Auff den 72. Ejusdem.
Es schloß das deutsche Volck im Alterthum der Zeiten
Daß etwas Heiliges in tieffen Wäldern sey:
Sie pflegten manchem Baum fast Opffer zubereiten
Und der geweyhte Stamm war von Verwüstung frey
Sie fielen auff die Knie die Götter da zu ehren
Wo selbst die grüne Nacht ein grösser Schrecken gab:
Kein unbesonnen Beil dorfft einen Ast versehren
Kein sterblich Menschen Arm die Reiser brechen ab.
In andrer Ehren-Furcht und heiligerm Beginnen
Wil ich durch einen Wald der hohen Würden gehn
Wo sich der Ceder-Baum biß an der Wolcken Zinnen
Siegprächtig hebt empor und kan bey Sternen stehn.
Hochwerthester Patron indem sein Tag erschienen
Und sich ob dessen Heil die gantze Stadt ergetzt
Hat meine Poesie sich sollen diß erkühnen
Daß zum Gedächtnüß sie JHM eine Ceder setzt.
Auch gar deß Höchsten Mund wil die Regenten gleichen
Mit diesem edlen Baum und seiner Würdigkeit;
So kan das hohe Ampt den wahren Ruhm erreichen
Den der Verdienste Krafft schon längst hat zubereit.
Und die in seinem Weg’ und Wandel einher gehen
Die sollen fort für fort im schönsten Wachsthum blühn
Und wie in Libanon die hohen Cedern stehen
Die aller Menschen Aug und Hertzen an sich ziehn.
Gewiß der Segen hat hier reichlich eingetroffen
Und Jhn
Auff seinen Schultern ruht der Bürger Heil und Hoffen
Und ist was Titus war die Liebe dieser Welt.
Ja wie der Cedern Baum an Schönheit hoch erhaben
Die Aest’ in schöner Reyh und holder Blüthe zeigt
So gläntzt auch sein Gemüth von solchen grossen Gaben
Daß selbst der Erden Gott der
Und wie die Zweige sich in rechter Gleichheit breiten
Als hätte sie die Kunst scharffsinnig außgedacht;
So muste Ruhm auff Ruhm die Aempter stets begleiten
Biß ihn der grosse GOtt hat auff den Gipffel bracht.
Wie sich der Cedern Frucht nicht nach der Erden sencket
Und immer auffgericht anmutig sprost empor:
So hat sein edler Geist sich Himmelwerts gelencket
Und deß Erlösers Lob vermehrt in Kirch und Chor.
Denn soll der Ceder-Baum auch überköstlich riechen:
Sein Tugend-Balsam sticht der Cedern Oele weg:
Es darff kein garstig Wurm den reinen Stamm bekriechen:
Deß Lebens Reinligkeit ist hier ohn allen Fleck.
Es taurt das Cedern-Holtz und wird nicht leicht zerspringen
Es berstet nicht der Stamm in Ritz und Spalten auff:
Kein Unglück noch Gefahr kan seinen Muth bezwingen
Er stehet unbewegt bey böser Zeiten Lauff.
Und so soll ein Regent wie Cato standhafft bleiben
Der wenn schon alles bricht nie von der Tugend fällt
Denn wirds gemeine Heil ihm Lob und Danck zuschreiben
Und sein Gedächtnüß blüht auch bey der jüngern Welt.
Der Adler freuet sich in Cedern stets zu nisten
Und seine Hoheit ist mit diesem Baum vermählt:
Hier unsre Ceder kan sich unterm
Als dessen Schutz und Schirm sie einig zugezehlt.
Der liebliche Geruch vom rühmlichen Verhalten
Der angewandte Fleiß durch so viel lange Jahr
Der Aempter treue Pflicht und löbliches Verwalten
Umbschleust nicht nur die Stadt es kom̃t fürn
Der grosse
Hat sie in seinen Raht ein würdig Glied gesetzt
Und soll ein Baum deß Heils auch unserm Breßlau stehen
Der sie mit Raht und That vielfältig hat ergetzt.
Die Vögel und das Wild fliehn zu der Ceder Schatten
Ein jedes suchet da die angenehme Ruh:
Wie vielen kommet nicht der graue Witz zu statten
Und wie viel decket nicht sein Gnaden-Flügel zu.
Er
Von seinem Angesicht wie jener Keyser that
Gibt den Bedrängten Trost läst die nicht Hülffloß stehen
So ein betrübter Fall in Roht gesetzet hat.
Der Cedern Oele bringt der Augen Klarheit wieder:
Sein himmlischer Verstand verworrnen Sachen Licht.
Es drücket Fäulniß nie der Cedern Aest und Glieder:
Vergessenheit verlescht die grossen Dienste nicht.
Deß Numens heilig Buch mit Cedern Safft geschmieret
Blieb biß fünffhundert Jahr von der Verwesung frey:
Die Bücher die er hat der Stadt zu Nutz geführet
Frist nicht der Zeiten Rost noch vieler Jahre Rey.
Wenn der Poeten Volck solt’ etwas Hohes singen
So wünschten sie ihr Blat mit Cedern-Oel benetzt:
Ach könte mir mein Wunsch hier gleichesfalls gelingen
Daß meine schwache Hand was Unverweßlichs setzt:
So würd ich mich bemühn der Nachwelt anzusagen
Der Tugend Treffligkeit so ihn fast göttlich macht.
Ich wolte seinen Ruhm biß an die Sternen tragen
Und munter melden an der Ceder Ehren-Pracht.
Jtzt folg ich denen nach die eh’ der Weyrauch kommen
Citron- und Cedern-Holtz den Göttern angesteckt:
Das Opffer reiner Treu ist dennoch unverglommen
(weckt.
So
Wie aber sonderlich die Cedern hoch zu schätzen
Theils wegen der Gestalt theils angeborner Krafft;
Jhr Balsam pfleget sich dem Tod zu wiedersetzen
Die Leichen wurden lang erhalten durch den Safft:
So auch
Sein herrlich Ehren-Mahl und hochverdienter Ruhm:
Man wird ihn jederzeit auff allen Blättern lesen
Jhn heist die Ewigkeit ihr schönstes Eigenthum.
Wenn grosser Herren Glück und seliges Gedeyen
Der alten weiser Mund annehmlich stalte für
So wünschten sie: Er müß’ in Cedern sich erfreuen
Weil alle Liebligkeit beschleust derselben Zier.
Ich wünsch anjetzt der Stadt: Jhr Ceder-Baum der blühe!
Der
Und daß ihn dieses Licht mit solchem Glantz umbziehe
Der auch Aurorens Gold und Purpur übersteigt!
Er selbst
Von hohen Jahren alt von Kräfften unverletzt!
Es müsse Glück und Heil umb seine Scheitel schweben
Biß GOtt ins Paradiß die