Auff den einzug tit. Herrn Abraham von Stosch in Groß-Tschirnau.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Rom ehre den August mit tausend wunder-bogen

Pariß erhebe sich durch seinen Ludewig;

Wir streiten grosser Stosch mit beyden um den sieg

Nachdem du wiederum in Tschirnau eingezogen.

Denn ihre pracht bestund in marmol und porphir

Hier aber opffern sich die hertzen selber dir.

Ach strahle wie du pflegst auch mit geneigten augen

Diß liebes-volle pfand vor deinen füssen an!

Denn endlich bricht der stein wie mürber porcellan

Aus büchern kan die zeit die dinte wieder saugen

Und wo man vor den ruhm Pompejus ließ erhöh’n

Da sieht man heute nichts als trübes wasser stehn;

Was aber pflicht und treu an ihre brüste drücken

Und selbst die redlichkeit in harte taffeln prägt

Steht feste wenn der sturm Colossen niederlegt

Und Pyramiden sich wie kleine pappeln bücken;

Kein wasser keine zeit reißt ihre schrifften ein

Weil ihre farben blut die dinte liebe seyn.

Schau Herr hier öffnen sich die pforten unsrer seelen

Hier liegt der bürger hertz auff dem dein name steht

Liß selber wie es itzt vor freuden schwanger geht

Weil sich dein sonnen-licht nicht länger will verhölen.

Liß wie die kinder sich so wie die eltern freun

Weil deine gegenwart nun soll beständig seyn.

Liß endlich auch zuletzt was unsre seuffzer bitten

Daß nemlich alles glück dir zu der seiten stehn

Der himmel deinen stam̃ wie cedern mög erhöhn

Und also deine stadt mit honig überschütten;

Denn was ein ieder ihm hier selber wünschen soll

Ist dieses kurtze lied: Es gehe Stoschen wohl!