Auff den 72. Ejusdem.

By Heinrich Mühlpfort

Es schloß das deutsche Volck im Alterthum der Zeiten

Daß etwas Heiliges in tieffen Wäldern sey:

Sie pflegten manchem Baum fast Opffer zubereiten

Und der geweyhte Stamm war von Verwüstung frey

Sie fielen auff die Knie die Götter da zu ehren

Wo selbst die grüne Nacht ein grösser Schrecken gab:

Kein unbesonnen Beil dorfft einen Ast versehren

Kein sterblich Menschen Arm die Reiser brechen ab.

In andrer Ehren-Furcht und heiligerm Beginnen

Wil ich durch einen Wald der hohen Würden gehn

Wo sich der Ceder-Baum biß an der Wolcken Zinnen

Siegprächtig hebt empor und kan bey Sternen stehn.

Hochwerthester Patron indem sein Tag erschienen

Und sich ob dessen Heil die gantze Stadt ergetzt

Hat meine Poesie sich sollen diß erkühnen

Daß zum Gedächtnüß sie JHM eine Ceder setzt.

Auch gar deß Höchsten Mund wil die Regenten gleichen

Mit diesem edlen Baum und seiner Würdigkeit;

So kan das hohe Ampt den wahren Ruhm erreichen

Den der Verdienste Krafft schon längst hat zubereit.

Und die in seinem Weg’ und Wandel einher gehen

Die sollen fort für fort im schönsten Wachsthum blühn

Und wie in Libanon die hohen Cedern stehen

Die aller Menschen Aug und Hertzen an sich ziehn.

Gewiß der Segen hat hier reichlich eingetroffen

Und Jhn

Auff seinen Schultern ruht der Bürger Heil und Hoffen

Und ist was Titus war die Liebe dieser Welt.

Ja wie der Cedern Baum an Schönheit hoch erhaben

Die Aest’ in schöner Reyh und holder Blüthe zeigt

So gläntzt auch sein Gemüth von solchen grossen Gaben

Daß selbst der Erden Gott der

Und wie die Zweige sich in rechter Gleichheit breiten

Als hätte sie die Kunst scharffsinnig außgedacht;

So muste Ruhm auff Ruhm die Aempter stets begleiten

Biß ihn der grosse GOtt hat auff den Gipffel bracht.

Wie sich der Cedern Frucht nicht nach der Erden sencket

Und immer auffgericht anmutig sprost empor:

So hat sein edler Geist sich Himmelwerts gelencket

Und deß Erlösers Lob vermehrt in Kirch und Chor.

Denn soll der Ceder-Baum auch überköstlich riechen:

Sein Tugend-Balsam sticht der Cedern Oele weg:

Es darff kein garstig Wurm den reinen Stamm bekriechen:

Deß Lebens Reinligkeit ist hier ohn allen Fleck.

Es taurt das Cedern-Holtz und wird nicht leicht zerspringen

Es berstet nicht der Stamm in Ritz und Spalten auff:

Kein Unglück noch Gefahr kan seinen Muth bezwingen

Er stehet unbewegt bey böser Zeiten Lauff.

Und so soll ein Regent wie Cato standhafft bleiben

Der wenn schon alles bricht nie von der Tugend fällt

Denn wirds gemeine Heil ihm Lob und Danck zuschreiben

Und sein Gedächtnüß blüht auch bey der jüngern Welt.

Der Adler freuet sich in Cedern stets zu nisten

Und seine Hoheit ist mit diesem Baum vermählt:

Hier unsre Ceder kan sich unterm

Als dessen Schutz und Schirm sie einig zugezehlt.

Der liebliche Geruch vom rühmlichen Verhalten

Der angewandte Fleiß durch so viel lange Jahr

Der Aempter treue Pflicht und löbliches Verwalten

Umbschleust nicht nur die Stadt es kom̃t fürn

Der grosse

Hat sie in seinen Raht ein würdig Glied gesetzt

Und soll ein Baum deß Heils auch unserm Breßlau stehen

Der sie mit Raht und That vielfältig hat ergetzt.

Die Vögel und das Wild fliehn zu der Ceder Schatten

Ein jedes suchet da die angenehme Ruh:

Wie vielen kommet nicht der graue Witz zu statten

Und wie viel decket nicht sein Gnaden-Flügel zu.

Er

Von seinem Angesicht wie jener Keyser that

Gibt den Bedrängten Trost läst die nicht Hülffloß stehen

So ein betrübter Fall in Roht gesetzet hat.

Der Cedern Oele bringt der Augen Klarheit wieder:

Sein himmlischer Verstand verworrnen Sachen Licht.

Es drücket Fäulniß nie der Cedern Aest und Glieder:

Vergessenheit verlescht die grossen Dienste nicht.

Deß Numens heilig Buch mit Cedern Safft geschmieret

Blieb biß fünffhundert Jahr von der Verwesung frey:

Die Bücher die er hat der Stadt zu Nutz geführet

Frist nicht der Zeiten Rost noch vieler Jahre Rey.

Wenn der Poeten Volck solt’ etwas Hohes singen

So wünschten sie ihr Blat mit Cedern-Oel benetzt:

Ach könte mir mein Wunsch hier gleichesfalls gelingen

Daß meine schwache Hand was Unverweßlichs setzt:

So würd ich mich bemühn der Nachwelt anzusagen

Der Tugend Treffligkeit so ihn fast göttlich macht.

Ich wolte seinen Ruhm biß an die Sternen tragen

Und munter melden an der Ceder Ehren-Pracht.

Jtzt folg ich denen nach die eh’ der Weyrauch kommen

Citron- und Cedern-Holtz den Göttern angesteckt:

Das Opffer reiner Treu ist dennoch unverglommen

(weckt.

So

Wie aber sonderlich die Cedern hoch zu schätzen

Theils wegen der Gestalt theils angeborner Krafft;

Jhr Balsam pfleget sich dem Tod zu wiedersetzen

Die Leichen wurden lang erhalten durch den Safft:

So auch

Sein herrlich Ehren-Mahl und hochverdienter Ruhm:

Man wird ihn jederzeit auff allen Blättern lesen

Jhn heist die Ewigkeit ihr schönstes Eigenthum.

Wenn grosser Herren Glück und seliges Gedeyen

Der alten weiser Mund annehmlich stalte für

So wünschten sie: Er müß’ in Cedern sich erfreuen

Weil alle Liebligkeit beschleust derselben Zier.

Ich wünsch anjetzt der Stadt: Jhr Ceder-Baum der blühe!

Der

Und daß ihn dieses Licht mit solchem Glantz umbziehe

Der auch Aurorens Gold und Purpur übersteigt!

Er selbst

Von hohen Jahren alt von Kräfften unverletzt!

Es müsse Glück und Heil umb seine Scheitel schweben

Biß GOtt ins Paradiß die