Auff den 75. Ejusdem.
Nachdem Hoch Edler Herr und Nestor unsrer Stadt
Sich längst die Ewigkeit mit seinem Ruhm vermählet
Deß Alters Ehren-Schnee so siebentzig gezehlet
Nun auch das fünffte Jahr darzu geleget hat
Blüht sein Hoch-Adlich Hauß nicht nur allein in Freuden
Der Himmel wil die Stadt mit gleicher Lust bekleiden.
Der Bürger treuer Wunsch der Unterthanen Pflicht
So vor den Weyrauch-Kloß die Hertzen selbst gewehret
Hat nie nichts eyfriger von GOttes Hand begehret
Als diesen Namens-Tag das hoch-erwünschte Licht;
Dem gar Aurora sich zu Diensten schöner schmücket
Und in ihr göldnes Haar die frischen Rosen drücket.
Der Lorber-Wald erklingt von einem süssen Thon
Die Götter sind bemüht ihr Opffer abzulegen.
Es heiligt Jupiter des hohen Alters wegen
Den Eichbaum wie er pflegt und Phöbus reicht die Kron
Von seinen Lorbern dar Cybele Fichten-Aeste
Und Hercules ertheilt die Pappeln solchem Feste.
Was sol ich aber thun Stern der Gerechtigkeit
Hochwerthester Patron? Mein Einfalt heist mich schweigen
Die tieff-verbundne Schuld sich danckbar zu erzeigen.
Minerva rufft mir zu: Wie mir vor jener Zeit
Athen des Friedens Bild den Oelbaum pflag zu weyhen
So wil denselben ich zum Opffer dir verleyhen.
Wolan! Nun ietzt die Welt mit Krieg zu Rahte geht
Und Mars sein Blut-Fahn schwingt Bellona durch ihr rasen
Die liechte Krieges-Glut in Deutschland auffgeblasen;
Hingegen noch bey uns der Friedens-Oelbaum steht
In unverwelckter Pracht so heist mich
Die Pallas ihren Baum zu einem Denckmahl setzen.
Daß güldner Fried und Ruh in unsern Mauren wohnt
Recht und Gerechtigkeit einander sich noch küssen
Und heilsame Gesetz als wie aus Quellen fliessen
Daß man die Laster strafft und Tugenden belohnt
Und sich gemeines Heil in gutem Wolstand findet
Wird durch sein Regiment,
Es geht an Nutzbarkeit der Oelbaum allen für.
Es hieß des Höchsten Mund sein Volck auch Oele steuren
Das Heilige damit im Tempel anzufeuren.
Mehr hat der Priester Hand gekrönter Häupter Zier
Hoch-feyrlich eingesalbt und deutlich wollen lehren
Daß in Regenten wir des Schöpffers Bildnüß ehren.
Es mag der Heyden Wahn die Steine salben ein
Wir ehren billich die so von dem lichten Morgen
Biß in die tieffe Nacht für aller Wolfahrt sorgen
Und ein beflammtes Licht gemeinem Wesen seyn
Das mit der Weißheit Oel ersprießlich angefeuchtet
Durch dicke Finsternüß der Kummer-Nächte leuchtet.
Sein hocherfahrner Witz
Hat wie des Pharus-Glantz zu Heil und Trost geschienen
Und mit getreuem Raht in Nöhten können dienen
So daß ihm ietzt mit Recht als hoher Tugend Lohn
Der Nach-Ruhm Kronen flicht und von den Oele-Zweigen
Den immer grünen Krantz wil umb die Schläffe beugen.
Was heilet nicht das Oel? es ist kein edler Safft
Der mehr Ergetzung gibt den abgeschwächten Gliedern
Der die verlohrne Kräfft und Geister kan erwiedern.
Was Würckung hat es nicht in der Artzney geschafft?
So daß die Reisenden für rahtsam es befunden
Nie sonder Oel zu seyn dem Balsam ihrer Wunden.
Kein Oel ist so gelind als seine Freundligkeit
Budorgis Salomon. Die Sanfftmuht im regieren
Mit schlauem Witz vermischt muß nur den Scepter führen
Sol blühn die Policey. Und wenn bey schwerer Zeit
Sich irgend hie und da Gebrechen wollen finden
Wird sie die Güte mehr als strenger Ernst verbinden.
Es ließ das Morgenland voll Uppigkeit und Pracht
Auff ihre Häupter Oel mit vollen Strömen fliessen
Der Jugend Rosen-Lentz anmuhtig zu geniessen.
Weg mit der Eitelkeit. Des Höchsten Wunder-Macht
Hat nun
Mit frischem Seegen-Oel sein graues Haar erquicket.
Er grünt dem Oelbaum gleich. Wie dessen frisches Blat
Ein steter Frühling schmückt und spielet in den Zweigen
So ob die Jahre schon auff hohe Staffeln steigen
Blüht doch des Geistes Krafft der keinen Abgang hat
Von seiner Treffligkeit und unablässig dencket
Wie er das Regiment auff Heil und
Der Oelbaum wie man sagt steht in zweyhundert Jahr.
Den ersten Krantz davon hat Hercules erreichet
In der Olymper-Spiel. Ob schon diß Ziel nicht gleichet
Mit unserm Lebens-Lauff so ist doch einmal wahr
Daß GOtt die sättiget mit einem langen Leben
So seinen Willen thun und ihm Gehöre geben.
Frolockt nicht unsre Stadt wenn sein beschneites Haupt
Sich in der Adler Krafft und Ehren-Lilgen weiset?
Der muß von Marmel seyn der nicht die Vorsicht preiset
Der nicht die Centner-Last der schweren Sorgen glaubt
So Er dem Atlas gleich höchst-preißbar unterstützet
Und wie ein Scipio dem Vaterland genützet.
Deß Oelbaums Blüte zeigt deß Jahres Fruchtbarkeit
Auch
Wir wollen ingesamt zu GOtt die Händ erheben
Daß unsers Oelbaums Blüt uns blühe lange Zeit
Daß sein Hoch-Adlich Stamm in Segen-vollen Zweigen
Mög als die Cedern hoch schön als die Palmen steigen.
Daß unter ihm die Stadt sey Noh
Zu dem die Taube fleugt mit Oel und Friedens-Blättern.
Daß ihre Gräntzen seyn befreyt von Krieges Wettern
Daß sie kein Feind erschreck’ kein Unfall mache bleich
Der Kirchen Oelberg auch in Blüht und Wachsthum bleibe
Und seine Pflantzen so dem Himmel einverleibe.
Asträens ewig Ruhm des Käisers treuer Raht
Hoch-Edler Herr von Götz es müssen Rosen sprissen
Wo hin sein Fuß nur tritt und Oel aus Felsen fliessen
Zu Preiß dem Namens-Licht.
Beblick’ uns noch viel Jahr und seh’ auch allenthalben
Wie GOtt