Auff das vom Türcken bekriegte Ungern.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Soll itzt der erben kreiß nicht beben und erzirtern

Da sich des himmels grimm mit allen ungewittern

Hat wider uns gerüst? da Türck und Seyth erwacht

Und gantz Pannonien zu einer leiche macht.

Der Ister so zuvor gekrönt von unsern siegen

Und fremdem blut gefärbt muß nun an fesseln liegen

Die schnelle welle hebt ihr schwaches haupt empor

Weil vor den lorber-crautz verächtlich schilf und rohr

Die stoltze scheitel drückt. Das ufer klingt von klage

Und jenseits starrt von blut die schwesterliche wage

Indem der Neutra-strom der freyheit purpur trägt

Den unser krieges-mann daselbsten abgelegt

Als Ottomannes blitz Neuhäusel angefallen

Und unaufhörlich ließ die mord-geschütz erschallen

Da ieder augenblick mit donner schwanger ging

Und an des himmels dach unendlich feuer hing.

Ach schauplatz aller noth und frevler grausamkeiten!

Dort sahe man den feind hier wenig christen streiten

So eintzig und allein ein enger wall beschloß

Wann sich dort Asien mit donnerndem geschoß

Abscheulich hören ließ und spieß und schwerdter k

Wann kugeln in der luft mit lichtem schwefel sprungen

Und den geängstigten und jammerreichen tag

Ermordter cörper zahl fast wie zu schwärtzen pflag.

Uns reitzte tapfrer muth vors vaterland zu sterben

Den bluthund unser land von grund aus zu verderben

Drum stürtzt er leich auf leich und wie zur frühliings-zeit

Der mäder blum und graß mit seiner sens abmeyt.

So hat der sebel auch viel menschen aufgefressen

Wiewol Neuhäusels ruhm so gar nicht zu vergessen

Es stritte weil es kont und gab es tropfen blut

So speyte sie gewiß der Türcken größre fluth

Von ihm geprest heraus. Und ist es überwunden

So hat Scyth und Hircan auch da den sarg gefunden.

Das feld so zwar von graß doch nicht von todten rein

Kan gar mit gutem recht des feindes kirchhof seyn.

Die abgefleischte bein und abgeschlagne schädel

Bezeugen diese that daß unser kriegsmann edel

Und hurtig in dem kampf sich iederzeit gestalt

Wird schon sein werthes blut so wird sein ruhm nicht kalt.

Beschreckte Christenheit von deinem ärgsten feinde

Ermuntre deinen sinn und suche den zum freunde

Der wäll’ und welt beherrscht. Vertrage mit gedult

Die ruthe die dich stäupt ob vieler sünden schuld

Zünd’ andachts-opfer an laß seuffzen GOtt erweichen

So bleibst du unversehrt in kriegen brand und seuchen:

Ists denn des Höchsten schluß daß nichts soll bleiben stehn

So kanstu mit der welt zugleich zu grabe gehn.