befreyt
Von dem was zufall pflegt zu heissen.
Die steine so itzund in meinen haaren gleissen
Sind reiner sternen glantz und gold der ewigkeit.
Die leibwacht die mich hier bestellt ist zu bedienen
Sind freunde sonder falsch und heissen Seraphinen.
Lebt all’ in guter ruh!
Wie ihr mir freund und treu im leben;
So seyd des käysers huld und GOttes schutz ergeben;
Diß bitt’ ich noch von euch: Schliest hinter mir nun zu
Und lebt also den kurtzen rest der erden
Daß ihr wie ich gekrönt von GOtt bekräntzt mögt werden.