Auff das selige Absterben Frauen Anna Magdalena Abschatzin gebohrner Reibnitzin
Written 1672-01-01 - 1672-01-01
Dich solt ich Edler Geist und deiner Tugend Gaben
So dich ins Sternen-Reich numehr versetzet haben
Nach meiner Schuldigkeit durch kluger Worte Zier
Zu ehren seyn bemüht; allein es heist mit mir:
Wo Thränen auffs Papier und in die Dinte schiessen
Kan kein gelinder Reim aus reiner Feder fliessen.
Da wo der schwartze Rock allein im Leyde gehet
Der Florne Feder-Pusch zum Sprunge fertig stehet
Und nach dem Winde tanzt wenn der gezwungne Fuß
Sich irgends auff ein Jahr davon enthalten muß
Kan wohl der freye Sinn ein schönes Grab-Lied schreiben.
Doch daß nicht meine Pflicht mag gantz zurücke bleiben
So soll der Seligsten die kurtze Grabschrifft stehn:
Mein Leser der du wirst die Grufft vorüber gehn
Ein Schatz der Frömmigkeit ein Spiegel Edler Frauen
Ließ hier was sterblich war der Erden anvertrauen.
Ihr wohlverdienter Ruhm wird in viel Hertzen leben
Biß sie des Höchsten Hand wird in den Himmel heben.