Auff den 75. Ejusdem.

By Heinrich Mühlpfort

Nachdem Hoch Edler Herr und Nestor unsrer Stadt

Sich längst die Ewigkeit mit seinem Ruhm vermählet

Deß Alters Ehren-Schnee so siebentzig gezehlet

Nun auch das fünffte Jahr darzu geleget hat

Blüht sein Hoch-Adlich Hauß nicht nur allein in Freuden

Der Himmel wil die Stadt mit gleicher Lust bekleiden.

Der Bürger treuer Wunsch der Unterthanen Pflicht

So vor den Weyrauch-Kloß die Hertzen selbst gewehret

Hat nie nichts eyfriger von GOttes Hand begehret

Als diesen Namens-Tag das hoch-erwünschte Licht;

Dem gar Aurora sich zu Diensten schöner schmücket

Und in ihr göldnes Haar die frischen Rosen drücket.

Der Lorber-Wald erklingt von einem süssen Thon

Die Götter sind bemüht ihr Opffer abzulegen.

Es heiligt Jupiter des hohen Alters wegen

Den Eichbaum wie er pflegt und Phöbus reicht die Kron

Von seinen Lorbern dar Cybele Fichten-Aeste

Und Hercules ertheilt die Pappeln solchem Feste.

Was sol ich aber thun Stern der Gerechtigkeit

Hochwerthester Patron? Mein Einfalt heist mich schweigen

Die tieff-verbundne Schuld sich danckbar zu erzeigen.

Minerva rufft mir zu: Wie mir vor jener Zeit

Athen des Friedens Bild den Oelbaum pflag zu weyhen

So wil denselben ich zum Opffer dir verleyhen.

Wolan! Nun ietzt die Welt mit Krieg zu Rahte geht

Und Mars sein Blut-Fahn schwingt Bellona durch ihr rasen

Die liechte Krieges-Glut in Deutschland auffgeblasen;

Hingegen noch bey uns der Friedens-Oelbaum steht

In unverwelckter Pracht so heist mich

Die Pallas ihren Baum zu einem Denckmahl setzen.

Daß güldner Fried und Ruh in unsern Mauren wohnt

Recht und Gerechtigkeit einander sich noch küssen

Und heilsame Gesetz als wie aus Quellen fliessen

Daß man die Laster strafft und Tugenden belohnt

Und sich gemeines Heil in gutem Wolstand findet

Wird durch sein Regiment,

Es geht an Nutzbarkeit der Oelbaum allen für.

Es hieß des Höchsten Mund sein Volck auch Oele steuren

Das Heilige damit im Tempel anzufeuren.

Mehr hat der Priester Hand gekrönter Häupter Zier

Hoch-feyrlich eingesalbt und deutlich wollen lehren

Daß in Regenten wir des Schöpffers Bildnüß ehren.

Es mag der Heyden Wahn die Steine salben ein

Wir ehren billich die so von dem lichten Morgen

Biß in die tieffe Nacht für aller Wolfahrt sorgen

Und ein beflammtes Licht gemeinem Wesen seyn

Das mit der Weißheit Oel ersprießlich angefeuchtet

Durch dicke Finsternüß der Kummer-Nächte leuchtet.

Sein hocherfahrner Witz

Hat wie des Pharus-Glantz zu Heil und Trost geschienen

Und mit getreuem Raht in Nöhten können dienen

So daß ihm ietzt mit Recht als hoher Tugend Lohn

Der Nach-Ruhm Kronen flicht und von den Oele-Zweigen

Den immer grünen Krantz wil umb die Schläffe beugen.

Was heilet nicht das Oel? es ist kein edler Safft

Der mehr Ergetzung gibt den abgeschwächten Gliedern

Der die verlohrne Kräfft und Geister kan erwiedern.

Was Würckung hat es nicht in der Artzney geschafft?

So daß die Reisenden für rahtsam es befunden

Nie sonder Oel zu seyn dem Balsam ihrer Wunden.

Kein Oel ist so gelind als seine Freundligkeit

Budorgis Salomon. Die Sanfftmuht im regieren

Mit schlauem Witz vermischt muß nur den Scepter führen

Sol blühn die Policey. Und wenn bey schwerer Zeit

Sich irgend hie und da Gebrechen wollen finden

Wird sie die Güte mehr als strenger Ernst verbinden.

Es ließ das Morgenland voll Uppigkeit und Pracht

Auff ihre Häupter Oel mit vollen Strömen fliessen

Der Jugend Rosen-Lentz anmuhtig zu geniessen.

Weg mit der Eitelkeit. Des Höchsten Wunder-Macht

Hat nun

Mit frischem Seegen-Oel sein graues Haar erquicket.

Er grünt dem Oelbaum gleich. Wie dessen frisches Blat

Ein steter Frühling schmückt und spielet in den Zweigen

So ob die Jahre schon auff hohe Staffeln steigen

Blüht doch des Geistes Krafft der keinen Abgang hat

Von seiner Treffligkeit und unablässig dencket

Wie er das Regiment auff Heil und

Der Oelbaum wie man sagt steht in zweyhundert Jahr.

Den ersten Krantz davon hat Hercules erreichet

In der Olymper-Spiel. Ob schon diß Ziel nicht gleichet

Mit unserm Lebens-Lauff so ist doch einmal wahr

Daß GOtt die sättiget mit einem langen Leben

So seinen Willen thun und ihm Gehöre geben.

Frolockt nicht unsre Stadt wenn sein beschneites Haupt

Sich in der Adler Krafft und Ehren-Lilgen weiset?

Der muß von Marmel seyn der nicht die Vorsicht preiset

Der nicht die Centner-Last der schweren Sorgen glaubt

So Er dem Atlas gleich höchst-preißbar unterstützet

Und wie ein Scipio dem Vaterland genützet.

Deß Oelbaums Blüte zeigt deß Jahres Fruchtbarkeit

Auch

Wir wollen ingesamt zu GOtt die Händ erheben

Daß unsers Oelbaums Blüt uns blühe lange Zeit

Daß sein Hoch-Adlich Stamm in Segen-vollen Zweigen

Mög als die Cedern hoch schön als die Palmen steigen.

Daß unter ihm die Stadt sey Noh

Zu dem die Taube fleugt mit Oel und Friedens-Blättern.

Daß ihre Gräntzen seyn befreyt von Krieges Wettern

Daß sie kein Feind erschreck’ kein Unfall mache bleich

Der Kirchen Oelberg auch in Blüht und Wachsthum bleibe

Und seine Pflantzen so dem Himmel einverleibe.

Asträens ewig Ruhm des Käisers treuer Raht

Hoch-Edler Herr von Götz es müssen Rosen sprissen

Wo hin sein Fuß nur tritt und Oel aus Felsen fliessen

Zu Preiß dem Namens-Licht.

Beblick’ uns noch viel Jahr und seh’ auch allenthalben

Wie GOtt