Auff den 76. Ejusdem.
Kuhmwürdigster Regent uñ Nestor unsrer Stadt
Den GOtt im Alter wil auff Adlers-Flügeln tragen
Daß auch die Nach-Welt kan von seinen Wundern sagen
Es heist mich Schuld und Pflicht ein ewig Lorber-Blat
Zu opffern diesem Fest weil Breßlau niemals hat
Dergleichen graues Haupt bey so verlebten Tagen
Und solcher Jahre Zahl auff seinem Ehren-Wagen
In Freuden angeblickt
Alleine Geist und Muth lähmt mein beharrlich krancken
Deß Ruhmes Treffligkeit faßt nicht mein schwacher Kiel
Und der Verdienste Preiß so ich erzehlen wil
Schleust auch die Ewigkeit in ihre graue Schrancken.
Selbst die Verwunderung legt mir Stillschweigen bey
Und sagt: Daß dieses auch der Ehrfurcht Abriß sey.
Wenn jetzt der Sonnen Liecht die gantze Welt durch- fahren
Der Erden Schoß erwärmt der Berge Haupt erhitzt
Durch allgemeines Liecht der Menschen Thun genützt
So sieht man wie sie sich mit ihren Purpur-Haaren
Stürtzt in die blaue See: deß Morgenlandes Wahren
Sind nichts für ihrem Glantz; wie hell der Demant blitzt
Wie feurig der Rubin auch seine Funcken spritzt
So können sie doch nicht mit ihrer Pracht sich paaren
Sie scheint am herrlichsten wenn sie zu Golde geht
Und grüst die trübe Welt noch durch der Stralen Blicke.
O Sonne dieser Stadt so ist Er auch erhöht
Deß Lebens Abend gläntzt von Tugend Ehr und Glücke
Seiu Ehren-Purpur wird in reinster Hoheit stralen
So lange Phöbus wird das Rund der Welt bemahlen.
Der Phönix den man sonst der Sonnen Vogel heist
Wenn er von Alter schwach von Kräfften abgezehret
Und nichts mehr als sein Grab den Port der Ruh be-
Sucht wo das Morgenland von Würtz und Balsam fleust
Jhm Räuchwerck zu der Grufft; der Vögel Volck das preist
Den Hochbeglückten Tod bald wird sein Wunsch gewehret
In dem der Sonnen Glut sein gantzes Nest verheeret
Und auß der Aschen sich ein junger Phönix weist.
Gewiß
Und Kronen so die Treu der Bürgerschafft ihm flicht
Er Ehr- und Lebensvoll sich wird zum Grabe neigen
Sol doch nicht untergehn das angebohrne Licht
Sein Grab und Asche wird noch dermaleins bekrönen
Das