Auff den 74. Ejusdem.
Hoch Edler Herr von Götz des Grossen Käisers Raht
Umb dessen Silber-Haupt sich Lorber-Zweige schliessen
Dem auch die Nach-Welt wil sich hoch-verbunden wissen
Jhm Vater der Gemein und Phönix unsrer Stadt
Nun vier und siebtzig mahl sein Namens-Tag erschienen
Mit was für Schuldigkeit sol ich diß Fest bedienen?
Was thut nicht Schlesien in der Johannis Nacht
Da wo der Berge Höh’ die Wolcken übersteiget
Und sich die Schneekopp’ als der Sonnen Nachbar zeiget?
Es wird aus Laub und Holtz ein Freuden-Feur gemacht
So daß wenn schon der Tau die dürren Felder kühlet
Durch aller Schatten Flor die liechte Flamme spielet.
Ich wil auff dem Parnass’ der Musen Heiligthum
Und des Apollo Thron wo alles ist zu finden
Was nur an Wissenschafft und Weißheit zu ergründen
Mein Opffer legen ab und zwar nicht eine Blum’
Und schwaches Epheu-Laub Jhm
Es sol der
Rom das der Ewigkeit Kampff anzubieten schien
Und sich der Erden Zaum des Meeres Riegel nante
So bald es aus der Schlacht den Sieger nur erkante
Und sah’ in Jovis Schoß das schöne Lorbergrün
Höchst-prächtig legen ab rief: der Erretter lebe!
Daß stetes Glück und Heil umb seine Scheitel schwebe!
Und solte Breßlau nicht den theuren Lorber-Krantz
Der seine Schläfe ziert mit tausend Wünschen krönen
Hochmögender Patron ja solten die Camenen
In ihrer Schoß erzeigt sich ob der Tugend Glantz
Der Thaten Treffligkeit nicht freudig lassen hören
Und der Verdienste Preiß in tieffster Demuht ehren?
Es wird die Göttligkeit dem Lorber beygelegt
Als dessen heilig Blat was künfftig ist entdecket.
Wie offt wenn unsre Stadt in Sorg und Noht gestecket
Hat sein hochweiser Sinn dergleichen Raht gehegt
Das was verderblich war in Wachsthum sich verkehret
Und reichen Uberfluß gemeinem Nutz gewehret.
Mehr ward der Lorberbaum von Königen geehrt
Die ihre Wohn-Palläst und Thore mit gezieret:
Der Käiser Julius hat solchen stets geführet
Zum Bild der Majestät. Und wie das Zeitbuch lehrt
Hat wer zu Delphis sich im kämpffen durchgeschlagen
Den besten Preiß davon den Lorher Krantz getragen.
Ist es nun Wunderns werth
Wenn der Erlauchten Gnad auch seine Lorber-Zweige
Mit grössrem Ruhm belaubt verstumme Neid und schweige.
Der höchste
Der weite Kreiß der Welt schickt seine Sonnen-Blicke
Hier diesem
Es hat der Fürsten-Brieff ein Lorber-Zweig bedeckt
So offt sie Glück und Heil von Feinden überschrieben:
Der edle Lorberbaum ist unversehret blieben
Da als das Schloß zu Rom war in den Brand gesteckt.
Der Richter Ampt und Beil bekrönen Lorber-Aeste
Und voller Lorbern blühn Egyptens heilge Feste.
Die Ceres hat den Baum vor andern hochgeliebt
Denn seine Krafft die läst die Früchte nicht verderben:
Apollo braucht ihn selbst für Fäulniß Gifft und Sterben
Weil seiner Blätter-Safft vielfältig’ Artzney giebt.
Ja Socrates der wil beym Lorberbaume schweren
Es wünscht Empedocles in den sich zu verkehren.
Von solcher Trefligkeit grünt dieser schöne Baum
Als dessen starck Geruch auch Todten kan erquicken.
Er wird zu Freud und Leid uns seine Zweige schicken
Ist bey den Freunden werth und hat bey Feinden Raum:
Deckt Alexanders Helm mit Welt-geprießnen Siegen
Und läst sich auch hernach umb Pallas Schläfe biegen.
Die Sonne küst den Baum als die die Königin
Der Sternen heist und bleibt sie wird mit ihren Stralen
Den lieblichen Schmaragd der Blätter schöner mahlen
Daß wie sie beym Gestirn den Vortheil nimmt dahin
Auch unter Bäumen kan der Lorber König bleiben
Und sich der Sonnen Lust der Wälder Krone schreiben.
Unschätzbahrer Patron seh ich die Herrligkeit
Der Ehren-Lorber an die voller Früchte blühet
Die vor das Vaterland so heilsam sich bemühet
Die GOtt ihr Wachsthum hat zur Danckbarkeit geweyht;
Die durch die Wohlthat sich den Göttern gleich gemachet
Als Schutz-Gott dieser Stadt für aller Heil gewachet;
So sag ich solchen Ruhm beschleust kein enges Blat:
Und ob die Tugend zwar von eigner Würde gläntzet
Ist selbst ihr Schmuck und Lohn: die ihre Folger kräntzet
Und ewig machen kan so pflegt doch wie dem Rad
Der Sonnen Schatten folgt auch Lob sie zu begleiten
Und ihre Treffligkeit blüht unermeßne Zeiten.
Die hohe Eiche fürcht des Donners harten Schlag
Die schwancke Tanne heult die Lorber bleibet stehen
Und läst auff sich getrost die lichten Blitze gehen
Weiß daß dem grünen Haar kein Wetter schaden mag:
So hat
Jhn die Beständigkeit zum Eckstein wollen machen.
Mahlt nicht der Lorber hier ein rein Gewissen ab
Das eifrig GOtt geehrt dem Käiser treu gewesen
Das die Gerechttgkeit zum Hertzblat ihm erlesen
Und Sanfft muht hat geliebt biß in das schwartze Grab:
Denn wie den Lorber kan kein Donner-Keil erschrecken:
So kan hier keine Schuld die Reinligkeit beflecken.
Wo einst das Griechenland Permessus Fluß durchnetzt
Und seinen Silberthau der Wellen außgegossen
Hat dessen Ufer rings ein Lorber-Wald umbschlossen
Da sich das reine Volck der Schwanen hingesetzt
Dem Lorberbaum gedanckt für angenehmen Schatten
Und sich bemüht den Preiß durch Lieder zu erstatten.
Wo Priester Schwanen sind die durch ein heilig Lied
Und Flammen-vollen Mund die Gottesfurcht entzünden;
Bey diesem Lorber-Baum wird man sie embsig finden
Als der zu ihrem Schirm und Wolfahrt hat geblüht.
Es trägt der weise Schwan den Lorber in dem Munde
Sein Rnhm der geht nicht eh’ als mit der Welt zu Grunde.
Es ändert auch der Baum nie sein Schmaragden Kleid
Ein ewig Frühling wohnt in den belobten Zweigen.
Kan uns der Lorber nicht als wie im Spiegel zeigen
Daß er ein wahres Bild der Unverweßligkeit:
Denn wie er immer grünt so muß der Ruhm auch blühen
Der von der Tugend kommt und wurtzelt aus Bemühen.
Diß Kleynod naget nicht der Zeiten scharffer Zahn
Astraeens höchste Zier die Lorber seiner Ehren
Wird gar die späte Welt höchst-preißbar nennen hören
Und was bey dieser Stadt sein Obsicht hat gethan
Schreibt Clio nicht allein in todte Marmelsteine
Nein deß
Es sah die Livia in ihrer zarten Schoß
Samt einem Lorber-Zweig ein weisses Huhn sich flüchten
Darauß entstund ein Wald von tausend Lorber-Früchten:
Die Deutung lehrte klar wie daß die Käiser groß
Und mächtig würden seyn und welcher überwunden
Hat einen Lorber-Krantz aus diesem Wald gefunden.
Ich wünsche
Und adliches Geschlecht außbreit in tausend Zweige
Daß dero hohes Lob die Sternen übersteige!
Ja wie der Lorberbaum gerieben eine Flamm
Und gutes Zeichen giebt so sey mein Wunsch ein Zeichen:
Daß dieses Namens-Fest mög’ alles Heil erreichen.